Kommentare zu den MDS-Kodierempfehlungen (SEG4)

  • Guten Tag


    „Jetzt steht es komplett anders drin“



    “… People often are unaware of their own ignorance (Kruger & Dunning, 1999), seek out information that supports their current preferences (Nickerson, 1998), process new information in biased ways that strengthen their current preferences (Lord, Ross, & Lepper, 1979), affiliate with other people who have similar preferences (Lazarsfeld & Merton, 1954), and assume that other people’s views are as extreme as their own (Van Boven, Judd, & Sherman, 2012). In sum, several psychological factors increase extremism, and attitude polarization is therefore hard to avoid.”


    Psychol Sci. 2013 Jun;24(6):939-46

    Political extremism is supported by an illusion of understanding.

    Fernbach PM, Rogers T, Fox CR, Sloman SA.




    Gruß

    E Rembs

  • Hallo Herr Selter,


    die KDE 589 basiert auf rein formalen Gesichtspunkten:

    • "KDE 589 "... Die Regelung der DKR 1911 Mehrfachverletzungen ist nicht anzuwenden. Unter einer Mehrfachverletzung versteht man gleichzeitig entstandene Verletzungen mehrerer Körperregionen oder Organsysteme. ..."

    Weder in den DKR noch im ICD wird ausgeführt, dass man unter Mehrfachverletzungen "gleichzeitig entstandene Verletzungen mehrerer Körperregionen oder Organsysteme" und zwar nur solche (!) versteht.

    • "KDE 589 ... Der Begriff „Körperregion“ im Sinne der DKR wird durch die Klammererläuterung (T00-T07 Verletzungen mit Beteiligung mehrerer Körperregionen) konkretisiert. ..."

    Die Formulierung, die vermutlich gemeint ist, lautet in den DKR:

    • "Kombinationskategorien für Mehrfachverletzungen (T00–T07 Verletzungen mit Beteiligung mehrerer Körperregionen) und Kodes aus S00–S99, die mit einer „.7“ an vierter Stelle multiple Verletzungen kodieren, sind nur dann zu verwenden, wenn die Anzahl der zu kodierenden Verletzungen die maximale Zahl der übermittelbaren Diagnosen überschreitet."

    Damit wird der Begriff "Körperregion" im Sinne der DKR keineswegs konkretisiert. Dies ist auch nicht erforderlich, da der Begriff "Körperregion" zur Definition der "Mehrfachverletzung" in den DKR keine Verwendung findet.


    Die DKR besagen an dieser Stelle, dass auf Kombinationskategorien (T00–T07 Verletzungen mit Beteiligung mehrerer Körperregionen) und Kodes aus S00–S99, die mit einer „.7“ an vierter Stelle multiple Verletzungen kodieren, für die Kodierung von Mehrfachverletzungen zurückgegriffen werden kann, wenn der "Platz für Einzelkodes nicht ausreicht".


    Die DKR besagen an dieser Stelle nicht, dass Mehrfachverletzungen ausschließlich solche sind, die im ICD mit den Kodes T00-T07 bzw. S00-S99, jeweils ".7" an vierter Stelle für multiple Verletzungen, gefasst werden.


    • "KDE 589 ... Aus dem Wortlaut des Titels der Schlüsselnummer T02.1- Frakturen mit Beteiligung mehrerer Körperregionen, Frakturen mit Beteiligung von Thorax und Lumbosakralgegend oder von Thorax und Becken ist eindeutig ableitbar, was unter einer Körperregion im Sinne der ICD-10-GM zu verstehen ist."

    Das ist nachvollziehbar. Das ICD-Verständnis des Begriffs "Körperregion" ist aber für die abschließende Auslegung des Begriffs "Mehrfachverletzung" nach DKR nicht maßgeblich (s.o.).


    Zusammenfassend ist der einleitende Satz der DKR 1911 entscheidend:

    • " Mehrfachverletzungen - Diagnosen - Die einzelnen Verletzungen werden, wann immer möglich, entsprechend ihrer Lokalisation und ihrer Art so genau wie möglich kodiert."

    Die Beschränkung von "Mehrfachverletzungen" auf Diagnosen, die auch mit den ICD-Kodes T00-T07 bzw. S00-S99, jeweils ".7" an vierter Stelle für multiple Verletzungen, gefasst werden könnten, ist den DKR nicht zu entnehmen.


