welche Fachabteilung

  • Hi und guten Abend,


    mal wieder eine Frage:
    Welcher Fachabteilung wird eine DRG zugeordnet? Der mit der längsten Verweildauer? Oder der Aufnehmenden? Oder der Entlassenden? Wer weiss??


    Dr. Heun-Letsch
    MC und QM Diako Ma

  • Guten Morgen,


    das hängt von Ihnen bzw. Ihrer Software ab, mit der Sie Ihre Analysen machen. Meist erfolgt die Zuordnung zur entlasseneden FA, kenne aber auch Auswertungen, die die Zuordnung in Abhängigkeit von der Liegezeit vollziehen.


    Gruß
    --
    D. D. Selter
    Arzt, Med. Cont. BGU-Murnau

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo Herr Dr. Heun-Letsch,


    soviel ich weiß, wird die DRG der ENTL-Abt. zugeordnet. Bei Verlegung Haupt- / Belegabteilung der mit der längsten Verweildauer. Es wurde allerdings voraus gesagt, daß sich die Abteilungsstrukturen so nicht halten werden.


    --
    Einen freundlichen Gruß vom MDA aus Schorndorf

    [size=12]Freundlichen Gruß vom Schorndorfer MDA.

  • Zitat


    Original von Heun:
    Welcher Fachabteilung wird eine DRG zugeordnet? Dr. Heun-Letsch
    MC und QM Diako Ma


    Hallo Forum,


    die Frage der Abteilungszuweisung von DRG Fällen gehört zu meinen Lieblingsthemen, da es sich aus meiner Sicht um ein relevantes und meist unterschätztes Problem handelt.


    Drei Möglichkeiten bietet das DRG System:
    1. Aufnahmeabteilung
    2. Entlassabteilung
    3. Hauptabteilung


    Bei Fällen ohne interne Verlegungen führen alle drei Kriterien zum gleichen Ergebnis. Bei Verlegungsfällen gibt es Probleme.


    Bei 3. Hauptabteilung gibt es unterschiedliche Definitionen. Meist wird die Hautptabteilung als diejenige definiert, die die längste Verweildauer aufzuweisen hat. Achtung: Unterschiede in der Berechnung dieser Verweildauer: Entweder jeder Aufenthalt für sich, oder Summe der Aufenthalte, wenn ein Patient mehrmals eine Abteilung aufsucht.


    Welches Zuweisungskriterium sollte bei Verlegungsfällen gewählt werden? Wie so oft hängt das von der Fragestellung ab. In den meisten Benchmarkarbeitskreisen wird das Kriterium Entlassabteilung gewählt. Dies halte ich für falsch! Eigene Untersuchungen haben gezeigt, dass für unser Haus das Kriterium Hauptabteilung leistungsgerechter ist. Daten und Ergebnisse finden Sie in der KU, Spezial Controlling (Heft 19/2002), Seite 13-17. Titel: Bracht, M.: Steuerungsinstrumente anpassen: Berechnung von DRG basierten Fachabteilungsbudgets.


    Gruß


    M. Bracht

  • Zitat


    Original von Matthias Bracht:
    die Frage der Abteilungszuweisung von DRG Fällen gehört zu meinen Lieblingsthemen, da es sich aus meiner Sicht um ein relevantes und meist unterschätztes Problem handelt.



    Schönen guten Tag allerseits!


    Ich finde auch, dass es sich hier um eine sehr interessante Fragestellung handelt! Es zeigt sich, dass die DRGs (zumindest wenn eine Abteilungsverlegung erfolgt) eine Leistung des gesamten Hauses und nicht einzelner Abteilungen sind, sie sind also in diesem Fall, wie auch die zugrundeliegende Erkrankung, echt interdisziplinär. Da kann natürlich Sprengstoff drin stecken, denn im Interesse des Hauses dürfen Patienten nicht mehr in einer Abteilung gebunkert werden.


    Aber die DRGs lassen sich auch nicht so einfach zur internen Budgetierung einsetzen, wie manch einer vielleicht dachte. Zumindest bei Verlegungen zwischen Haupt- und Belegabteilung müsste die DRG der Abteilung mit dem längeren Aufenthalt zugeordnet werden, da diese auch das Relativgewicht bestimmt und es sicher nicht sinnvoll ist, eine DRG mit Beleg-RG einer Hauptabteilung zuzuordnen, nur weil diese den Patienten entlässt. Auf der anderen Seite hat die Abteilung mit der längeren Behandlungsdauer nicht unbedingt auch die Hauptleistung der DRG erbracht, es kann sogar sein, dass sie z.B. durch eine möglicherweise unnötige längere Behandlung geschadet hat, warum sollte ihr dann der DRG-Erlös zugeordnet werden.


    These: DRG sind eine Gemeinschaftsleistung des Hauses, die Abteilungen treten lediglich als Dienstleister auf!


    Schönen Tag noch,

    --
    Reinhard Schaffert


    Medizincontroller
    Facharzt für Chirurgie
    Kliniken des Wetteraukreises

  • Hallo zusammen,
    nur um klarzustellen, worüber wir hier diskutieren:
    Herr Dr. Bracht hat immerhin eine vom VKD prämierte und insofern besonders ausgezeichnete Diplomarbeit zu diesem Thema verfasst. M. E. zeigt dies, dass sowohl das Thema nicht trivial ist, als auch die gebotenen Lösungsvorschläge zumindest überdenkenswert sind. Insofern kann ich den folgenden Satz von Herrn Schaffert nicht unkommentiert stehen lassen:

    Zitat


    Aber die DRGs lassen sich auch nicht so einfach zur internen Budgetierung einsetzen, wie manch einer vielleicht dachte.


