Beiträge von ziebart

    Sehr geehrte Fr. Klein,


    obwohl die Ansprache Ihres \"wutentbrannten Kommentars\" dankenswerterweise allgemein gehalten war, fühle ich mich natürlich durch ihren Kommentar persönlich angesprochen. Lassen Sie mich deshalb zunächst einmal mein Bedauern zum Ausdruck bringen, daß durch die vorherige Diskussion Ihre Gefühle derart berührt wurden, daß Sie sich zu solch einem persönlichen Kommentar veranlaßt gesehen haben. Dies tut mir aufrichtig Leid. Es zeigt, daß wir hier häufig auf theoretisch-sachlicher Ebene diskutieren und dabei oft die damit verbundenen menschlichen Schicksale in den Hintergrund stellen ( müssen ). Eine solche Diskussion ist meiner Meinung nach jedoch notwendig, um das DRG-System voranzubrigen.


    Ihrer Argumentation in der Sache kann ich nicht zustimmen:


    Wenn Sie anführen, daß es in manchen Fällen \"erheblichen betreuerischen und pflegerischen Mehraufwand\" bedeute, einen Befund mit positiven LK-Befall anstelle eines solchen mit negativen LK-Befund mitzuteilen, so mag dies nur auf den ersten Blick zutreffen. Ich denke, Sie werden mir zustimmen, daß es auch Fälle geben wird, bei denen vergleichsweise ein erheblicher Mehraufwand durch Gesprächs-/Aufklärungsbedarf ensteht, obwohl keine LK befallen sind.


    Die Fragen die zu stellen sind:


    Wie bildet man solch zusätzlichen Mehraufwand durch die Kodierung korrekt ab ?


    Ist der Kode für LK-Metastasen hierfür geeignet ? Differenziert er ausreichend ?



    Um eines klarzustellen: Ich halte es für wichtig gerade auch den von Ihnen beschriebenen zusätzlichen Aufwand, der durch notwendige persönliche Gespräche und Zuwendung der Ärzte an die Patienten entsteht im System mit zu erfassen und zu berücksichtigen. Einmal abgesehen davon, daß ein derartiger Aufwand kostenmäßig im System derzeit nicht direkt erfaßt wird, weil es hierfür notwendig wäre, im Rahmen der Kostenträgerrechnung jedes Patientengespräch mit der Stoppuhr zu erfassen, um die Kosten für die ärztliche/pflegerische Arbeitszeit dem Fall zuschreiben zu können, wird dennoch eine Erfassung indirekt möglich. Man könnte z.B. vermuten, daß bei solchen Patienten die Liegezeit erhöht sein wird. Nur bleibt eben die Frage, wie dieser spezielle Mehraufwand in der Kodierung ausreichend genau und differenzierungsstark abgebildet werden kann ?


    Ich halte die Nebendiagnose \"Lymphknotenmetastasen\" als Differenzierungskriterium in diesen Fällen für ungeeignet. Eine psycho-onkologische Mitbetreuung von Patientinnen mit der Diagnose Brustkrebs durch entsprechend geschultes Personal sollte heutzutage Standard in jeder Klinik sein. Stellt sich dabei heraus, daß die Psyche der Patientin durch die Diagnose Brustkrebs derart belastet ist, daß ein über das normale Maß hinaus gehender Mehraufwand für die psychologische Betreuung der Patientin notwendig wird, so könnte dies sehr viel besser durch einen Kode aus F43.- ( Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen ) zum Ausdruck gebracht werden.


    Dies hätte den Vorteil, daß Sie auch bei Patientinnen ohne Lk-Befall aber mit erhöhtem psychologischem Betreuungsbedarf einen Kode haben, der den Mehraufwand abbilden kann. Man müßte auch nicht jedes einzelnen Gespräch genau dokumentieren. Eine einmalige, genaue Dokumentation mit einer entsprechenden ärztlichen Diagnose der Belastungsreaktion würde genügen. Der Kode für LK-Metastasen würde für andere Aufwandsarten (z.B. adiuvante CT noch während desselben Aufenthaltes ) \"frei\" bleiben.





