Phlebitis nach Infusionstherapie

  • Bei einem Patienten wurde nach Infusionstherapie eine Phlebitis diagnostiziert (ärztlich dokumentiert) und eine mehrtägigen Lokalbehandlung begonnen. Der MDK leht hier mehrfach die Verschlüsselung der Diagnose T80.1 ab und fordert zur Kodierung der I80.8 auf. In der Begründung zum ersten Gutachten steht, daß die I80.8 die spezifischere Diagnose (\"laut Hierarchie\") wäre und im Folgegutachten wurde gar bezweifelt, daß es sich tatsächlich um eine Komplikation handelt. :boese:
    Wer kann uns noch weiterhelfen?

  • Der Knackpunkt liegt hier m.E. in der Spezifität. Allein mir fehlt der Glaube, daß man eine \"Phlebitis an sonstiger Lokalisation\" als spezifischer bezeichnen kann, als eine \"Gefäßkomplikation nach Infusion - Phlebitis\".


    Daß die T-Kodes nur genommen werden sollen, wenn das ganze anderswo nicht spezifischer Kodiert ist, ist unstrittig - aber eben nur dann.
    Insofern hat der Wahnsinn Methode, wenn auch noch angezweifelt wird, daß hier eine Komplikation vorliegt.
    Natürlich kann reiiiiiiiin zufällig genau an der Stelle, die ich mit Nadeln traktiert habe, ganz spontan eine Phlebitis entstehen. Aber ich bin dennoch der Meinung daß hier kräftig an Haaren gezogen wird.


    Gruß,


    N.

    \"Steinigt ihn, er hat ´Jehova´ gesagt!\"

  • Auch Hallo,


    I80.2 ist der spezifischere Kode für die Phlebitis (DKR D002d, Komplikationen). Es geht aber letztlich darum, ob ergänzend hierzu der T-Kode genannt werden darf (muss). Es ist schon mehrfach darauf hingewiesen worden, dass hier Einigkeit bei der Selbstverwaltung besteht, dass mehrere Kodes kodiert werden können, um einen medizinischen Sachverhalt zu beschreiben. So wäre im vorliegenden Fall der T-Kode weiter beschreibend, nämlich um die Komplikation darzustellen. Dass dies der MDK nicht akzeptieren wird, dürfte als sicher gelten. Somit werden Sie es wohl dann auf eine Klage ankommen lassen müssen. Ich warte schon auf ein erstes SG-Urteil zu dieser Thematik.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo Herr Selter,


    wir könnten uns jetzt zwar akademisch darüber streiten, ob \"Irgendwas fiel mir auf den Fuß\" spezifischer ist, als \"jemand warf mir eine Kiste auf den Fuß\".
    Letztendlich kommen wir aber - wenn auch auf verschiedenen Wegen - zum gleichen Ergebnis: Die I80.2 tut es nicht (alleine).


    Herzlichen Gruß,


    N.

    \"Steinigt ihn, er hat ´Jehova´ gesagt!\"

  • Hallo,


    die DKR gibt klar vor, bezüglich des Zustandes (Krankheit) so spezifisch zu kodieren, wie es der Katalog zulässt. Eine Phlebitis (egal welchen Ursprungs!) ist nun mal am spezifischsten mit I80.2 zu kodieren (da wird nun mal die Phlebitis genannt). Das Beispiel 8 in der DKR D002d ist hierbei vielleicht als Akzeptanzhilfe dienlich. Nebenbei: \"jemand warf mir eine Kiste auf den Fuß\" ist in meinen Augen als Beschreibung spezifischer als \"Irgendwas fiel mir auf den Fuß\". Allerdings wird beides mit W49.9! kodiert, da die Unterscheidung zwischen geworfenen und fallenden Gegenständen nicht vorgenommen wird (siehe Inkl.: (fallende) (geworfene) Gegenstände).

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo Herr Selter,


    die Phlebitis wird - wenn auch als Unterpunkt - in der T80.1 genannt. Und \"Phlebitis nach Infusion\" ist m.E. durchaus spezifischer als \"Phlebitis irgendwo\"


    Das von Ihnen angeführte Beispiel 8 trifft es meiner Meinung nach nun wirklich nicht. Dort ist \"sonstige Kreislaufkomplikation nach med. Maßnahmen\" versus \"Thrombophlebitis\" gestellt. Wobei ersteres vom leichten Schwindel über besagte Thrombophlebitis bis hin zum Herz-Kreislauf-Stillstand so ziemlich alles bedeuten kann.


    Da ist Ihre Begründung zur W49.9! doch deutlich nachvollziehbarer ;)


    Herzlichen Gruß,


    N.

    \"Steinigt ihn, er hat ´Jehova´ gesagt!\"

  • Hallo,


    es wird bis zu einem gewissen Maß der eigenen Interpretation unterliegen (der CCL hilft da meist bei der Meinungsbildung...)
    Da sich aber die Diskussion erübrigt, wenn mehrere Kodes genannt werden sollen ( ? ), brauchen wir hier weder mit Kisten, noch mit Steinen werfen.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Da haben Sie weise Worte gesprochen. :i_respekt:


    Noch einen schönen Abend wünschend und aus Sturm und Regen grüßend,


    N.

    \"Steinigt ihn, er hat ´Jehova´ gesagt!\"

  • Hallo Forum,


    ich möchte dieses Thema gern wieder aufgreifen. Wie gehen Sie jetzt, zwei Jahre später, mit dieser Problematik um? Kodieren Sie laut SEG4 -Empfehlung? Oder wie kodieren Sie eine Thrombophlebitis nach Infusion?


    Vielen Dank für Ihre Meinungen und viele Grüße aus dem stürmischen Sauerland


    Katja Piecha

  • Hallo Forum, Hallo KaPi,


    ich würde die ICD I80.2 als HD kodieren, die T80.1 als ND (spezifische Kodierung)!
    Ich nehme an, sie beziehen sich bezüglich der SEG 4 Empfehlung auf die Kodierempfehlung Nr. 186. (Paravasat). Hier handelt es sich um Injektions- oder Infusionsflüssigkeit, die in das Gewebe läuft, neben dem punktierten Gefäß statt in das Gefäß.


    Gruß



    ochpowi

  • Hallo Ochpowi,


    danke für Ihre schnelle Antwort. Ich selbst bin geneigt, wie von Ihnen vorgeschlagen, beide Kodes anzugeben. Die Kodierempfehlung mit Bezug auf SEG4 hat der MDK bezüglich meiner ursprünglichen Fragestellung angebracht, interessanterweise allerdings die Empfehlung Nr. 78 (Darmperforation), da dieser Fall vergleichbar sei. Und um den Zusammenhang zur medizinischen Maßnahme herzustellen, soll ich zur I80.8 die Y69! und nicht die T80.1 angeben.
    mir sträuben sich grad die Nackenhaare....



    huch, ich hab die grüße vergessen.


    viele grüße also


    katja piecha

  • Hallo Herr Selter,


    was ist aus: \"Ich warte schon auf ein erstes SG-Urteil zu dieser Thematik.\" geworden?


    Wir haben jetzt schon mehrere Fälle mit dieser Problematik und ich kenne bislang noch kein Urteil in dieser Richtung.


    MfG A. Rückert