Beiträge von Andreas_Sander

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    Original von JanH:


    PS: Wer handhabt bewilligte aber noch nicht vereinbarte NUBs anders?


    Guten Tag,


    ich vermute mal, daß es viele genauso oder ähnlich sehen. Ein Hinweis noch: NUB\'s müssen für jedes Jahr individuell vereinbart werden, was bedeutet, daß Sie mit einer Vereinbarung im November des laufenden Jahres nicht automatisch die Möglichkeit haben, ab dem folgenden 1. Januar die Leistung genauso wieder abzurechnen. Die problematische Situation der real retrospektiven Budgetvereinbarung fällt damit noch einmal besonders ins Gewicht. Vermutlich hat der Verordnungsgeber darüber - auch - nicht nachgedacht.
    Ein weiterer Punkt ist die Frage des Erbringens von Leistungen im Voraus, bei denen gerade bei den NUB\'s nicht geringe Beträge in Rede stehen. Wenn also eine Klinik tatsächlich in Vorleistung geht, geht man damit ein nicht unerhebliches Risko ein. Darüber sollte man sich auch in strategischer Hinsicht im Klaren sein.

    Guten Tag,


    es sollte von mir vielleicht nachgetragen werden, daß zwischen Weihnachten und Neujahr der Formatfehler eingekreist werden konnte. Wir gehören damit zu den 83 KH in Deutschland (unter 5%), die tatsächlich den Bericht haben abgeben können. Das ändert nach meiner Auffassung aber nichts an der grotesken Situation. Bleibt nur zu hoffen, daß die KH für die nächste - verpflichtende Runde - eher in die Lage versetzt werden und keine Pfadfinder mehr auf die Suche schicken müssen.

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    Original von MiChu:


    Aber warum wurden das Ende der Beatmungszeit nicht so klar in den DKR festgelegt.
    z.B. Die Berechnung der Dauer der Beatmung endet mit dem Zeitpunkt an dem die maschinelle Beatmung eingestellt wird.



    Guten Tag,


    in der Tat ist genau dieses das zentrale Problem. Wer sich in der Formulierung der Definition für einen Zeitpunkt (Ende Beatmung) darauf einläßt, eine Zeitspanne (Weaning) zu nennen, der (DKR-Schöpfer) sollte vielleicht etwas nacharbeiten.

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    Original von phlox:


    Nach Ihrer Ansicht ist ein Patient, wenn er 7h an \"feuchter Nase\" war, geweant.


    Guten Tag,


    nun ja, ich glaube, daß Patienten, die sich für eine gewisse Zahl von Stunden ohne Beatmung halten, zumindest als \"von der Beatmung fern\" definiert werden können. Daß die dann nicht zwingend gesund sind und als geheilt durch das KH-Portal stürmen: ok. Bei mir sperrt sich nur etwas dagegen, diese Zeit als Weaning zu interpretieren, bei dem ich als Anästhesist im Erstberuf mit Dauerhobby Intensivmedizin eine andere Vorstellung inhaltlicher Art habe. Aber wir können solcherlei Gedankenaustausch noch beliebig lange fortsetzten, wobei die Diskussion vielleicht mal via Fachgesellschaften, DIMDI etc. sich einfach mal in einer Festlegung materialisieren sollte.

    Guten Tag,


    eine Frist von 24 h, die dann auch noch im Zweifelsfall der Beatmungszeit zugerechnet wird, ist schon ein wenig großzügig dimensioniert. Ich fürchte, daß Sie damit die Fülle der Anfragen eher erhöhen werden. Natürlich gibt es keine konkreten Daten zur Unterbrechungsfrist - und das ist sicher auch noch klarstellungsbedürftig. Allerdings sollte man sich dem Ganzen mal von der klinischen Seite näheren und sich fragen, ab welcher Zeit man von einer respiratorisch stabilen Situation sprechen würde, wenn es vielleicht keine DRG\'s und keine DKR gäbe. Ich muß persönlich bekennen, daß ich aus diesem Grund eine 6-Stunden-Frist dafür intern angegeben habe und halte das nach wie vor für keine inhaltlich schlechte Lösung.

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    Original von Neuland:


    Lohnt sich das? Können die Kosten für die Anwaltsbeauftragung den Kassen auferlegt werden?