    In einem meiner vorherigen Beiträge zu diesem Thema habe ich schon einmal darauf hingewiesen, daß meiner Meinung nach derzeit die Gefahr besteht, durch eine großzügige Interpretation der DKR gerade bei der Kodierung von Nebendiagnosen das System unbrauchbar zu machen. Es wird dann in wenigen Jahren dazu kommen, daß es nur noch wenige aussagekräfitge ND-Kodes gibt, die eine Differenzierung in unterschiedliche Schweregrade zulassen. Das InEK wird festellen, daß die bisher benutzten Kodes nicht ausreichen, um Kostenunterschiede zwischen verschiedenen Schweregraden ausreichend genau abzubilden.


    Dies führt dazu, daß es immer mehr und immer \"genauere\" Kodes mit immer mehr einschränkenden In-/Exclusiva bzw. immer ausführlicheren Kodierregeln hierzu geben wird. Diese Entwicklung ist jetzt bereits im System erkennbar ! Denken Sie dabei nur einmal an die neuen OPS-Kodes für einzelne Wirkstoffe.


    Die Folge hieraus wiederum ist ein zunehmendes Streitpotential um die \"korrekte Kodierung\" und einhergehend damit ein deutlich erhöhter Brüokratieaufwand für die Kommunikation mit MDK bzw. KK. Auch diese Entwicklung ist derzeit bereits absehbar ! Viele hier im Forum können davon sicherlich ein ( Klage- ) Lied singen.


    Hinzu kommt dadurch - Sie haben es selbst angedeutet - ein über die Anforderungen an eine korrekte ärztliche bzw. pflegerische Dokumentation hinaus gehender Aufwand für die Dokumentation solcher Nebendiagnosen. Es ist für eine korrekte ärztliche Dokumentation sicherlich nicht notwendig, jedes Patientengespräch mit Datum, Uhrzeit und Inhalt exakt zu erfassen. Für eine Kodierung in Ihrem Sinne wäre es, wie Sie es selbst andeuten, sicherlich unumgänglich. Wollen wir das ?


    Ein solches System wird den Kollegen schlicht nicht mehr vermittelbar sein.



    MfG,



    M.Ziebart

    Hallo Miller, Hallo Herr Bürgstein,


    ohne genaue Kenntnis des gesamten Behandlungsfalles läßt sich natürlich ( wie immer ) nichts 100%ig genaues antworten. Ihre Fallschilderung impliziert jedoch, daß das OvarialCA bei Aufnahme bekannt war. Wenn Sie nun die Darmfistel als \"Symptom\" des Malignoms betrachten, so müssen Sie zusätzlich berücksichtigen, daß in diesem Fall gem. DKR 2004 ein Malignom-Kode nicht zur Hauptdiagnose werden kann (s. hierzu: DKR 0202b Komplikationen im Zusammenhang mit Neubildungen ).


    Sollte kein Zusammenhang zwischen Malignom und Darmfistel bestehen ( zugegeben: dies ist wenig wahrscheinlich ), dürfen Sie das Malignom ( Primärtumor oder Metastasen ) erst recht nicht zur Hauptdiagnose machen, da in so einem Fall dann die HD-Kriterien eindeutig zu Gunsten der Darmfistel erfüllt sind.


    Von daher würde ich Herrn Bürgstein widersprechen wollen und die Darmfistel zur Hauptdiagnose machen ( z.B. K63.2 ). Besteht ein Zusammenhang zwischen Fistel und Malignom, müssen zusätzlich die Malignomkodes als ND angegeben werden. Besteht ein solcher Zusammenhang nicht und erfolgte wegen des Malingoms kein ND-begründender Aufwand, sind die Malignomkodes nicht als ND zu kodieren.


