Verteilung der DRG-Einnahmen

  • Liebes Forum,


    sorry, aber ich muss (mal wieder) eine grundsätzliche Frage stellen und bin über jeden Hinweis für Denkfehler dankbar:
    Ist es richtig oder falsch, dass das ganze Budget KOMPLETT durch die Einnahmen aus den DRGs ersetzt werden soll?
    Falls ja, was heisst das genau? Wer alles soll in Zukunft dann über die Einnahmen der DRGs bezahlt werden? Betrifft das nur die Berufsgruppen, die direkt z.B. in der medizinischen und therapeutischen Behandlung involviert sind, oder heisst das wirklich, das ALLES darüber abgedeckt werden muss, also vom Arzt bis zur Putzfrau inclusive der Verwaltung??? Da fallen mir auf Anhieb Unmengen Berufsgruppen ein, die irgendwo im Klinikum arbeiten, von den benötigten Mitteln für Medikamente, Geräte und Ausstattungen usw. ganz zu schweigen...


    Und die zweite Frage: Wer genau bestimmt dann die Mittelverteilung aus den DRG-Einnahmen? Es ist ja wohl undenkbar, dass sich jemand hinsetzen muss und das Geld centgenau anhand von (DRG-relevanten?) Diagnosen, Nebendiagnosen und Prozeduren verteilen wird. Wie wird das praktisch ablaufen? Denkbar wäre doch nur, insbesondere bei Fachabteilungswechseln während des stationären Aufenthaltes, die bei uns häufig vorkommen, dass die Mittel gar nicht anhand der Diagnosen und Prozeduren, sondern nur mit Hilfe einer internen Leistungsdokumentation verteilt werden können (die man dann massiv forcieren müsste), oder sehe ich das falsch?


    Für jede erhellende Antwort dankbar


    Edit Stroganoff

  • Liebe Frau Stroganoff,


    die Berechnung des DRG-Erlösvolumens (Budget wird ja nicht mehr gerne gesagt :-p ) ergibt sich 2003 und 2004 (da budgetneutral) noch weitgehend aus den wie bisher zu verhandelnden Budgets.
    Daraus werden bestimmte Tatbestände abgerechnet (z.B. Investitionen oder Ausbildungsstätten, siehe Formular B1 im Downloadbereich), heraus kommt ein Erlösvolumen, das geteilt durch den vereinbarten Case-Mix (also Zahl der Fälle * CMI ) eine krankenhausindividuelle Basis-rate ergibt.
    Da zum Umstieg 90% aller Fälle abgedeckt werden müssen, erlösen sie also darüber auch annähernd 90% ihres bisherigen Budgets. (Der Rest wird wie bisher bezahlt, also tagesgleiche Pflegesätze in der Psychiatrie oder Psychosomatik (falls es eine eigene ausgewiesene Abteilung ist!) psychiatrische oder psychosomatische Fälle können durchaus abgerechnet werden (oder vereinbart) falls sie schon kalkuliert worden sind)
    Soweit im Groben.


    Das Krankenhaus finanziert sich ansonsten ja auch schon bisher fast ausschließlich über die Pflegesätze, dazu kommen noch Investitionen über die Länder (sogenannte duale Finanzierung, die steht aber zur Debatte), Erlöse aus Zimmerzuschlägen, Ambulanten Operationen, ausländischen Patienten und diversem "Kleinkram" (z.B: Zinsen aus gewonnen Klagefällen gegenüber der Kasse!:p )


    Daraus muss dann ALLES bezahlt werden. Werfen Sie vielleicht mal einen Blick in Ihre LKA (Zukünftig AEB Aufstellung Entgelte und Budgetermittlung). Dort sehen sie für alle Kostenbereiche (Personal, Medizinischer Sachbedarf, Energie usw. usf.) entsprechende Zahlen.


    Also Frage 1 ist, denke ich soweit beantwortet.


    Frage 2 ist fast noch interessanter, da bisher der meisten KHs die Basis für eine "gerechte" Aufteilung fehlten, und dadurch auch Fehlanreize gesetzt wurden.
    Antwort ist: Interne Leistungsverrechnung, interne Budgetierung und ähnliche Ungetüme?(
    Dazu wäre es auch sehr schon eine Kostenträgerrechnung zu haben, also im Klartext genau zu wissen, was eine Leistung dem Haus kostet.


    Genau das sollte ja durch die Kalkulation der Häuser für die FP geliefert werden. (Leider blieben am Ende nur knapp 120 "repräsentative" Häuser übrig)


    Es muss also nachvollzogen werden können, wieviel Kosten in einer intensivmedizinischen Post-OP Betreuung stecken, wieviel ein "Röntgen" kostet (z.B. EBM, GOÄ oder DKG-NT Punkte), wieviel eine Minute OP kostet usw. usf.


    Das läßt sich weitgehend nur edvtechnisch realisieren, aber ein schönes Hilfsmittel ist auch ein Klinischer Behandlungspfad (oder besser bekannt als Clinical Pathway) Dort können dann für typische Behandlungsabläufe Kosten hinterlegt werden, die jeweils der erbringenden Abteilung gutgeschrieben werden.


    Damit ist die Thematik noch lange nicht ausgeschöpft, aber darüber gibt es ganze Romane zu füllen.
    Nebenbei: Soweit ich weiß, macht der LBK Hamburg eine solche Mittelverteilung schon seit Jahren mit Hilfe von amerikanischen DRGs.


    Bei solcher Budgetierung sollte aber auch berücksichtigt werden, dass manche Abteilungen nicht kostendeckend sein können, aber vielleicht vom Träger gewollt sind.
    Diskussionen wird es auf jeden Fall geben.


    Einen schönen Abend noch wünscht Ihnen


    Thomas Muche
    MC KH St. Josef Dudweiler

  • Liebe Fr.Stroganoff,
    auch jetzt schon werden die fließenden Gelder in vorhinein verplant in der internen Budgetierung. So werden die Anzahl der Stellen in den einzelnen Bereichen geplant, die voraussichtlichen Verbräuche, etc.:dance1:


    Mit der neuen Finanzierung wird es natürlich besonders interessant festzustellen, wenn ich für einen bestimmten Fall eine bestimmte Summe erhalte, was habe ich denn dafür ausgegeben. ?(


    Da wird natürlich der Ruf nach einer Kostenträgerrechnung laut, wie Herr Muche ja schon ausgeführt hat. Sollten Sie sich mit diesem komplexen Thema beschäftigen wollen, so kann ich Ihnen nur empfehlen in das Kalkulationshandbuch der KPMG et al. zu schauen. Zu finden hier im download-Bereich 1.Quartal 2002 vom 06.02.2002.


    Mit freundlichen Grüßen


    T.Degenhardt I) :no: :rotate: