Folgeeingriff nach Arthritis

  • Hallo,
    ich habe folgendes Kodierproblem. Nach mehrfacher Kreuzbandplastik wird diese wegen einer Arthritis mit Staph. aureus im Nov. 2006 entfernt. Dieser Pat. kommt nun wieder zur Kreuzbandplastik, der Infekt ist ausgeheilt. Wie kodiere ich diesen Fall? Ist die Arthritis mit Staphylokokken (M00.06) HD? Oder sollte man einen unspezifischen Code wie z.B. M96.8-(Sonstige Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems nach med. Maßnahmen) benutzen. Der Infekt ist jetzt ja nicht mehr vorhanden. Trotzdem gefällt mir dieser Code überhaupt nicht.
    Man könnte evtl. auch die Kreuzbandruptur kodieren. Genau genommen ist der Infekt schuld, dass der Pat. wiederholt eine Kreuzbandplastik bekommt.


    Wie sehen Sie das?


    Viele Grüße
    M. Kunze

  • Hallo,


    wenn die Plastik entfernt wurde und zu diesem Zeitpunkt die erneute Plastik bereits geplant war, wird der Infekt wieder HD (geplanter Folgeeingriff). Wenn damals die M00.06 vorlag, ist das HD. Der M-Kode beschreibt die Erkrankung nicht spezifischer und kommt durch nicht als HD in Frage(siehe D002).

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo Fr. Kunze, hallo Forum,


    soweit ich Ihren Fall verstehe, hat zu Beginn ja wohl mal eine Kreuzbandruptur vorgelegen, also in Richtung S83.4-.
    Vermutlich wegen Reruptur oder bestehender Instabilität waren weitere Plastiken erforderlich. Letztendlich kam es zu einem Infekt mit Staph. und die letzte Plastik wurde daher entfernt mit Infektsanierung, oder?
    Aktuell liegt also ein instabiles Kniegelenk vor (wie zu Beginn). Warum ist jetzt nicht M24.4- die HD??


    So hätte ich es ganz naiv kodiert ;-)



    Mit freundlichem Gruß

    riol


    Viszeralchirurg/Unfallchirurg

  • Zitat


    Original von riol:
    Warum ist jetzt nicht M24.4- die HD??


    Hallo Riol,


    darum:
    D005d, Behandlung einer akuten Verletzung/Verbrennung und geplanter
    Folgeeingriff
    Für die initiale und nachfolgende Behandlung einer aktuellen Verletzung/Verbrennung ist der Kode für die Verletzung/Verbrennung (weiterhin) als Hauptdiagnose zu verwenden.
    Auch bei einer Aufnahme zu einer zweiten oder weiteren Operation nach einem Ersteingriff, die zum Zeitpunkt des Ersteingriffs im Rahmen der Gesamtbehandlung bereits als Folgeeingriff geplant war, wird die ursprüngliche Krankheit als Hauptdiagnose kodiert. Das gilt auch dann, wenn die ursprüngliche Krankheit nicht mehr vorhanden ist (siehe Beispiel 5 und 6).


    Nach 1. Ersatz-OP war es ja erst mal therapeutisch am Ende (natürlich Physio geht weiter).
    Ausgangspunkt der ganzen Misere war dann aber der Infekt und dann auch HD. Wenn hier also schon geplant wurde, dass zuerst der Ausbau und Infektsanierung erfolgt und dann im Intervall die erneute Plastik, dann ist die ursprüngliche Diagnose (Infekt) weiterhin HD (war verantwortlich für den Ausbau).
    Sollte dies alles nicht so gewesen sein, sondern mittlerweile (ohne geplanten Folgeeingriff) wegen einer der bestehenden Instabilität und Unzufriedenheit dann doch der Wunsch nach einer erneuten Plastik resultieren, relativiert sich die HD dann.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo Herr Selter, hallo Fr. Kunze,


    ich gebe zu, dass ich den Fall von Fr. Kunze möglicherweise falsch interpretiert habe (mehrfache KB-Plastik, dann Infekt, dann Ausbau, dann erneute KB-Plastik).
    Ich muss allerdings gestehen, dass ich die Argumentation von Herrn Selter noch nichts ganz nachvollziehen kann :-(


    Daher zum eigenen Verständnis:
    Die aktuelle Verletzung war mal die Ruptur S83.4- mit entsprechendem ERSTeingriff, also Plastik. Frage an Fr. Kunze: Gab es hier schon Folgeeingriffe? Die ganze Sache ist jetzt abgeheilt (Physio etc.).
    Dann kommt es mir-nichts-dir-nichts zu einer Infektion. Dies wird zur HD der Neuaufnahme. Der Ausbau der Plastik wird jetzt wieder zu einem ERSTeingriff, weil eine Folgeop (erneute Plastik nach Infektabheilung) geplant wird??
    M. a. W.: Weil man bei der Infektsanierungsop einen Folgeeingriff plant, ist der Infekt die HD und nicht die ganz am Anfang stehende Ruptur?


    Ist das so richtig beschrieben?
    Vielleicht noch ein kurzes feedback :-)


    Ciao

    riol


    Viszeralchirurg/Unfallchirurg

  • Hallo,


    man plant bei einer primären VKB-Plastik ja nun mal nicht deren Ausbau und späteren Ersatz. Die Behandlung war damit zunächst abgeschlossen. Der Ausbau war dann durch den Infekt bedingt und ist somit Ausgangspunkt für das weitere Handeln, inklusive der geplanten erneuten Ersatz-OP. Was noch vorher war, war nicht beschrieben, deswegen habe ich ja auch den vermuteten Verlauf geschildert.
    Die VKB-Ruptur kann nicht HD sein, da weder diese erneut vorliegt, noch im Sinne der Regel zu geplanten Folgeeingriffen zuordbar ist. Einzige Alternative wäre dann die Instabilität.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo Herr Selter,


    besten Dank für das schnelle feedback!


    Die Instabilität war ja auch mein erster Gedanke, allerdings in Unkenntnis der D005d. Diese DKR hat mal wieder so ein gemeines UND eingebaut: Behandlung einer akuten Verletzung/Verbrennung UND geplanter Folgeeingriff.
    Offensichtlich darf man dieses UND nicht als ODER interpretieren, dann wird es nämlich klarer.


    Schönes Wochenende jetzt schon :-)

    riol


    Viszeralchirurg/Unfallchirurg