    Gleiches gilt für die zweite Aufnahme. Hier wäre als HD die T81.3 anzugeben. Wahrscheinlich muß hier jedoch ein Fallzusammenführung gem. § 2 Abs. 3 KFPV 2004 durchgeführt werden, so daß im Gesamtfall dann die T81.3 als ND zu kodieren ist.



    MfG,


    M. Ziebart

    Hallo Forum, insbesondere Herr Bartkowski,



    nun doch noch einmal ( aber definitiv mein letzter Post vor dem Fest ! ):



    Zitat


    Original v. Bartkowski
    Das zitierte Beispiel 1 der DKR D003b ist ja wohl nicht grundlos 2005 entfallen.


    ... in der Version, die mir Vorliegt ( Endversion v. 16.09.2004 ) ist das Beispiel noch enthalten ...


    Zitat


    Original v. Bartkowski
    Zum Nebendiagnosen-Kriterium: Wo steht denn geschrieben, dass ein spezieller / zusätzlicher / Mehr- / Aufwand gefordert wird?


    Sie haben Recht, daß ein zusätzlicher Mehraufwand nicht explizit gefordert wird. Das dennoch zusätzlicher Aufwand ( = Kosten ) entstehen müssen ergibt sich:


    1. aus der Logik der deutschen Sprache: Wenn das Patientenmanagement entsprechend den Kriterien der DKR beeinflusst werden muß, dann folgt daraus, das ein Umstand existiert, an dem diese Beeinflussung festgemacht werden kann. Eine Sache kann nicht von \"nichts\" beeinflusst werden. Da in der Regel alle Dinge Aufwand verursachen ( und sei es nur Arbeitszeit, ein Billigmedikament oder anderes ... ) folgt aus den DKR das etwas zusätzlich ( zur \"Standardtherapie\" der HD ) zu erfolgen hat, wodurch das Patientenmanagement beeinflusst wird.


    2. Deutlicher finden Sie es in dem von mir erwähntem Beispiel: Bezüglich des Myoms steht dort wörtlich: \" ... zeigt auch ein bekanntes Uterusmyom, das keine weitere Diagnostik und Behandlung erfordert\". Bekanntermaßen wird das Myom in dem Beispiel als nicht ND-Relevant bezeichnet, eben weil keine weitere Diagnostik und Behandlung erforderlich ist. Mit anderen Worten: Keine zusätzliche Diagnostik und Behandlung.


    Zitat


    Original v. Bartkowski
    Wieso wird hier einfach postuliert, dass die Kosten bei nodal negativen und positiven Patientinnen gleich sind? Werden die Kosten einer adjuvanten Therapie sachgerecht (kostenträgerbezogen) berücksichtigt? Sind die Erlössituationen durch Wiederaufnahmen wegen Komplikationen (zB Lymphfisteln, Seromen) und Fallzusammenführungen berücksichtigt ?


    Ad 1: Das habe ich nicht behauptet, meine Aussage bezog sich auf den einen stationären Aufenthalt, den es zu kodieren und ( wirtschaftlich ) bewerten gilt.


    Ad 2: Eine adiuvante Therapie, die nach dem stationären Aufenthalt ambulant erfolgt ist nicht Gegenstand des zu bewertenden Aufenthaltes. Wird sie u.a. wegen der LK-Metastasen bereits während des Aufenthaltes eingeleitet, so haben Sie einen Grund, die LK-Met. als ND zu kodieren ( s.o. )


    Ad 3: Wenn Komplikationen ( \" zB Lymphfisteln, Seromen \" ) auftreten und den Fall erschweren, dann kodieren Sie diese Komplikationen. Das macht es möglich, ggf. den hierdurch entstandenen Aufwand zu ermitteln. Der Aufwand entsteht jedoch nicht durch die LK-Metastasen, sonder durch die zu kodierende Komplikation ! Ein Serom oder eine Fistel kann eben auch bei nodalnegativen Patientinnen auftreten !