    Eben genau dafür bietet Herr Dr. Bracht eine Lösungsmöglichkeit an, die z.B. als Diskussionsgrundlage heranzuziehen sein könnte. Nach meinem Dafürhalten war dies eines der Ziele der o. näh. bez. Diplomarbeit. Insofern: Wer bessere Vorschläge zu haben glaubt, sollte sie mit Herrn Bracht diskutieren. Gerne auch hier. Ich finde das Thema sehr spannend.


    Schöne Grüße
    B. Sommerhäuser

  • Hallo aus Heidelberg,
    zu diesem Thema gab´s einen schönen Artikel in KU-Spezial, 4/2002, Steuerungsinstrumente anpassen,(DRG-orientierte Fachabteilungsbudgets)zu finden unter http://www.baumann-fachverlag.…ften/ku_neu/PDF_Contr.htm
    (08.11.2002, 18.00 Uhr, hatte die Kommentare ein bisschen schlampig gelesen. Der Artikel wurde ja oben schon erwähnt :x)
    Herzliche Grüße
    Sascha Baller
    --
    Dr. med. Sascha Baller
    Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Medizincontrolling e.V.

    Dr. med. Sascha Baller
    Dr. Baller | Medizincontrolling
    www.drg24.de

  • These: DRG sind eine Gemeinschaftsleistung des Hauses, die Abteilungen treten lediglich als Dienstleister auf!


    Das ist natürlich möglich. Frei nach dem Motto: Das ganze Krankenhaus ist das Profitcenter. Damit ist die Frage der Aufteilung der DRGs keine reine Methodendiskussion, sondern eine Frage der Steuerungsebenen im Krankenhaus. Wenn ich an der Steuerungsebene Fachabteilung festhalten will, muss ich eine Lösung für die Erlösaufteilung finden. Will ich das ganze KH zentral steuern, also ohne Abteilungsbudgets, brauche ich das nicht. Ich bin davon überzeugt, dass wir dezentrale Steuerungsebenen mit Finanzverantwortung im Krankenhaus brauchen. Und genau deshalb, weil die Fachabteilungen sich in der Regel nicht als Dienstleister der Hausinteressen sehen.


    Eine ganz andere Frage ist, welche dezentrale Steuerungsebene sinnvoll ist. Da ist die Fachabteilung sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss, dafür aber meist die Realität. Mit anderen Worten: Fachabteilungsbudgets als Übergangslösung und Weiterentwicklung größerer Einheiten, z.B. Zentren, die aber nach dem Kriterium von interdisziplinären Behandlungen gebildet werden sollten. Hier gehen viele Kliniken allerdings einen anderen Weg.


    Ich freue mich tatsächlich, wenn dieses Thema weiter diskutiert wird. Denn meine Vorschläge bedürfen einer Diskussion und vor allem einer Weiterentwicklung.


    Und nebenbei: Freut mich Herr Baller, dass Ihnen mein Artikel gefallen hat.


    Schönen Tag aus dem sonnigen Hamburg


    M. Bracht

  • Hallo Herr Bracht!
    Der Artikel war wirklich interessant und aufschlußreich. Kann man die ganze Diplomarbeit irgendwo mal lesen?
    :p
    :bounce:
    --
    Viele Grüße aus Sachsen
    dzierold

    Viele Grüße aus Sachsen
    D.Zierold



  • Da habe ich leider ein kleines Problem: Die Arbeit ist mit einem Sperrvermerk versehen, da sie sensible Daten (insbesondere Kostendate) des AK Altonas enthält. Vielleicht schaffe ich es ja mal eine "zensierte" Fassung zu erstellen. Aber seien Sie beruhigt: Die Arbeit enthält keine Inhalte, die jetzt nicht schon in der Diskussion sind. Und ich habe auch nicht -leider- die Weisheit gepachtet.


    Herzliche Grüße


    M. Bracht

  • Hallo zusammen,


    mein Anliegen liegt irgendwo dazwischen:


    Die reine Lehre (DRG als Leistung des Gesamthauses) geht leider ins Leere :) da ein richtiger gestandener Chefarzt sich einen feuchten Kehrricht um die anderen Abteilungen schert (genauso wie um das Gesamthaus...).
    Er will nur und ausschließlich über "seine" DRGs informiert werden (wenn überhaupt)! :rolleyes:


    Andererseits muß es ja nicht gleich die interne Budgetierung sein. Ich suche "nur" eine Möglichkeit, verlegte Fälle so abzubilden, daß jeder Chef versteht, um was es geht und zugleich die Datenlage nicht allzu schräg wird. Man kann natürlich bei der Ermittlung der DRG-Kenndaten für z.B. eine chirurgische Klinik nicht einfach die intern verlegten Fälle (z.B. operative Intensivstation) weglassen!


    Alternativen wären:
    - Zuordnung der Gesamt-DRG zu jeder der beteiligten Abteilungen
    - Pseudo-Gruppierung von Pseudo-DRGs für jede Abteilung separat (halt ich für unsinnig)
    - Zuordnung jeder DRG zu einer einzigen Abteilung (aber nach welchem Algorithmus...siehe oben...)
    - ...... <--(hier bitte die RICHTIGE und SINNVOLLE Methode einfügen)


    Schönes Wochenende allerseits!


    PB