Staging - Tumornachsorge

  • Hallo liebes Forum,
    ich habe da einen Patienten mit bösartigem Harnröhrenneubildung. In diesem Fall wurde eine radikale Penisamputation durchgeführt. Nach 3 Monaten erfolgte ein Staging der reg. Lymphknoten. Dabei wurde nach Biopsie / Histo keine Metastasierung in das reg. Lymphknotengebiet festgestellt. Man hat aber trotzdem aufgrund der vergrößerten Lymhkoten eine Lymphadenektomie vorgenommen. Ist nun als HD der Primärkode (Harnröhrenkrebs) heranzuziehen oder doch die Lymhadenitis.

  • Hallo Herr Koeken:


    die DKR hierzu, 0201b Auswahl und Reihenfolge der Kodes:


    Der Malignom-Kode ist als Hauptdiagnose für jeden Krankenhausaufenthalt zur Behandlung der bösartigen Neubildung und zu notwendigen Folgebehandlungen (z.B. Operationen, Chemo-/Strahlentherapie, sonstige Therapie) sowie zur Diagnostik (z.B. Staging) anzugeben, bis die Behandlung endgültig abgeschlossen ist, also auch bei den stationären Aufenthalten, die beispielsweise auf die chirurgische Entfernung eines Malignoms folgen. Denn obwohl das Malignom operativ entfernt worden ist, wird der Patient nach wie vor wegen des Malignoms behandelt.


    In Ihrem Fall nehmen Sie primär zum Staging auf, deswegen wird der Malignom-Kode HD. Lymphadenitis erfüllt die Kriterien zur Kodierung von ND und wird entsprechend angegeben.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo,


    Sie müssen scharf trennen zwischen Staging und Tumornachsorge. Beim Staging ist der Tumor noch vorhanden (also z. B. Staging zur Erfolgskontrolle bei Chemo) oder es ist ein Abschlußstaging als Endkontrolle nach durchgeführter Therapie. Dann gilt die 0201b, wie von Herrn Selter angeführt.


    Bei der Tumornachsorge ist die Codierung anders. Es handelt sich dabei um eine Nachuntersuchung nach Behandlung wegen bösartiger Neubildung, die Behandlung ist abgeschlossen, es erfolgt lediglich eine Nachuntersuchung.


    Also würde man z. B. nach chirurgischer Entfernung eines Kolon-Ca codieren:


    HD Z08.0 Nachuntersuchung nach chirurgischer Behandlung wg. BNB
    ND Z85.0 Bösart. Erkrankung der Verdauungsorgane in der Eigenanamnese


    Haben Sie bei der Nachuntersuchung einen Lymphknoten exzidiert, der in diesem Fall keine Filia darstellt, so könnten Sie ihn als ND mit R59.0 codieren oder mit D47.7, je nachdem, was Sie bei Entlassung über die Dignität wissen, oder vielleicht auch die Lymphadenitis, je nachdem. Dies gilt dann, wenn er während einer stationär durchgeführten Nachuntersuchung entdeckt wurde. Wurde der Patient ambulant nachuntersucht und zur Exzision eingewiesen, sieht die Diagnosenzuordnung wiederum anders aus.


    In Ihrem Fall scheint es mir eher um die Tumornachsorge zu gehen, denn ich gehe nach Ihren Angaben davon aus, daß keine Filiarisierung vorgelegen hat und die Exzision die definitive Therapie war.


    Mit freundlichen Grüßen,


    V. Blaschke

    _____________________
    Dr. med. Volker Blaschke

  • Hallo Hr.Blascke,
    danke für Ihre Ausführungen. Die Filiarisierung konnte eindeutig sowohl nach Schnellschnitt als auch nach Histo ausgeschlossen werden. Der bekannte Primärtumor war i.d. Lymphknoten nicht mehr nachweisbar. Man hat aber trotzdem die reg. Lymphknoten bds. entfernt. Daher sehe ich das eigentlich genauso wie Sie, dass es sich hierbei eine eigenständige und von der Tumortherapie losgelöste Therapie gehandelt hat. Dir KDR 0201b Beispiel 3/4 nicht anwendbar?!?

  • Hallo Herr Koeken,


    wenn zur Nachuntersuchung aufgenommen wurde und kein Nachweis eines Rezidivs oder Metastasen erbracht werden konnte, gilt die 0209a Malignom in der Eigenanamnese, Nachuntersuchungen bei Patienten mit Malignom in der Eigenanamnese


    Kodes der Kategorie Z08.– Nachuntersuchung nach Behandlung wegen bösartiger Neubildung sind als Hauptdiagnose nur dann zuzuweisen, wenn ein Patient zur Nachuntersuchung eines Malignoms aufgenommen wurde und kein Tumor mehr nachweisbar ist. Als Nebendiagnose ist der passende Kode aus Kategorie Z85.– Bösartige Neubildung in der Eigenanamnese anzugeben.


    In Ihrem Fall dann noch die Lymphangitis als ND. Beispiel 1 unter dieser Regel ist dann für Sie relevant.