    Frohe Weihnacht wünscht,


    M. Ziebart

    Hallo Herr Selter,


    Zitat


    Original von Selter:
    Was sagt uns das? Osteomyelitis (M86.-) und Osteopathie nach med. Maßnahme (M96.-) dann möglich?


    ... ich glaube nicht. Das DIMDI stellt damit nur klar, daß \"diagnostisch voneinander abgrenzbare\" Erkrankungen, von denen \"sowohl\" die eine, \"als auch\" die andere gleichzeitig nebeneinander existieren können, mit ihren jeweiligen Kodes kodiert werden dürfen, obwohl diese sich evtl. durch ein Exclusivum gegenseitig ausschließen.


    Bezogen auf Ihr \"Umfrage-Beispiel\" hieße dies meiner Meinung nach:


    Die \"Osteopathie nach med. Maßnahmen\" und die \"Osteomyelitis\" beziehen sich auf ein und dasselbe Krankheitsbild und sind deshalb nicht \"diagnostisch voneinander abgrenzbar\", wie das DIMDI es fordert.


    Eine parallele Kodierung wäre allerdings möglich, wenn:


    1. Die Aufnahme wegen einer Osteomyelitis nach Tibianagelung bei Fraktur erfolgte ( -> Kodierung mit T81.4, da Kausalität zwischen OP und Infektion zweifelsfrei gegeben ist und DKR / ICD-Exclusiva T81.4 als Kode ( leider ) vorsehen ( s. mein vorheriger Beitrag ). ), und dann


    2. der Patient aus ungeklärter Ursache zusätzlich während desselben stationären Aufenthaltes eine Osteomyelitis an anderer Stelle entwickelt, deren Ursache nicht auf medizinische Maßnahmen zurückzuführen ist. Es werden zusätzliche :d_zwinker: Maßnahmen notwendig, um diese Osteomyelitis zu beherrschen.


    Das DIMDI hat nun klargestellt, daß in diesem Fall sehr wohl ein Kode aus M86.- zusätzlich kodiert werden darf, obwohl entsprechende Exclusiva in der Klassifikation unter M86.- enthalten sind.



    Ich bin froh, daß es diese Klarstellung gibt. Denn bisweilen ist mir Software untergekommen, die die Kodierung auf Plausibilität prüfen soll. In solch einem Fall produziert dann manche Software einen \"schweren\" Fehler, wenn sie Kodes zu futtern bekommt, die sich durch Exclusiva ausschließen. Hier dürfte allerdings nur statt des \"schweren Fehlers\" ein \"Hinweis\" produziert werden, da ein Patient durchaus \"Läuse und Flöhe\" haben kann, auch wenn unter \"Läusen\" die \"Flöhe\" als Exclusivum genannt werden.


    Ich wünsche Ihnen und allen Forumsteilnehmern ein gesegnetes Weihnachtsfest,


    MfG,


    M. Ziebart

    Hallo Herr Selter,


    Zitat


    Original von Selter:
    :lach: Das geht so einfach ja nun mal nicht, sonst hätte ich schon öfters mal was in kursiv geschrieben. In dem Beispiel werden bei der Sono eben keine Auffälligkeiten der Lymphknoten beschrieben. Die Nicht-Kodierung betrifft hier das nebenbefundlich festgestellte, bekannte Myom.


    Beispiel 1 DKR -->> Unser Fall


    CML -->> Mammakarzinom
    Sonographie -->> Diagnostik des OP-Präparates
    Myom -->> LK-Metastasen, die (wohlgemerkt in diesem einen stationären Behandlungsfall) keine weitere Diagnostik und/oder Therapie erforderlich machen


    Ausführlicher:
    Dem Mammakarzinom in unserem Fall entspräche in der Analogie zum zitierten Beispiel die CML ! Die Nicht-Kodierung des nebenbefundlich festgestellten bekannten Myoms entspräche in der Analogie zu unserem Fall ja gerade den Lymphknotenmetastasen ! Zugegeben: Diese waren anders als das Myom im zitierten Beispiel bei Aufnahme nicht bekannt. Aber hätten Sie das Myom aus dem Beispiel als ND dann kodiert, wenn es nicht bekannt gewesen wäre und trotzdem \"keine weitere Diagnostik und Behandlung\" erforderlich gewesen wäre ?


