Vakuumversiegelung

  • Liebes Forum,


    :x
    ich wurde von unseren Chirurgen im Haus gefragt, wie in anderen Häusern die Vakuumversiegelung bei Ulcera verschlüsselt wird. Es geht zum Einen um die Prozedur, aber auch, ob die zT aufwendigeren Verbandswechsel alle 3 Tage auch kodiert werden. Wie handhaben Sie das?:rolleyes:
    Besten Dank schonmal,


    Marit Heger
    KKH Südliche Weinstraße
    beginnende Med. Controllerin

    Marit Heger
    Kreiskrankenhaus SÜW
    Med. Controlling, EDV, Ass. Ärztin

  • Hallo,


    ich fange mit der 2. Frage an:


    Nein. Verbände sind NUR bei Verbrennungen zu kodieren und dies nur 1 x für den ganzen Aufenthalt (egal wie oft und aufwendig durchgeführt). Diese DKR ist eine der sinnlosesten die ich kenne, denn ich transportiere damit keine verwertbare Information.
    Auwendige Gipse wären auch noch zu kodieren, war aber nicht Ihre Frage.


    Zu der 1. Frage:


    Es gibt keinen speziellen Kode, aber man kann 5-916.x- (6. Stelle Lokalisation) "Sonstige temporäre Weichteildeckung" kodieren, dazu noch andere Prozeduren, z.B. 5-893.-- "Chir. Wundtoilette (Debridement) und Entfernung von erkranktem Gewebe an Haut und Unterhaut". Dabei ist dann noch die DKR P012a zu berücksichtigen, d.h. Sie müssen die mit Zentimetermaß die Wundflächen der Größe nach bestimmen, addieren (bei mehrfacher Durchführung) und mit einem Kode am Ende darstellen. Zur Info: 5. Stelle 0 = bis 3 cm Länge oder Fläche bis 4 cm². 5. Stelle 1 = alles darüber.


    Viel Spaß beim Ausmessen und dem Med. Controlling!
    --
    D. D. Selter
    Arzt, Med. Cont. BGU-Murnau.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Lieber herr Selter,
    besten Dank für Ihre Antwort, werde meinen Chirurgen dann wohl ein Centimetermaß mit in den OP geben- grins.
    Liebe Grüße,


    Marit Heger:roll:

    Marit Heger
    Kreiskrankenhaus SÜW
    Med. Controlling, EDV, Ass. Ärztin

  • Guten Abend zusammen,


    Bei uns werden relativ häufig Vacuumversiegelungen vorgenommen. Wir verschlüsseln wie von Herrn Selter angegeben mit5-916.1(Lokalisationsangabe). Allerdings "nerve" ich (zumindest an dieser Stelle) meine Kollegen nicht mit den Spitzfindigkeiten -großflächig/kleinflächig-. Bei uns wird standardmäßig der Schlüssel für großflächige plastische Deckung mit xenogenem Material gewählt.
    Meines Erachtens wäre es auch unsinnig und nicht ökumonisch kleinere Wundflächen/Ulcerationen mit einer Vacuumversiegelung zu therapieren.


    :drink: Schönes (hoffentlich dienstfreies) Wochenende an alle Forumsaktivisten


    Jörg Schwarz

  • Zitat


    Original von JSchwarz:
    Allerdings "nerve" ich (zumindest an dieser Stelle) meine Kollegen nicht mit den Spitzfindigkeiten -großflächig/kleinflächig-.


    Hallo Herr Schwarz,


    tue ich auch nicht.
    Der Vollständigkeit halber, habe ich es aber erwähnt. Es ist ja auch klar, dass in keiner Klinik die DKR zu 100% angewendet werden (mich würde wirklich mal die %-Angabe interessieren, der MDK soll es uns ja dann zukünftig sagen :rolleyes: ). Jeder, der sich mit den DKR auseinandergesetzt hat, hat auch schon welche gefunden, die ignorier-bedürftig sind, da unsinnig.