    Guten Abend,


    die Kosten für den Einsatz eines Anwalts im Verfahren beim Sozialgericht können natürlich der gegnerischen Partei in Rechnung gestellt werden, schlußendlich aber nur dann, wenn Sie das Verfahren auch für Sie positiv abschließen.
    Es macht aber durchaus Sinn, bestimmte ausgewählte Verfahren durch einen Anwalt abwickeln zu lassen, da die Formalia in der Regel vom KH nicht in hinreichendem Maße beherrscht werden.
    Dabei geht es nicht nur um die Bestreitung von Musterfällen bei ausgewählten Kodierfragen. Das ist ein schwieriges Thema und sicher sehr langwierig. Dafür braucht man schon einen etwas längeren Atem. Es geht gelegentlich auch um die Frage, ob eine KK - zu Unrecht - Erlöse verrechnet hat, Zahlungen verweigert, obwohl sie nach landesvertraglichen Regelungen verpflichtet wäre usw. usw..
    Ich kann nur empfehlen, in diesem Zusammenhang nicht nur intern zu diskutieren, inwieweit man externe anwaltliche Unterstützung einsetzt, sondern sich darüber Gedanken zu machen, an welchen Stellen intern das Fallmanagement durch wen bearbeitet wird - kurzum: die gesamte Prozeßkette auch in den eigenen Reihen aufzuräumen. Dabei kommt schon mal der eine oder andere kluge Gedanke. Das Forderungsmanagment, also die Verdrahtung von Patientenverwaltung, Abrechnung, Finanzbuchhaltung und Medizincontrolling, sollte mal beleuchtet werden, um die Reibungsverluste auch intern zu verringern. Aber das nur am Rande.

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    Original von Finke:


    da fällt mir nur F03 Demenz ein!


    :erschreck:



    Guten Tag,


    ich wäre vielleicht vorsichtig, bei einem differenzierten und \"schwierigen\" Patienten die F03 zu kodieren. Immerhin gibt man damit ein Urteil ab, das quasi unauslöschlich auch und gerade bei der KK aktenkundig ist. Ob man damit dem Patienten einen Gefallen tut, halte ich zumindest für fragwürdig.

    Sehr geehrter Herr Harder,


    auch wenn ich Ihren Anbieter nicht kenne: wir haben den Anbieter, der angeblich mit zu den Designern des Formats gehört und vermute fast, das ist auch der Ihre. Das Ergebnis habe ich beschrieben. Es trägt ein wenig zur Skurrilität des Verfahrens bei, daß der Anbieter aktuell auch ein wenig ratlos ist.


    Anyway,


    Merry Christmas

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    Original von R. Schaffert:


    Es handelt sich hier um Beträge, die in den Erlösausgleich einfließen.


    Guten Tag,


    es sei noch der Hinweis erlaubt, daß in solchen Fällen, in denen Erlöse ganz oder teilweise aufgrund von Gutachten an die KK zurückfließen, dies den Tatbestand der Abschreibung auf Forderungen erfüllt. Solche Beträge gehen dann nicht (!) in die Ausgleiche ein. Es wäre schließlich vollkommener Unsinn, wenn auf Erlöse, die es gar nicht gibt, auch noch die 65% berechnet und an die KK abgeführt würden.

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    Original von D.Zierold:


    Denkbar ist natürlich auch eine Daily-Soap aus deutschen Krankenhäusern....


    Hallo Frau Zierold,


    warum bin ich nicht schon eher drauf gekommen? Solche Machwerke wie \"Chicago Hope\" könnten hervorragend in Deutschland ergänzt werden durch eine Mischung aus \"Büro, Büro\" (Vorabendprogramm der Golden Eighties), \"MDK-Insights\" und \"KH-Dschungelcamp\" vielleicht unter dem Arbeitstitel \"DRG without Hope\".

    Guten Tag,


    man stelle sich ein Krankenhaus vor, das sich entschlossen hat, zur Steigerung der Transparenz im Gesundheitswesen freiwillig den Qualitätsbericht neu zu fassen und im Rahmen der üblichen Wege zu publizieren. Es aktualisiert motiviert alle Daten, überwindet die im letzten Jahr bereits erlebten Hürden und liefert das fertige Dokument im Standardformat (PDF) bei der Annahmestelle ab. Von dort wird dann mitgeteilt, das die Publikation nur erfolgen könne, wenn auch die gleichzeitige Lieferung im XML-Format erfolgen würde. Bei allen Bedenken im KH, daß nämlich die Verpflichtung zur Lieferung als XML-File erst im kommenden Jahr zur Pflicht erhoben wird, wird dennoch eine XML-Lieferung bereitgestellt.
    Den erstaunten Mitarbeitern wird dann von der Annahmestelle mitgeteilt, daß man doch bitte das neue Format (wird als 1.2 bezeichnet) zu liefern sei, andernfalls sei eine Publikation nicht möglich. Verwundert über dieses Vorgehen wird diskutiert, daß es sich doch insgesamt um ein freiwilliges Verfahren handele, so daß doch die Lieferung in der für das Folgejahr vorgesehenen Form aktuell auch kaum möglich sei (Spezifikation liegt zwar vor, aktuelle Software liefert nur das alte Format, eine festgeschriebene Regelung gibt es allerdings noch nicht. Wie auch, für ein freiwilliges (!) Verfahren) - seitens der Annahmestelle jedoch kein Einlenken: entweder aktuelles Format oder keine Publikation.