    MfG,


    M. Ziebart

    Hallo Herr Selter,


    Zitat


    Original von Selter:
    Würde ich auch so machen. Aber warum halten Sie sich nicht an das genannte Exklusivum unter M86 - M90 das vorgibt, Osteopathien nach medizinischen Maßnahmen unter M96.- zu kodieren?


    ... weil:


    1. Das Exclusivum lautet \"Exkl.: Osteopathien nach medizinischen Maßnahmen ( M96.- )\". Unter M96.- finden sich jedoch wirklich nur allgemein \" ...-pathien\" und eben keine spezifischen \" ...-itiden\". Es käme dann alternativ also nur der Kode M96.8 in Frage.


    2. Bei der Infektion handelt es sich aber eben um eine \" - itis \" und somit um eine \"bestimmte andere Folge\" ( nämlich: Infektion ) einer \"äußeren Ursache\" ( nämlich: einer medizinischen Maßnahme ). Für den Kode M96.8 gilt somit das Exclusivum aus dem Kapitel XIII:


    Excl.: Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen ( S00-T98 )



    Hallo ? DIMDI ? InEK ? SVP ? Wer soll da noch durchblicken ... ? Bitte dringend gemeinsam reformieren / klarstellen ! :d_zwinker:


    MfG,


    M. Ziebart

    Hallo Forum,


    dem Beitrag von Herrn Schaffert kann ich nur voll zustimmen ! Mit dem Begriff \"Krankenhaus\" in der KFPV 2004 können nur solche Häuser gemeint sein, die eine Zulassung n. § 108 SGB V haben.


    Sie können die KK ja einmal hypothetisch Fragen:


    a) ob das KH in London eine Zulassung n. § 108 SGB V hat.


    b) welche DRG-Fallpauschale vom Londoner KH abgerechnet wurde, ob die MVD erreicht wurde und - falls nicht - ob eine Kürzung des Entgeltes nach den Regelungen des § 3 Abs. 2 KFPV 2004 stattgefunden hat.


    c) ob es sich bei der Behandlung in London wirklich um eine vollstationäre Behandlung i.S.d. § 39 SGB V gehandelt hat und - falls ja - welche Aufnahmediagnose(n) entsprechend der Vereinbarung n. § 301 SGB V hierbei übermittelt wurden.



    Diese Fragen zeigen deutlich, daß sich die KFPV ausschließlich auf die deutsche KH-Landschaft Bezug nimmt. Allerdings ist dies lediglich meine persönliche Meinung, da ich persönlich die Fallzusammenlegungsregelungen incl. der Abschläge bei Verlegung an sich für unsinnig erachte.


    Eine unabhängige Stelle könnte in Ihrem Fall durchaus auf den Effekt an sich abstellen und dabei zu dem Schluß kommen, daß die Kriterien für einen Verlegungsabschlag erfüllt seien.


    MfG,


    M. Ziebart

    Hallo Forum, insbesondere Herr Selter,


    auf Ihre Frage, Herr Selter:


    Zitat


    Allerdings gibt es dann auch noch folgendes zu klären: Die Überschrift bei T80 - T88 besagt: Komplikationen..., andernorts nicht klassifiziert.
    Ein Unterkieferabszess ist aber in meinen Augen andernorts klassifiziert, nämlich unter K10.2-. Was darf man also dann als letztliches Entscheidungskriterium heranziehen: Titel? Inklusiva/Exklusiva? ...?


    möchte ich wie folgt antworten:


    Es steht dort eben, wie Sie richtig zitieren, Komplikationen andernorts nicht klassifiziert. D.h. der Hinweis \"andernorts nicht klassifiziert\" bezieht sich meiner Ansicht nach hauptsächlich auf die Komplikation an sich und nicht primär auf die Art der Komplikation. Es würde sonst ja auch wenig Sinn ergeben, einen Kode wie


