Ausbildung von Codern


  • Wenn, wie Herr Lauterbach vorschlägt, in nächster Zeit jede Menge Krankenhäuser in Deutschland schliessen müssen, brauchen wir uns über Coder-Ausbildung nicht den Kopf zu zerbrechen, denn dann gibt's genug Ärzte, die auch mit einem Codierjob vorlieb nehmen.
    Wenn allerdings bei gleichbleibender Bettenzahl die Zahl der Ärzte, die noch im Krankenhaus arbeiten will, weiter zurückgeht, ist es schon eine Frage, ob man neben der Codierung zeitlich auch noch die Medizin schafft.
    Bei Kliniken auf den platten Lande oder im Osten wäre es schon angebracht, die wenigen Ärzte, die noch vorhanden sind, von der Codierarbeit zu entlasten.
    Es geht nicht nur darum ob ein Codierer billiger ist als ein Arzt wenn Ärzte knapp werden.:uhr:


    Dies meint jedenfalls






    --
    mfG
    Thomas Heller
    QMB/OA Gyn
    Haßberg-Kliniken
    Haus Haßfurt/Unterfranken

    mfG
    Thomas Heller
    QMB/Med Co/OA Gyn
    Haßberg-Kliniken
    Haus Haßfurt/Unterfranken

  • Hallo zusammen!


    Zu dem Thema " Codierer " kan ich nur sagen, es ist sicher Sinnvoll eine Weiterbildung zu machen.Habe über die Caritas-Akademie-Köln bei Kaisers-Consilium eine Weiterbildung zur klinische Codierfachkraft gemacht und kann nur sagen dies hat mir sehr viel gebracht.Es tauchen ja doch sehr viele Fragen auf, die man dort gut besprechen kann und das Thema wird einen gut vermittelt.
    Möchte hier jetzt natürlich keine Werbung für Kaysers-Consilium machen aber ich bin froh das ich diese Weiterbildung gemacht habe.




    Einen regnerischen Gruß aus Wilhelmshaven
    B.Thieme

  • Guten Morgen allerseits,


    zu der Frage, ob Kodierer oder Ärzte länger brauchen, hat sich auf dem DRG-Forum in Berlin Frau Prof. Drösler geäußert:


    "Kodierung - Zeitaufwand


    Geschultes Personal
    4,1 - 5,5 min / Fall [Callen u.a. (Health Inf Mang 1997)
    Schlottmann u. Raskop (Das KH 2001)]


    4,8 min / Fall (geübter ärztlicher Dokumentar)
    15 min / Fall (Stationsärzte) [Mieth u.a. (Chirurg 2002)]"


    Ich glaube allerdings nicht so richtig, dass 15 min realistisch sind. Wahrscheinlich wurden da überwiegend hochmotivierte Kollegen, die einen dreiwöchigen Aufenthalt eines multimorbiden 90jährigen mit Intensivaufenthalt zu verschlüsseln hatten, gestoppt. Oder man hat den Auftrag gegeben alles in den DKR nachzulesen, um ganz sicher korrekt zu kodieren. So geht bei uns aber wahrscheinlich nur eine ganz kleine Gruppe von Freunden des Medizincontrollings an die Sache heran ...


    Nachfolgend findet sich auf Frau Prof. Dröslers Folien noch eine kleine Modellrechnung zu den Kosten:
    "Patienten / Jahr 22.000
    Personalkosten Ärztlicher Dienst 0,72 € / min
    (KH-Kostenstatistik 00 / 99, DKG 4/02; » 98T min / Jahr)
    =>
    Kodieraufwand / Fall
    5 min 79.200 € / Jahr 3,60 € / Pat.
    10 min 158.400 € / Jahr 7,20 € / Pat. "


    Grüße aus dem Mekka der morgendlichen Staus,


    --
    L. Boecken, Medizincontrolling der Kliniken der Stadt Köln

    L. Boecken, Medizincontrolling der Kliniken der Stadt Köln

  • Hallo allerseits,


    optimal funktioniert es, wenn der Arzt selber zeitnah und korrekt verschlüsselt. Das steht glaube ich ausser Frage!!!!!!


    Aber was ist, wenn der Arzt nicht will??????? Was ist, wenn der Chefarzt seine Verantwortung für eine gute Dokumentation in seiner Abteilung nicht wahr nimmt???