    Da die Abgabe auf keinen Fall in der vorgesehen Frist (31.10.) erfolgen kann, wird durch die Annahmestelle großzügig eine Verlängerung gewährt. Wohlgemerkt, wir haben es ja immer noch mit einem freiwilligen Verfahren zu tun, beim dem sich einer der Freiwilligen immer wieder auf Formalia beruft, die der andere Freiwillige einfach zur Kenntnis nehmen darf, denn gegen Formalia kann man sich dann wehren, wenn es klare Regeln gibt. Solche Verfahren sind dann aber häufig eben nicht mehr freiwillig. Hmm.


    Auf der Suche nach einem Tool, das die Daten in das neue Format konvertiert, wird die gesamte Republik durchkämmt - mit mäßigem Erfolg. Lediglich einige kommerzielle Anbieter erklären sich, natürlich gegen Entgelt, bereit, das neue Format zu produzieren. Mittlerweile hat sich ein gewisses Zähneknirschen breitgemacht, jedoch soll die gesamte Arbeit der Aktualisierung nicht umsonst gewesen sein.
    Der Anbieter macht sich nach Auftragserteilung flugs ans Werk und liefert eine schicke XML-Datei, die an die Annahmestelle abgeliefert wird. Sie wird abgewiesen, wobei interessanterweise nur die Meldung an das KH zurückgegeben wird, nicht jedoch so etwas wie ein Fehlerprotokoll. Wäre auch zu schön gewesen. Suchen ist schließlich immer dann besonders spannend, wenn man noch nicht einmal weiß, wonach man suchen soll. Das Thema QB wird bei interen Besprechungen inzwischen im Bereich von realsatirischen Ereignissen diskutiert. Vorschläge, den Sachverhalt zur Aufbereitung an Ephraim Kishon zu liefern, weil man von dem lange nichts mehr gehört hat, werden laut. Der Anbieter überarbeitet inzwischen sein Werk noch einmal, wobei der nächste Abgabeversuch bei dem bekannten Ergebnis endet. Wilde Mailkontakte aller Beteiligten folgen, denn wir schreiben inzwischen schon Mitte Dezember. Gerüchten zufolge haben in Deutschland bisher etwa 70 KH Erfolg gehabt. Wie das geschehen konnte, bleibt unklar. Bei über 2.000 Häusern läßt sich aber folgern, daß es vielleicht doch nicht trivial ist. Vielleicht haben die 70 KH irgendeinen Zauber entdeckt, den wir bisher vergeblich suchen. Oder haben über unbekannte Rituale mit den Göttern des XML-Himmels Kontakt aufgenommen. Anfragen bei einigen von ihnen lieferten Aussagen wie: \"Tja, das war in der Tat eine spannende Aufgabe.\"


    Vier Tage vor dem Heiligen Abend ist das KH keinen Schritt weiter. Die Beteiligten haben schon beinahe aufgegeben. Ihre Kinder lernen inzwischen Gedichte wie:


    \"Die Nacht vor dem Heiligen Abend,
    da liegen die Kinder im Traum,
    sie träumen von schönen Sachen
    und von dem Weihnachtsbaum.\"


    In Abwandlung diese Klassikers träumen die Beteiligten von der Erzeugung des XML-Files durch das Christkind. In diesem Jahr vermutlich ähnlich wahrscheinlich wie ein Meter Neuschnee in der Weihnachtsnacht im Rheinland. Einen klassischen Schornstein, durch den der Weihnachtsmann flugs einschweben könnte, haben wir in unserem KH leider nicht zu bieten, daher entfällt auch diese Option ersatzlos. Rudolf, das rotnasige Rentier, sieht auch keine Chance, da man Bits und Bytes des XML-Formates nicht auf dem Schlitten festbinden kann.


    Eigentlich eine tolle Geschichte, die man später seinen Enkelkindern an langen Winterabenden erzählen kann. Schade nur, daß man (nicht, als wäre das sehr neu) mal wieder im KH Arbeitszeit vielleicht nicht sonderlich sinnvoll investiert hat, über die ich hinsichtlich der Größenordnung in Anbetracht meiner aufkommenden Festtagsstimmung erst vielleicht wieder im neuen Jahr nachdenken werden.