    T81.4 Infektion nach einem Eingriff


    zu definieren, da sonst sicher die Frage erlaubt sei, welche Infektion denn mit so einem Kode gemeint sein könnte. Schließlich sind Infektionen sowohl im Kapitel II als auch in den weiteren organspezifischen Kapiteln der ICD-10 ausgiebig und abschließend vorhanden. Wenn Sie einmal die Exclusiva zu diesem Kode anschauen, stellen Sie fest, daß hierbei auschließlich Kodes genannt sind bei denen sich ein Hinweis auf eine Komplikation findet.


    Das hieße in unserem Fall müßte an anderer Stelle ein \"Kieferabszeß nach medizinischen Maßnahmen\" definiert sein, um daß Ausschlußkritierium \"andernorts nicht klassifiziert\" zur Geltung kommen zu lassen.



    Zu Ihrer Umfrage:


    a) nach geltenden DKR kodieren würde ich ( leider ) :


    - als Hauptdiagnose T81.4, da eine \"Osteomyelitis nach medizinischen Maßnahmen\" andernorts nicht klassifiziert ist und das \"Kapitel XIII M00-M99 Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes\" der ICD-10 ein entsprechendes Exclusivum im Kapitelvorspann enthält.


    b) wünschen würde ich mir eine Kodierung wie folgt:


    - als Hauptdiagnose einen zutreffenden Kode aus M86.- ( Osteomyelitis ) in Verbindung mit dem Sekundärkode:


    Y84.9! Zwischenfälle durch medizinische Maßnahmen, nicht näher bezeichnet


    ( Inkl.: Chirurgische und sonstige medizinische Maßnahmen als Ursache einer abnormen Reaktion eines Patienten oder einer späteren Komplikation, ohne Angabe eines Zwischenfalls zum Zeitpunkt der Durchführung der Maßnahme)


    MfG,


    M. Ziebart

    Hallo die Herren,


    anders, als angekündigt, möchte ich mich nun doch noch einmal in drei Punkten zu Wort melden:


    1. Meine Anfrage beim InEK


    auf meine Anfrage beim InEK:


    erhielt ich folgende - etwas deutlicher formulierte - Antwort


    Zitat


    [...]
    Sofern in dem von Ihnen geschilderten Sachverhalt die Diagnose nicht die Kriterien einer Nebendiagnose nach DKR D003b erfüllt, darf diese Diagnose - so wie Sie schreiben - nicht kodiert werden.


    [... Zitat der DKR 003 ... ]


    [...]



    2. Zu dem Vergleich von Herrn Selter mit zwei gleichzeitig vorliegenden Infektionen


    Der Unterschied, Herr Selter, in Ihrem Beispiel besteht darin, daß Sie bei zwei gleichzeitig vorliegenden Infektionen diese vor Therapiebeginn in der Regel zunächst einmal diagnostiziert haben müssen, sonst wäre Ihnen ja gar nicht bekannt, daß es sich um zwei unterschiedliche Infektionen handelt:


    Hierbei wären zwei Fälle zu unterscheiden, wobei wegen der Analogie zu unserem Thema nur der letze Fall relevant ist:


    a) Die beiden Infektion sind bei Aufnahme bekannt und machen in der Gesamtbetrachtung der Befunde eine stationäre Behandlung notwendig:
    Hier haben Sie nicht das Problem, eine Nebendiagnose begründen zu müssen ! Vielmehr erfüllen beide Diagnosen das Kriterum für eine Hauptdiagnose. Somit ist nach DKR diejenige Diagnose als HD zu wählen, die den größten Ressourcenverbrauch verursacht hat, die andere Diagnose ist zwingend nach DKR als ND zu verschlüsseln.