    Ansonsten, siehe 1. Post.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • :d_neinnein: als Urologin (auch wenn es schon lange her ist) kann ich nur sagen: es kann keine Nachuntersuchung sein, weil das LK-Staging beim Penis-Carcinom zur Behandlung dazu gehört, also HD in jedem Falle das Carcinom. Ohne LK-Staging ist die Behandlung nicht lege artis durchgeführt. So war es zumindestens zu \"meinen\" Zeiten, falls sich daran was geändert hat, müssten die Uros im Forum sich mal äußern. :erschreck:


    Herzliche Grüße
    Patricia

    Patricia Klein

  • Hallo Frau Klein,


    warum soll es keine Nachuntersuchung gewesen sein? Das \"Staging\", also z.B. als initiale Ausbreitungsdiagnostik, führt man ja normalerweise beim stationären Aufenthalt durch, also vor der Entscheidung über die Therapie, hier: Exzision. Dies erst nach drei Monaten und nach erfolgter Exzision zu tun, fände ich doch recht merkwürdig... Ich nehme an, es handelt sich hier um einen Befund im Rahmen der regulären Tumornachsorge, die es sicherlich auch bei urologischen Malignomen gibt. Vielleicht gibt uns aber der Kollege dazu weitere Informationen.


    Viele Grüße,


    V. Blaschke

    _____________________
    Dr. med. Volker Blaschke

  • Hallo,


    als Nicht-Onkologe fällt es mir schwer, die Grenze zwischen Staging und Nachsorge exakt zu ziehen. Gibt es hier eine verbindliche Definition?


    Aus meiner Sicht ist eine Krebserkrankung nach 3 Monaten nicht als (sicher) ausgeheilt zu betrachten. Eine Diagnostik nach so kurzer Zeit würde ich als Staging kodieren (wenn´s gut gelaufen ist: ToNoMo)


    Grüße
    PB

  • Hallo Herr Koeken,
    um den Fall einordnen zu können wären weitere Angaben zur bisherigen Behandlung notwendig:
    Ist beim ersten Aufenthalt ein LK-Staging durchgeführt worden, lag ein Verdacht auf LK-Metastasierung vor, ist zwischenzeitlich ev. eine Chemotherapie gelaufen und der Patient kommt jetzt zum Re-Staging oder ist bei der Routinenachsorge amb. eine LK-Schwellung aufgefallen und der Patient wird unter dem Verdacht einer LK-Metastasierung eingewiesen???
    Vielleicht können Sie mehr Angaben machen.


    MfG
    urogert

  • :d_niemals:
    Eine totale Penisamputation ist ja nun nicht gerade eine einfache OP für einen Patienten. Da ist es durchaus plausibel, 3 Monate mit dem LK-Staging zu warten und es nicht während des ersten Aufenthaltes mal so eben mitzumachen (zumal die beidseitige LK-Ausräumung inguinal ein großer Eingriff ist mit häufigen Wundheilungsstörungen und großem Aufwand). Sentinel-LK-Staging ist weniger aufwendig, kenne ich aber aus der Dermatologie (Uni-Klinik, kann also so verkehrt nicht sein)auch mit Verzögerung von 2-3 Monaten nach Melanomexcision am Bein.


    Am besten weiß es natürlich (wie immer, seufz) der behandelnde Arzt. Womit mal wieder bewiesen ist, dass der behandelnde Arzt am besten kodieren kann.
    :teufel: Quod erat demonstrandum...
    Patricia

    Patricia Klein

  • Hallo Frau KLein,


    ich möchte mich nicht mit Ihnen über Abfolge und Zeitpunkt notwendiger medizinischer Maßnahmen streiten, sondern zur korrekten Kodierung des beschriebenen Falles beitragen. Dazu sind eben zusätzliche Angaben notwendig, um \"quod erat demonstrandum\" sagen zu können.


    MfG
    urogert


    (p.s.: Ich war übrigens auch einmal an der Uniklinik, sogar an einer urologischen)

  • :d_zwinker: das hatte ich schon messerscharf vermutet, dass hinter \"urogert\" ein Urologe steckt... (namens Gert??)


    Ich wollte auch eher ein kleines \"wehret den Anfängen\" in Richtung Kassen senden. Damit nicht gleich routinemäßige Nachfragen kommen, wenn ein Staging eben erst mit einer zeitlichen Verzögerung durchgeführt wird und als HD keine Z-Diagnose kodiert ist.
    :teufel: \"Honi soit, qui mal y pense.\"


    Ansonsten sind wir glaube ich einer Meinung: Man muss kodieren, wie es tatsächlich gewesen ist. Staging? Nachbehandlung? Oder Kontrolle? Mir erschien nur die inguinale LK-Ausräumung beidseits als Kontroll-OP eher ungewöhnlich, aber das können Sie ganz sicher besser beurteilen als ich.


    :sonne: :sonne: :sonne:
    Herzlichst Patricia

    Patricia Klein