HD Phlegmone oder Komplikation einer offenen Wunde?

  • Hallo Herr Winter,


    \"Daran führt kein Weg vorbei. HD ist die Diagnose mit dem größten Ressourcenverbrauch, da eine Tierbissverletzung automatisch als infiziert gilt, haben Sie die freie Auswahl.\"


    Da haben Sie sich schon festgelegt. Und das kann man nicht so stehen lassen. Es gibt hier keine automatische Wahl nach Ressourcenaufwand. Das müsste schon dann in einer Speziellen DKR so formuliert sein. Zuerst wird die Frage nach \"hauptsächlicher Aufnahmegrund\" gestellt, erst später kommt, in geeigneten Fällen, die Frage nach \"höherer Ressourcenverbrauch\" ins Rennen.
    Und erneut: Die alte DKR zur Phlegmonenkodierung sagte auch nichts von Ressourcenverbrauch. Warum Sie dies jetzt dann als primäre Frage zur Kodierentscheidung reklamieren, bleibt weiter unklar.


    \"Eine kontaminierte Wunde durfte nämlich zu meiner Zeit - und ich glaube auch heute noch - nicht so ohne weiteres primär genäht werden.\"


    Darum geht es doch nicht, zudem nicht jede Bisswunde genäht wird. Siehe mein Beispiel oben, in dem doch wohl klar die Phlegmone als HD gilt. Dies nicht, weil der Ressourcenverbrauch dies vorgibt, sondern weil sie hauptsächlich die Aufnahme verursacht.


    Aber, wir drehen uns jetzt im Kreis.....

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo,


    ich muss dieses Thema noch mal aufwärmen. Es geht zwar um einen älteren Fall (2005), aber gleiche Thematik.


    Eine Patientin zieht sich an Ihrem Fahrrad eine Wunde am US zu. Die Wunde wird über mehrere Wochen (ca. 6) vom Hausarzt erfolglos mit Braunovidon und Fettgaze behandelt. Dann Einweisung durch Chirurgen. Zu diesem Zeitpunkt bereits 7 Tage Antibiose mit Amoxypen.


    Aufnahmebefund: Große, infizierte Wunde praetibial (4x4 cm), zwei kleine Hautdefekte mit flächiger Rötung im Sinne einer Phlegmone.
    Hier dann Hydrocollverbände (wegen Hautreaktion Wechsel auf Repithel und Fettgaze) täglich, Debridement, Antibiose. Unter dieser Therapie deutliche Verkleinerung der Wundfläche und gute Granulation.


    Bisher ist die HD mit T79.8 Wundheilungsstörung nach Verletzung angegeben (DRG X06A). Der Gutachter will die L03.11 (DRG L20Z).


    Nach Prüfung will ich nunmehr die J03Z :biggrin:


    Meine Argumentation ist, dass die L03.11 zwar mitbehandelt wurde, aber der größere Aufwand und auch eigentliche Grund für die stationäre Behandlung die Wundheilungsstörung nach Verletzung gewesen ist. Und diese ist zu kodieren nach 1905d (DKR 2005) mit Kode für die Wunde als HD und Kode für die Störung als ND.
    Wenn ich die in 05 gestrichene KR richtig interpretiere ist die Phlegmone nur als ND zu kodieren (will heißen nicht als HD), wenn die Wunde behandelt wird.


    Lieg ich richtig?


    Schönen Feierabend

    Gruß
    papiertiger


    Sport: eine Methode, Krankheiten durch Unfälle zu ersetzen.

  • Hallo papiertiger,


    ich muss gestehen, dass ich die DKR 2005 schon entsorgt habe. :rotwerd:


    Aber ich denke, sie entsprach der heutigen (1905d 2007), die da sagt:
    Liegt eine offene Wunde mit Komplikationen vor, ist der Kode für die offene Wunde anzugeben, gefolgt von einem Kode aus T89.0-


    Da bei Ihrem Fall die Wundbehandlung eindeutig im Vordergund (Aufwand) steht, ist sie HD und die Phlegmone sollte als ND gewertet werden.


    Im Gegensatz zu dem die Diskussion startenden Fall mit der Katzenbissgeschichte und Phlegmone. Hier lag der Aufwand wohl nur auf Seiten der Phlegmone (Antibiose, Kühlung).


    Schönen Tag noch

    riol


    Viszeralchirurg/Unfallchirurg