    Gruß


    D. D. Selter

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Guten Abend Frau Heger und Herr Selter,


    Ich muß noch mal auf dieses Thema zurückkommen.
    Haben sie oder irgend jemand anderes bereits Fälle mit dem OPS-Code 5-916.1 oder 0 + Lokalisation gegroupt?
    Mit unserem Grouper (DRGScout von Kodip) lande ich, unabhängig von der HD immer in der Gruppe I02A oder B- Mikrovaskulärer Gewebetransfer....
    Ist das bei Ihnen auch so?
    Wenn ja, sehe ich da ein Problem. OK, der CW liegt deutlich höher, aber das ist sicher nicht gerechtfertigt. Upcoding läßt grüßen! Gibt es da möglicherweise ein Mappingproblem?


    Schönen Abend noch:roll:


  • Guten Morgen Allerseits,
    auch ich groupe mit dem DRG-Scout von Kodip, allerdings lande ich nicht immer in der obeb angegebenen Gruppe. Nehme ich als Hauptdiagnose z.B. die I80.0 (Varizen mit Ulzeration)+ der 5-916.6f, so lande ich bei der DRG: F21B mit einem austral. Relativgewicht von 1,87.


    :chili: :chili: :chili: :chili: :bombe:


    Wie geht es denn da den Anderen? Ist das realistischer?


    Grüße aus der verhangenen Pfalz
    --
    Marit Heger
    Kreiskrankenhaus SÜW
    Med. Controlling, EDV, Ass. Ärztin

    Marit Heger
    Kreiskrankenhaus SÜW
    Med. Controlling, EDV, Ass. Ärztin

  • Guten Morgen Herr Schwarz,


    Zitat


    Original von JSchwarz:
    Gibt es da möglicherweise ein Mappingproblem?


    Ich denke, dass es kein Mapping-Problem im Sinne einer falschen Zuordnung ist.
    Die Prozedur wird wahrscheinlich auf 90670-00 Allograft oder 90672-00 Synthetic Skin Craft gemappt sein.
    Die HD bestimmt, ob Sie in die MDC 08 kommen. Wenn Sie z.B. die Hauptdiagnose S81.9 Offene Wunde US nehmen landen Sie in der MDC 21. Die gefundene DRG lautet: X01Z Transpl. v. mikrovask. Gewebe oder Hauttransplantation zur Behandlung v. Verletzungen d. unteren Extermität, RG: 3,32.
    Es gibt auch noch andere MDCs, die Sie mit unterschiedlichen HDs ansteuern.


    Welche HD haben Sie denn eingesetzt?


    Man muß auch immer daran denken, dass das RG den Durchschnitt über alle Behandlungsfälle angibt. Sie werden auch Fälle behandeln, wo Sie mit dem dann berechneten Entgelt nicht Ihre Kosten decken werden. Und: Wir werden erst noch unsere Kalkulationsergebnisse abwarten müssen, um da überhaupt eine korrekte Einschätzung geben zu können (bestimmt nicht mehr dieses Jahr)). Andererseits weiß ich auch nicht, ob die Australier in gleicher Form die V.-Versiegelung praktizieren.


    Gruß




    --
    D. D. Selter
    Arzt, Med. Cont. BGU-Murnau

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Guten Morgen Frau Heger,

    Zitat


    Original von kkhsuew:
    Nehme ich als Hauptdiagnose z.B. die I80.0 (Varizen mit Ulzeration)+ der 5-916.6f, so lande ich bei der DRG: F21B mit einem austral. Relativgewicht von 1,87.
    Wie geht es denn da den Anderen? Ist das realistischer?


    Man muß berücksichtigen, dass hier unterschiedliche "Ausgangsmengen" (also Diagnosen und Behandlungsabläufe) bei der Kalkulation vorliegen. Auch wenn eine deutliche Diskrepanz zwischen den einzelnen RGs der unterschiedlichen DRGs besteht, bedeutet das nicht, dass ein RG "realistischer" ist, als das andere. Alle sind gleichermaßen "realistisch", bezogen auf die ursprünglich "Ausgangsmenge" der Kalkulation.
    Ein Fallpauschalensystem bezahlt nicht den Einzelfall und ist auch keinesfalls, auf den Einzelfall bezogen, gerecht. Sie werden Fälle behandeln, bei denen Sie verdienen und bei anderen zahlen Sie drauf.
    Die Kunst wird sein, seine Behandlungsabläufe so zu optimieren, dass man mit Teilen der DRGs so viel verdient, dass man sich die anderen leisten kann.


