Mammachirurgie

  • Hallo,


    kennt jemand den Unterschied zwischen der Kodiersystematik des ICD-10-AM und des OPS 301 bei der Mammachirurgie ?


    Hintergrund: Können Web-Grouper die AR-DRGs abbilden ?


    Danke
    Maike Fedders

  • ich sollte etwas genauer lesen ...
    Grüße
    Christian Jacobs


    [ Dieser Beitrag wurde von cjacobs am 04.03.2002 editiert. ]

  • Hallo Herr Fedders,


    ich kann Ihnen so viel sagen, dass die Systeme nicht aufeinander überführbar sind. Der OPS hat eine Vielzahl von überflüssigen, historisch begründeten Codes im Bereich Mammachirurgie, kennt aber z.B. den Schnellschnitt nicht. Letzterer ist im ICD-10-AM abgebildet. Auch die axilläre Lymphonodektomie ist unterschiedlich. Die brusterhaltende Therapie wird von einigen Groupern zu den konservativen Therapieverfahren gezählt usw....:( :(
    Die Antwort lautet also: Nein, zumondest nicht korrekt!


    Freundliche Grüße


    Carsten Brumm :dance1:

  • Liebe Onkologen,
    das AR-DRG-System kennt für die onkologische Mamma-Chirurgie nur die J06A "größere Eingriffe an der Brust bei bösartigen Neubildungen" und
    J07A "kleinere Eingriffe an der Brust bei bösartigen Neubildungen", abgesehen von J01Z "Mikrovaskulärer Gewebstransfer bei Erkrankungen von Haut, Subkutangewebe und Brust". Somit ist es also relativ belanglos, ob eine Mastektomie mit oder ohne Lymphadenektomie durchgeführt wird oder ob eine Biopsie mit Schnellschnitt und in der selben Sitzung die definitive brusterhaltende Mammaresektion mit LA, ggf. auch Sentinel-LA vorgenommen wird - es resultiert in jedem Fall die J06A. Falls die Biopsie als alleiniger Eingriff eines statinären Aufenthaltes erfolgt, würde dies ggf. zur J07A führen. Das DRG-System gibt hier also Anreize zum Fall-Splitting. Aus ökonomischer Sicht ist somit der OP-Leerlauf, den die Schnellschnittdiagnostik bedingt, zukünftig besonders problematisch. Hier muß die Interessen der betroffenen Patientinnen mal deutlich artikuliert werden. Ich habe die Problematik in der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und der Krebsgesellschaft bereits thematisiert.
    Dass der OPS-301 bei der Klassifizierung der Mammachirurgie antiquiert ist, würde ich nicht bestätigen wollen. Die differenzierten Möglichkeiten des OPS, das Ausmass der Resektion des Tumors sowie der einzeitigen oder zweizeitigen Lymphadenektomie genau anzugeben, bietet weltweit keine andere Prozedurenklassifikation, insbesondere auch nicht der australische ICD-10-AR MBS extended. Ergänzend ist natürlich immer der Diagnosenkode (mindestens ICD-10), zusätzlich ICD-O (Tumor-Lokalisationsschlüssel, Morphologieschlüssel, Grading, TNM)anzugeben. Die Probenentnahme für die Schnellschnittuntersuchung ist mit dem OPS z.B. als Exzisionsbiopsie kodierbar (5-870.0). Die eigentliche Schnellschnittuntersuchung ist keine chirurgische Massnahme, Pathologieleistungen werden derzeit noch nicht mit dem OPS kodiert.
    Für die axilläre Sentinel-Lymphadenektomie gibt es im OPS Vers. 2.1 z.B. den Kode 5-401.11.
    Falls Ihre Grouper-Software andere Abrechnungen ermittelt, so liegt dies zweifellos am Mapping. Der ID DIACOS-Grouper liefert hier plausible Ergebnisse. "Richtig" ist allerdings letztendlich nur, was nach Bekanntgabe des offiziellen Mappings der Selbstverwaltung ermittelt wird, lassen wir uns also von dem Ergebnis des vermutlich noch nicht einmal beauftragten Mappings überraschen, welches ja bis zum Sommer 2002 vorliegen soll.
    Beste Grüße aus dem Urlaub!
    Rolf Bartkowski

    Dr. Rolf Bartkowski
    Arzt f. Chirurgie, Med. Informatik
    Berlin