    b) Eine Infektion ist bei Aufnahme bekannt, die andere wird während des Aufenthaltes diagnostiziert:
    Es handelt sich um zwei unterschiedlich lokalisierte Infektionen. In der Regel macht eine Infektion an einer Lokalisation A (z.B. Mamma) jedoch - im Gegensatz zu unserem Fall ( s.u.) - keine weitere spezifische Diagnostik oder Therapie an anderer Lokalisation B (z.B. Lymphknoten, Leber, Lunge, ... ) erforderlich, die dazu geeignet wäre, eine Infektion an der Lokalisation B zu diagnostizieren. D.h. in Ihrem Beispiel hat die Diagnostik der Infektion B zusätzliche Diagnostik erforderlich gemacht und darf deshalb als ND kodiert werden.


    In unserem Fall liegt die Sache anders: Hier ist vor Therapiebeginn nicht bekannt ob überhaupt LK-Metastasen vorliegen oder nicht. Dennoch wird wegen der bekannten Hauptdiagnose Mammakarzinom die Entfernung der LK und somit auch Ihre histologische Aufarbeitung zwingend notwendig ! Ein zusätzlicher, nebendiagnosebegründender Ressourcenverbrauch findet nicht statt !


    Ich möchte die Situation durch Abänderung des Beispieles 1 aus der DKR D003b verdeutlichen: Dort heißt es auszugsweise:




    3. Zum Beitrag von Herrn Dr. Bartkowski:


    Zu der von Herrn Dr. Bartkowski aufgestellten Behauptung, eine solch \"enge Auslegung\" der DKR sei geeignet, \"eine sachgerechte Finanzierung\" zu verhindern, möchte ich anmerken, daß hier gerade das Gegenteil der Fall ist ! Unstrittig und offensichtlich ist es doch, daß durch die postoperative Diagnose von LK-Metastasen für sich allein kein zusätzlicher Aufwand im Vergleich zu einem Fall ohne LK-Befall entsteht. Durch die Kodierung von LK-Metasten in einem solchen Fall machen Sie den Fall durch die Kodierung auf dem Papier ( wirtschaftlich ) komplizierter als er ist. Die Angabe der LK-Metastasen als ND impliziert doch, daß hierduch zusätzlicher Aufwand entstanden sei. Eine wirtschaftliche Differenzierung und somit eine \"sachgerechte Finanzierung\" ist dann mit dieser ND als Differenzierungskriterium nicht mehr möglich.


    Meiner Ansicht nach führt nur eine enge, differenzierte Auslegung insbesondere der ND-Kriterien zu einer Dauerhaften Stabilität des DRG-Systems und somit zu einer sachgerechten Finanzierung.


    Die ausufernde Kodierung von Nebendiagnosen mit entsprechend großzügiger Interpretation der DKR wird auf Dauer dazu füren, daß


    I) Es immer spezifischere Kodes geben wird. Diese Entwicklung ist jetzt schon in der ICD-10 erkennbar !


    II) immer weniger Kodes CCL-Relevanz haben werden, weil sie zu wenig Aussagekraft hinsichtlich ihres ökonomischen Effektes haben werden.


    III) Es immer mehr Z-DRGs geben wird, eben weil das InEK bei der Systemanalyse feststellt, daß ein Split anhand von PCCL-Werten zu keiner spezifischen ökonomischen Trennung der Fallgruppe in der Basis-DRG führt !



    MfG,


    M. Ziebart

    Guten Tag die Herren,


    zu dem Fall möchte ich noch wie folgt anmerken:


    Die Kodes aus Z03.- sind, wie Herr Selter bereits andeutete, nur dann zu verwenden, wenn es keine spezifischeren Kodes an anderer Stelle gibt ( s. hierzu DKR D002c ). Ich bin ebenfalls der Ansicht, daß hier ein Kode aus dem Kapitel XV der ICD-10 mit Sicherheit spezifischer und somit passender als HD zu wählen ist.