    Gruß




    --
    D. D. Selter
    Arzt, Med. Cont. BGU-Murnau

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo liebes Forum,


    ich habe hier gerade aus der Zeitschrift "Der Chirurg" 8/2003 eine Stellungnahme zu der Frage der Kodierung der Vakuumversiegelung von der DRG-Komission der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie ... .
    Sie sind gegen eine Kodierung von 5-916.2 bzw. 5-916.7 genau aus dem Grund, weil diese OPS-Kodes in die hoch bewertete DRG I02 triggern. Sie sehen eher einen Fehler in der Tatsache, dass die einfache temporäre Weichteildeckung z.B. mit Epigard auch in diese DRG triggert. Es wird noch einmal darauf hingewiesen, dass das G-DRG-System keine Einzelleistungserstattung vorsieht und vom Grundansatz her auch gar nicht will. Hier ein Ausschnitt:
    "Dass unsere Kodierempfehlung auch der Ansicht von DIMDI, InEK und Selbstverwaltung entspricht, kann aktuell aus der Tatsache abgeleitet werden, dass die Prozedur Vakuumversiegelung lediglich in den neuen, optional anwendbaren 'Erweiterten OPS' aufgenommen worden ist (als Kode 8-190.0 in der Gruppe Spezielle Verbandstechniken), aber nicht auf einen amtlichen OPS-Kode gemappt wird, also nicht als 'temporäre Weichteildeckung durch alloplastisches Material (5-916.2 bzw. 5-916.7) klassifiziert wird. ... Dieser Kode (8-190.0) wird allerdings nicht in absehbarer Zeit zur Definition irgendeiner DRG verwendet werden."
    Übrigens gibt es in dieser Zeitschrift in jeder Ausgabe sehr interessante DRG-Übungen.


    Viele Grüße aus dem grauen Brandenburg



    Elisabeth Kosche
    :dance1:

  • Danke, Frau Kosche, das wollte ich auch gerade posten...
    --
    Dr. Rolf Bartkowski
    Arzt f. Chirurgie, Med. Informatik
    DGCH, Berlin

    Dr. Rolf Bartkowski
    Arzt f. Chirurgie, Med. Informatik
    Berlin

  • Natürlich setzen sich die chirurgischen Fachgesellschaften für eine sachgerechte Lösung ein, dies im Rahmen des strukturierten Dialogs zwischen Ärztekammer, AWMF, InEK und Selbstverwaltung. Leider sind vorher schon unkoordinierte Aktivitäten angelaufen, die uns jetzt den optionalen Kode 8-190.0 im erweiterten OPS beschert haben. Es entspricht dem Prinzip der monokausalen OPS-Kodierung, dass dieser Kode alle Komponenten der Behandlung umfasst, also die Weichtteildeckung z.B. mittels Polyuretanschwamm, die Versiegelung und die Sogbehandlung. Damit ist eine aufwendige teure Prozedur, die sogar Anästhesie erforderlich macht, nicht im §301-Datensatz und im Gruppierungsprozess repräsentiert, während "antiseptische Feuchtverbände" und Hydrokolloidverbände im amtlichen Teil stehen. Die Fachgesellschaften hatten vor der Veröffentlichung der neuen Klassifikationen keine Gelegenheit zur Stellungnahme, wir werden für die Nächste Version entsprechende Vorschläge einreichen.



    Dr. Rolf Bartkowski
    Arzt f. Chirurgie, Med. Informatik
    DGCH, Berlin

    Dr. Rolf Bartkowski
    Arzt f. Chirurgie, Med. Informatik
    Berlin