Ist die Stauungsleber bei Herzinsuffizienz ein Symptom?

  • Hallo Forum,
    in unserer Klinik wurde ein Patient mit erhöhten Leberwerten zur Diagnostik aufgenommen. Als Ursache fand sich eine Stauungsleber bei dekompensierter Herzinsuffizienz. Kodierung: HD K76.1, ND I50.0. (Fall aus 2003).
    Der MDK erkennt das so nicht an. Er sagt: Wenn sich ein Patient mit einem Symptom vorstellt und während des Krankenhausaufenthalts die zugrundeliegende Krankheit festgestellt wird, so ist die zugru. Krankheit als Hauptdiagnose zu kodieren und das Symptom wird nicht kodiert. HD: I50.0.
    Zum Ausschluß anderer Erkrankungen ist viel Diagnostik durchgeführt worden, z. B. CT, Sonographie, Laborkontrollen mit Hepatitisserologie und Tumormarkern.
    Wir finden, dass hier der Begriff Symptom (der sich u. E. im wesentlichen auf die R-Codes bezieht) ein bisschen sehr weitläufig ausgelegt wird. Wie ist Ihre Meinung?
    Vielen Dank aus Lünen


    I. Broß

    Ina Broß
    Ärztin für Chirurgie und Unfallchirurgie
    Medizincontrolling
    :sterne:

  • Schönen guten Tag Frau Broß!


    Ich sehe das so wie Sie, und zwar unter anderem aus folgendem Grund:


    Zitat

    DKR 2004 D002:


    Zwei oder mehr verwandte Krankheiten, die jeweils unabhängig
    voneinander der Definition der Hauptdiagnose entsprechen können


    Sofern zwei oder mehr verwandte Krankheiten (z.B. Krankheiten im selben ICD-10-GMKapitel oder Manifestationen, die typischerweise mit einer bestimmten Krankheit gemeinsam auftreten) potenziell der Definition der Hauptdiagnose entsprechen, muss vom behandelnden Arzt entschieden werden, welche Diagnose am besten der Hauptdiagnose-Definition entspricht.


    Schönen Tag noch

  • Guten Morgen Frau Bross und Herr Schaffert!


    Ich würde das genauso sehen. Es handelt sich ja hier um eine neue Krankheit die auf dem Boden der anderen entsteht. Würde der MDK dann auch wollen das die Herzinsuffizienz einzige Diagnose bleibt wenn eine Leber-CI mit Panzytopenie, Synthesestörung.... entsteht?



    MfG
    Eckhardt

  • Zitat


    Original von InaBross:
    ...so ist die zugru. Krankheit als Hauptdiagnose zu kodieren und das Symptom wird nicht kodiert...


    Hallo Fr. Bross, hallo Forum!


    Des Weiteren heißt es aber auch unter D002 in der DKR:


    \"Stellt ein Syptom jedoch ein eigenständiges, wichtiges Problem für die medizinische Betreuung dar, so wird es als Nebendiagnose kodiert.\"


    Lt. Ihren Ausführungen sollte genau dieser Passus, eine Argumentationshilfe sein.


    Gruß aus dem sonnigen Alpenrand


    Code-Jack

    Welch triste Epoche, in der es leichter fällt ein Atom zu zertrümmern, als ein Vorurteil\" - Albert Einstein

  • Hallo,
    leider haben wir mit dem Internet so ein paar Probleme ...


    Die Antwort von \"Jack\" würde bedeuten Herzinsuffzienz HD, Stauungsleber ND. Damit hätte der MDK ja recht, wenn er sagt, dass die Herzinsuffizienz als zugrundeliegende Krankheit HD ist, oder :sterne:


    Nach der Antwort von \"Jack\" finde ich es aber sogar logisch. Wie ist Ihre Meinung?


    Gruß Ina Broß (keine Internistin...)

    Ina Broß
    Ärztin für Chirurgie und Unfallchirurgie
    Medizincontrolling
    :sterne:

  • Hallo,


    wenn ich Ihren Fall mal mit folgendem vergleichen darf:
    Pat. kommt mit Oberschenkelthrombose und wird operiert. Im weiteren Verlauf wird als Ursache ein Colon-CA festgestellt (im Sinne eines paraneoplastischen Syndroms). CA also Ursache von Thrombose.


    Was ist HD?


    Ich habe das jetzt mal dem InEK vorgelegt, mit der Frage, inwiefern die Thrombose im Sinne eines Symptoms (ohne CA keine Thrombose) zu werten ist und somit CA zur HD und die Thrombose zur ND wird.
    Das ist ja auf Ihren Fall übersetzt die Forderung des MDK.


    Die Antwort vom InEK: Sie haben wegen der Thrombose aufgenommen, das wird HD.
    Das ist auf Ihren Fall übersetzt Ihre Kodierung.


    Also, wenn jetzt diese beiden Fälle prinzipiell vergleichbar sind, bleibt Ihre Kodierung so wie sie ist.


    (Allerdings habe ich bereits noch mal nachgeharkt, weil ich die Antwort nicht 100% schlüssig finde)

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo!


    Die Frage läßt sich wohl darauf reduzieren was ist eine Diagnose und was ist ein Symptom oder auch wann ist eine Diagnose ein Symptom.


    Für mich wäre in beiden Fällen (Thrombose/Tumor; Stauungsleber/Herzinsuffizienz) die Thrombose bzw. die Stauungsleber eine quasi \"eingenständige\" Krankheit die zur Aufnahme führt und der Tumor bzw. die Herzinsuffizienz entsprechend Nebendiagnose.
    Ähnlich wie bei der septischen Pneumonie http://dedi694.your-server.de/…0951e83ad44d8d73773ee0a49.


    Man kann sicher wieder gespannt sein was das InEK dazu sagt.


    MfG
    Eckhardt

  • Wenn bei einer Stauungsleber ausser einer Rechts- oder
    globaler Herzinsuff. sonst kein weitere Ursache in Frage
    kommt, dann ist dies ein Symptom der Herzerkrankung, und keine
    eigenständige, von der Herzinsuff. unabhängig aufgetrene
    Erkrankung der Leber. Es handelt sich aber zugleich um ein
    wichtiges medizinisches Problem (weil z. B. durch aufwändige
    Laboruntersuchungen andere Ursachen ausgeschlossen wurden),
    und darf daher als Nebendiagnose kodiert werden. Noch dazu
    kann eine solche Stauungsleber u. U. dekompensieren und so
    zum wichtigsten Problem werden!
    Ordu