    Was ist wenn ärztliches Personal fehlt und der Arzt nur (!!!!) den Patient in den Mittelpunkt stellt und sein einziges Ziel ist, den Patient in einem besseren Zustand zu entlassen als er reingekommen ist???? (Auf den ersten Blick sicher gut, auf den zweiten Blick kommt die Ökonomie dabei zu kurz!!!!)


    Die einzige NOTLÖSUNG, die ich sehe, -> Coder in der Verwaltung, die den Patienten anhand von vorhandenen Dokumenten verschlüsseln!!


    Wie ist die Meinung hierzu??????


    Immer noch aus dem nassen Lingen.



    --
    MfG


    Thomas Schroeder

    MfG


    Thomas Schroeder

  • Lieber Herr Schroeder, lieber Herr Heller,


    ich denke, Sie haben es beide präzise beschrieben: klar ist ein Arzt, für den Kodierung ein Teil seiner qualifizierten Arbeit ist (und das dann flächendeckend bei allen Ärzten im haus), der Traum eines jeden Medizincontrollings. Und natürlich hätten wir bei Schließung der 30% überflüssigen Krankenhäuser/Betten genügend Ärzte und Pflegepersonal, um alle überhautp wieder zu vernünftigen Bedingungen arbeiten zu können (mehr Spass macht das Kodieren dann immer noch nicht, aber ich habe es auch immer gehasst, Arztbriefe zu schreiben...).
    Allein: alles Konjunktive, die Realität ist und bleibt eine andere (was einen ja oft ziemlich wütend macht:teufel: ).


    Ich finde es gut, über unterstützende Coder als Stellen nachzudenken und für große Häuser dürfte es auch unproblematisch sein. Aber wie ist es für kleine Häuser? Wenn dort nur ein Coder arbeitet, was passiert, wenn er krank oder in Urlaub ist? Und ganz ehrlich: wie lange wird ein intelligenter Mensch in seinem Leben kodieren (und intelligente Menschen brauchen Sie in diesen Positionen nun wirklich)? Und wie wollen Sie den Einbruch in der Kodierqualität verkraften, wenn Sie einen Stellenwechsel haben?
    Ich habe schon darüber nachgedacht, ob man ein Rotationssystem einführen könnte? Oder zwei halbe Stellen? Ob man der Abteilung, die am besten kodiert (was ist "am besten"? müßte man vorher vereinbaren) für jeweils 1 Jahr einen zusätzlichen Arzt in den Stellenplan stellt (das würde auch die Chefärzte anstacheln)?
    Viele Fragezeichen, keine Patentrezepte, sorry.
    Gruß
    Patricia

    Patklein

  • Hallo Patricia Klein,


    Kodierqualität läßt sich messen z.B. an der Anzahl unspezifischer Codes: ICD mit .9 und .8 (auch andere: DIACOS warnt), OPS mit .x und .y
    Wir haben im Benchmarking die Quote bei ICD von ca. 24 % im Jahr 2000 über ca. 20 % im Jahr 2001 auf ca. 16 % im laufenden Jahr gesenkt. Diese Quote entspricht dem Durchschnitt aller teilnehmenden Häuser.


    --
    Einen freundlichen Gruß vom MDA aus Schorndorf

    [size=12]Freundlichen Gruß vom Schorndorfer MDA.

  • :rolleyes: Lieber Herr Konzelmann,


    ja, aber es gibt sicher auch andere Tracer, die man in die Zielvereinbarung reinnehmen könnte. Probleme macht natürlich ein bisschen, dass es recht ausgeprägte abteilungsspezifische Besonderheiten gibt: eine Pädiatrie kann nie über eine bestimmte Anzahl Nebendiagnosen herauskommen, ebenso ist es in einer geburtshilflich orientierten Gynäkologie. Man muss auch für sich selbst als Haus definieren, was man will: will man alle Leistungen fläcendeckend kodiert haben auch zur hausinternen Leistungsstatistik? Oder ist einem wichtiger, dass die erösrelevanten Leistungen zu 100% drin sind? Man muss einen gesunden Kompromiss wählen nach dem alten Paretoprinzip: einfache überprüfbare Ziele, die auch zu erreichen sind und nicht mehr Aufwand machen, als effizient ist. Und das ist schon ein bisschen komplizierter...
    Aber wie hat Frau Prof. Moos in einem Vortrag über die balanced score card gesagt: "ändern Sie ruhig die Ziele für das Folgejahr, wenn sie sich im Vorjahr nicht bewährt haben."
    Gruß
    Patricia :besen:
    --
    Patklein