    Viele Grüße


    Medman2

    2 Mal editiert, zuletzt von medman2 ()

  • Um die Grundannahme der KDE 589 prägnanter zu widerlegen:


    Im Rahmen der DKR für Mehrfachverletzungen wird ausgeführt, dass statt der Einzelverletzungskodes Kodes aus S00–S99, die mit einer „.7“ an vierter Stelle multiple Verletzungen kodieren, nur dann zu verwenden sind, wenn die Anzahl der zu kodierenden Verletzungen die maximale Zahl der übermittelbaren Diagnosen überschreitet. Unter den genannten Kodes sind zahlreiche für multiple Verletzungen nur einer Köperregion (S00.7, S01.7, S02.7, S09.7 ...). Daher bezieht sich der Begriff "Mehrfachverletzungen" der DKR nicht nur auf multiple Verletzungen, die mehrere Körperregionen oder Organsysteme betreffen.

    Viele Grüße


    Medman2

  • Hallo,


    wurde schon alles inhaltlich diskutiert. Ändert aber nichts daran, dass es so veröffentlicht wurde.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Guten Tag


    Es handelt sich (wie auch in der Überschrift des pdf Dokuments genannt) um die Version 2018


    Beispiel:

    KDE 589 ist nicht mehr zutreffend (Änderungen DKR, ICD)



    Gruß


    Eberhard Rembs

  • V 2018 mit 2 neuen Empfehlungen vom 21.01.2019

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hier das aktuelle Register

    Dateien

    Gruß


    MiChu ;)
    Sei nicht unglücklich vor der Zeit, denn was dich, als dir drohend, in Angst versetzt, wird vielleicht nie kommen. (Seneca)

  • Guten Morgen,


    neue Empfehlungen.


    Hier dann mal Nr. 600 mit dem auch angehängten aktuellen Urteil vergleichen. Da passt was nicht...


    https://www.mdk.de/fileadmin/M…_SEG4_KodEmpf_001-603.pdf

    600: Diabetes, Hypoglykämie, Akutes Nierenversagen, Nephropathie, Komplikation,

    Manifestation

    Hauptdiagnose: E10.61† Diabetes mellitus, Typ , mit sonstigen näher bezeichneten Komplikationen, als entgleist bezeichnet


    https://sozialgerichtsbarkeit.….php?modul=esgb&id=207264

    Az. L 11 KR 1649/17: Bei Vorliegen von Hypoglykämie und diabetischer Nephropatie kann als Hauptdiagnose ein entgleister Diabetes mit multiplen Komplikationen (hier: E10.73) kodiert werden

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Guten Morgen,


    hatte ich im Nachbarforum auch....


    Ich halte KDE 596 für höchst bedenklich:


    Aszitespunktion und Drainage....


    Folgende Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein:

    1. Dokumentation mittels Überwachungsprotokoll (Kreislaufparameter,

    Drainagemenge)

    2. Dokumentation einer geeigneten Fixation der Drainage (z.B. mittels Naht)

    3. Dokumentation der Art des verwendeten Drainagesystems

    4. Mehrtägiger Verbleib der Drainage und / oder mehrfache Drainage über

    dasselbe System und / oder Drainage über mehrere Stunden.


    Wie kommt der MDK dazu, hier "Mindestmerkmale" zu definieren, die nicht aus den Regelungen hervorgehen? Das hat in meinen Augen eine neue Qualität. Es mag ja noch angehen, dass der MDK bestehende Strukturmerkmale interpretiert, aber dass nun eigene vorgegeben werden? Sofern in der Kurve die Drainage benannt ist und wir bspw. Bilder zeigen können, wozu sollte dann das da gut sein?


    Gruß


    merguet

  • Guten Morgen,


    hatte ich im Nachbarforum auch....

    Aber erst danach :)

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo,

    na ja ist denke ich nicht bso schlimm diesmal.

    1. Menge und Blutdruck wird sowieso gemessen

    2.u. 3. Analge und System müssen ja sowieso irgendwo hingeschrieben werden. Im Pronzip reicht ja kleiner vermerk

    4. ist bei dieser Art der Asziteesausleitung ja sowieso geplant.


    die SEG gilt m.E. nur für den MDK selbst, d.h. die Prüfen diese Kriterien anhand der Akte ab, wenn Sie die Drainage am Ende nicht beweisen können (anhand der hier "vorgeschlagenen" Doku) haben sie so oder so Pech auch ohne diese Empfehlungen.


    das resultiert glaub auch aus der Situation, dass es wohl Fälle gibt, wo eine Flexüle (i.ü. ja gar nicht dafür zugelassen) mal bisschen länger angeklebt und das dann als Drainage verschlüsselt wurde.


    MfG


    rokka