DRG´s und ambulante Versorgung

  • Bis her drehen sich die meisten Diskussionen/Foren usw um das Krankenhaus im weitesten Sinne. Codieren - wie, wer, was usw.
    Es ist ein Ziel der DRG´s die Liegezeiten der Patienten zu kürzen um über diesen Weg die Kosten herunterzufahren. In den USA sind die Liegezeiten von 10-7 Tagen auf ca. 3 Tage verkürzt worden (VORSICHT: die USA sind nur bedingt als Erfahrungsgrundlage zu gebrauchen!) Nur - was sind die Folgen für den Patienten und seine Genessung?
    Ich möchte hier einige Stichworte/Fragen in den Raum werfen und sehen was sich daraus entwickelt:
    -quicker and sicker
    -wie wird der Patient von wem weiterbehandelt? Denn, ich kann mir vorstellen, daß es vermehrt Patienten mit einem Intesiv-betreuungsbedarf" (nicht nur auf die Pflege bezogen) geben wird.
    -aus welchem "Topf" wird die zuerwartende Mehrleistung des ambulanten Sektors bezahlt? Denn eine Umverteilung aus dem "KH-Topf" ist ja nicht zu erwarten.
    -ambulante DRG´s??
    Ich hoffe sehr auf eine rege Diskussion.


    Scott


    :look: :look: :look: :look: :look:

  • Hallo Scott,


    die Antwort auf Ihre Frage kann m. E. nur lauten:


    DRGs auch im ambulanten und Pflege-Sektor.


    B. Scholz

    [center] Bernhard Scholz [/center]

  • Hallo Scott,


    -quicker and sicker


    ich halte dagegen: für eine hohe Prizentzahl unserer Krankenhausfälle gilt doch, daß sie nur um das Bett zu füllen bei uns liegen, oder?!


    Ansonsten gehe ich mit ihnen konform, denn ein früheres Entlassen muß vielfach durch ein kompetentes ambulantes Netz aufgefangen werden.


    Gruß,


    J. Cramer





    [ Dieser Beitrag wurde von Cramer am 27.07.2001 editiert. ]

    Dr. J. Cramer
    AGAPLESION Diakonieklinikum Hamburg

  • Zitat


    Original von Cramer:
    -quicker and sicker


    ich halte dagegen: für eine hohe Prizentzahl unserer Krankenhausfälle gilt doch, daß sie nur um das Bett zu füllen bei uns liegen, oder?!


    Also ich glaube die Zeiten sind vorbei, zumindest kann man nicht von einer hohen Prozentzahl sprechen. Das (oder zumindest ein) Problem ist doch, dass hier Therorie und Praxis auseinanderklafft.


    Klar, ich würde mich auch lieber ambulant operieren lassen, wenn es möglich ist. Aber ich weiß auch, was da auf mich zukommen könnte, an Problemen, Schmerzen und ähnlichem und ich weiß auch damit umzugehen.


    Ein nicht ganz kleiner Teil der Patienten und Angehörigen (Anwesende ausgenommen und Entschuldigung im Voraus, aber das ist meine Erfahrung aus 7 Jahren Chirurgie, trotz oft ausführlichen Gesprächen und Aufklärungen) sind aber nicht in der Lage oder willens, sich mit Ihrer Erkrankung so auseinanderzusetzen, dass sie adäquat auf Probleme im Rahmen einer ambulanten Behandlung reagieren würden.


    Letztlich ist der Krankenhausarzt der Dumme, wenn


    X( die Angehörigen einen Notarzt holen und der den Patienten einweist, dem es im Endstadium seiner Tumorerkrankung "plötzlich" schlechter geht,


    X( er in der Nacht oder am Wochenende einen auswärts ambulant operierten Patienten wegen Nachblutung oder Wundinfekt behandeln muss,


    X( die Hausärzte jeden 2. Patienten mit Bauchschmerzen wegen Blindarmverdacht einweisen,


    X( er einen Patienten nach Hause schickt und dann doch etwas passiert.


    Diese Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen. Letztenendes bleibt es jedoch dabei: Niemand, keine Krankenkasse und kein MDK, stellt sich hinter einen Arzt, wenn er wegen einer nicht vorgenommenen stationären Aufnahme vor den Richter muss. Im Gegenteil, manche Kassen versuchen noch, einen Behandlungsfehler nachzuweisen. (Eine Lösung dieses Problems könnte sein, wenn die Krankenkasse gleichzeitig die Haftpflicht für den Arzt übernähme).


    Meiner Meinung nach muss noch einiges am "ambulanten Netz" geschehen, bevor ambulante Behandlung so problemlos wird, wie das die Kassen gerne hätten. Ob das dann billiger ist?


    Viel wichtiger wäre eine gesellschaftliche Aufklärung und Sensibilisierung für die eigene Gesundheit über das "fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker" hinaus, sozusagen im Sinne eines Faches Gesundheitserziehung in den Schulen. Hier könnte auch Sensibilität für die Gesundheitskosten bei den potentiellen Patienten geweckt werden.


    So, das war jetzt für Freitag Nachmittag recht lang, schönes Wochenende :drink:


    Reinhard Schaffert


    [ Dieser Beitrag wurde von Reisch am 27.07.2001 editiert. ]