    Patklein

  • Hallo an alle "Coderinteressierten",


    wir haben im letzten Jahr begonnen, Casemix Performer (ein qualifizierter Coder) nach einem Programm der La Trobe University Melbourne in Zusammenarbeit mit EPOS Health Consultants 12 Wochen berufsbegleitend auszubilden. Alle haben am 1. Juli ihr Abschlusszertifikat (nach 2 Tagen Prüfung(!)) erhalten.
    Ausbildung: 75% Kodieren, 25% DRG-Theorie, Gesetzte, Medizinische Dokumentation und Qualitätsmanagement.


    Seit August arbeitet unsere ärztlich geleitete Abteilung Medizinische Dokumentation, in der jede Krankenakte eben von einem Casemix Performer kontrolliert wird. Diese waren (und sind zum Teil noch, da die meisten nur Teilzeit kontrollieren und Teilzeit weiter in ihren bisherigen Abteilungen arbeiten) Physiotherapeut, Stationsschwester, Intensivpfleger, Verwaltungsmitarbeiter, Arzt. Wir schaffen pro VK ca. 5.000 Akten im Jahr. Ca. 25% DRG-Änderung, davon rund 1/3 mit
    Reduktion der Bewertungsrelation (welch schöner Begriff).
    Ziel der Arbeit: der Entlassungsdatensatz spiegelt den Akteninhalt wider, Right-Coding ist oberstes Gebot. Die Abteilung übernimmt komplett die dezidierten Schulungen in den Abteilungen, ab Januar die MDK-Zusammenarbeit und Zug um Zug die Datenerfassung für die QM-Projekte.


    Derzeit laufen Casemix-Performer-Lehrgänge in Bayern und Thüringen, einer ab Dezember in Hessen, in Berlin wahrscheinlich im Frühjahr und in Sachsen ab Anfang nächsten Jahres. Immer 12 Wochen über ca. 5 - 6 Monate verteilt (je nach Ferien und Feiertagen).


    Unsere Ärzte auf Station fühlen sich echt entlastet - positiv nicht nur für das Betriebsklima. Wer will, kann uns besuchen und die Casemix Performer direkt nach ihren Erfahrungen fragen.


    Schöne Grüße aus dem Vogtland.


    R. Hanusch

  • Hallo forum, hallo Hr. Hanusch!
    Schön, daß ihre CMPs so gut zurechtkommen im Haus.
    Ich habe die gleiche Ausbildung in Chemnitz gemacht und die Hälfte dieser "Klasse" war unzufrieden damit. (95% Kodierung 5% alles andere)
    In der Ausschreibung war sehr umfassendes Wissen versprochen - es ist aber hauptsächlich Kodierung unterrichtet worden. Von didaktischen Mängeln ganz zu schweigen.
    Da ich ein Einzelkämpfer in unserem Haus bin und nicht nur Kodierkontrolle mache - kann ich ihre Begeisterung über diese Ausbildung nicht teilen.
    Wer wirklich nur Coder will, dann ist es ok.- aber sehr teuer.
    Wer mehr braucht sollte sich anderweitig umsehen.
    :bounce: X( :bounce:
    --
    Viele Grüße aus Sachsen
    dzierold

    Viele Grüße aus Sachsen
    D.Zierold

  • Hallo zusammen,


    vor einer Lösung zur Übermittlung kodierrelevanter Informationen von den Ärzten zu den Codern auf einem anderen Weg als durch den direkten Zugriff der Coder auf die Krankenakte kann nicht genug gewarnt werden!


    Zusammenfassend kann man sagen, daß jeder Zwischenschritt Informationsverluste generiert und besonders eine "Zettellösung" von Ärztin zu Coderin funktioniert wie das alte Kinderspiel "Stille Post".


    Man muß halt der Realität ins Auge sehen: Ärzte haben ungefähr eine Zillion wichtigere Dinge zu tun als ausgerechnet Diagnosen auf Zettel zu schreiben, damit irgendwo irgendwer damit irgendwie abrechnen kann.


    Im Rahmen eines kleinen Projekts haben wir an unserem Haus einmal untersucht, wie die auf Papier (Aufnahme- und Entlassmeldungen) übermittelten Daten vom Informationsgehalt der Krankenakte abweichen. Das Ergebnis ist mehr als erschreckend:
    - aus den Krankenakten ließen sich rund doppelt soviele Diagnosen kodieren wie mit den Meldebögen übermittelt wurden
    - rund ein Viertel der Diagnosen auf den Meldebögen war aufgrund Unleserlichkeit, zu unspezifischer Formulierung oder krudester Abkürzungen unbrauchbar oder führte sogar zu inhaltlichen Irrtümern bei der Kodierung
    - die restlichen Ergebnisse sind geheim...


    Mein Fazit: Coder und Krankenblätter gehören zusammen wie Dings und Bums oder wie Ulla und Schmitt.... :sex: :shock2:


    Schönes Wochenende!
    PB

  • Guten Abend zusammen!
    Das hört sich ja alles prima an! Nur wie machen das denn die Coder mit dem §301? Bei uns dauert es gerade auf den Abteilungen die am lautesten nach Codern schreien am längsten bis ein Entlassungsbrief fertig ist. Tage bis Wochen! Die Daten sollen aber innerhalb von 3 Werktagen bei der Kasse sein. Da unterscheidet sich das System grundlegend von anderen Ländern!
    Meiner Meinung nach ist es Jacke wie Hose ob wir Ärzte uns bemühen irgendwo einer Kodierfachkraft in lesbaren Worten die relevanten Diagnosen zu sagen oder aufzuschreiben (am besten ohne Terminologie!!!) oder ob wir`s am PC gleich selbst eingeben.
    Aber am PC da scheitern sich die Geister:
    Erstens wollen sich viele Ärzte mit dem PC nicht beschäftigen nach der Gleichung:
    DRG = EDV-Abteilung = Mist
    Zweitens sind die KIS´s einfach schlecht. Die meisten stammen ursächlich aus der Administration und dienten der Abrechnung.
    Ein wirkliche intelligentes KIS integriert in sich den med. Workflow und lernt aktiv dazu. So könnten häufig verwendete Diagnosen automatisch in Hitlisten gepflegt und auf ihre Validität bezüglich der Kodierregeln, Prozeduren oder der DRG`s und deren Erlös geprüft und angepasst werden. Überall werden bereits heute Leistungsziffern dokumentiert. warum sollen keine ICPM´s hinter den Ziffern stehen? Und jeder Leistungserbringer, von der Küche über die Funktionen u. Stationen bis zum Sozialdienst speist die Informationen zum Patienten ein.
    Wo sind unsere IT Spezies? Da liegen doch Millionen von Euros begraben!
    Was machen die Herren bei GWI, Siemens u. wie sie alle heißen? Winterschlaf? Die ausrede " Es fehlen die gesetzlichen Rahmenbedingungen" zählt da eigentlich nicht. Denn dass das System kommt, ist jetzt schon über zwei Jahre bekannt. Und das KIS soll ja offen sein! Die künstliche Intelligenz soll lernen!


    Aus dem Nachtdienst im kalten Süden
    --
    Franz Ruppel

    Franz Ruppel

  • Hallo Frau Drzierold,


    die Casemix-Performer-Ausbildung hat sich entwickelt. Sie waren bei der Null-Serie dabei. Ausserdem hängt sicher viel vom Trainer ab. Inhaltlich scheint die Vermittlung sehr different zu sein. Positiv ist jedoch sicher auch, dass kostenlose Updateseminare durchgeführt werden, das erste für die CMP'sm die am 1.7.02 ihren Abschluss erhielten, jetzt am 18.11.02. Vielleicht sehen wir uns ja und da haben Sie auch Gelegenheit, sich mit den CMP's aus unserem Haus auszutauschen, wie deren Erfahrungen mit der Ausbildung waren.:)


    Hallo Herr Ruppel,


    wir realisieren die Datenübermittlung so, dass die Krankenakte am Tag nach der Entlassung in die Dokuabteilung kommt. Dazu gibt es eine EDV-Abfrage früh, sodass uns bekannt ist, an welchen vereinbarten Orten welche Akten zu holen sind. Ist der Brief schon dabei, kommt die Akte danach in's Archiv, wenn nicht, dann zurück. So schaffen wir bei ca. 97% der Entlassungen die 3-Tagesfrist.
    Die Meinung, dass unbedingt die Akte des gesamten Aufenthaltes für die abschließende Kodierung vorhanden sein muss kann ich nur unterstreichen.


    Grüße aus dem Vogtland.


    R. Hanusch