    Den von Herrn Heller vorgeschlagenen Kode O36.8 hätte ich in diesem Fall nicht gewählt, da sich die Kodes aus O36.- explizit auf Probleme beim Feten beziehen ( s. hierzu die spezifischen Kodes O36.0 bis O36.7 ). Dem war in diesem Fall jedoch nicht so. In diesem Fall hätte ich deshalb den Kode


    O26.88 Sonstige näher bezeichnete Zustände, die mit der Schwangerschaft verbunden sind


    gewählt, da es sich bei dem ( von einer Patientin geäußerten ) \"Verdacht auf vz. BS\" sicherlich und definitv um einen Zustand handelt, der mit der Schwangerschaft verbunden ist und sonst nicht vorkommt.


    Dieser Kode würde sich übrigens auch für die von Herrn Heller beschriebene \"ungeduldige Patientin\" eignen, obwohl die Ungeduld für sich allein, sicherlich eine stationäre Aufnahme zur Geburt, bzw. die Einleitung derselbigen nicht ausreichend begründet ...


    MfG,


    M. Ziebart

    Hallo Biri, Hallo Herr Lindner, Hallo Herr Selter,


    ich bin mit Ihnen allen einer Meinung, daß die Kodierrichtlininen für Komplikationen mißverständlich sind. Auch die Änderungen in den DKR 2005 halte ich für nicht ausreichend. Insbesondere sei hierzu folgendes angemerkt:


    1. Viele Komplikationen medizinischer Maßnahmen könnten m.E. doch bestens durch einen Sekundärkode abgebildet werden. Und daß beste daran ist: Mit der Gruppe \"Komplikationen bei der medizinischen und chirurgischen Behandlung (Y40-Y84)\" exisitieren diese Sekundärkodes bereits. Die Kodes aus der \"Tabelle 1\" wären dann weitesgehend überflüssig.


    2. In jedem Kapitel der in Tabelle 1 genannten Kodes, mit Ausnahme des Kapitels IV - \"Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)\", ist im Kapitelvorspann der ICD-10 als Exclusivum genannt:


    Excl.: Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen ( S00-T98 )


    In der Gruppe \"Komplikationen bei chirurgischen Eingriffen und medizinischer Behandlung, anderenorts nicht klassifiziert
    ( T80-T88 )\"
    finden sich dann wiederum diverse Exclusiva u.a. auch viele der in Tabelle 1 genannten Kodes.



    Den spezifischen Fall von \"Biri\" betreffend findet man unter T80-T88 allerdings als Exclusivum kein Kode aus K10.2, so daß man entgegem dem Vorschlag von Herrn Selter, auch in 2005 genauso gut den von Biri vorgeschlagen Kode T81.4 als HD wählen könnte, denn:


    1. Es handelt sich eindeutig um eine \"Infektion nach einem Eingriff\", die andernorts ( als Komplikation ) nicht klassifiziert ist. Der Kode T81.4 ist also spezifisch.


    2. Für den von Herrn Selter vorgeschlagenen Kode aus K10.2 gilt das Exclusivum für \"Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen\" aus der Gruppe S00-T98. Dieses ist am Anfang des Kapitels XI für das gesamte Kapitel ( K00 - K93 ) definiert.


    Gemeint haben die Autoren der DKR in diesem Fall allerdings wohl eher die von Herrn Selter vorgeschlagene Kodierung. Meiner Meinung nach wäre es am besten, die Kodierrichtlinien unmißverständlich so zu formulieren, daß so kodiert werden müßte, wie Herr Selter es vorgeschlagen hat. In diesem Fall dann zusätzlich mit dem Sekundärkode Y84.9! - Zwischenfälle durch medizinische Maßnahmen, nicht näher bezeichnet \".



    Dieses \"Durcheinander\" ist - gelinde gesagt - höchst verwirrend und ( weiterhin ) dringend \"reformbedürftig\".



    MfG,


    M. Ziebart

    Hallo Killmer, Hallo Herr Rembs,


    ... häufig haben die ( großen ) KK MDK-Ärzte ständig oder auch nur an bestimmten Tagen in der Woche im Hause, um fragliche Fälle mit dem Sachbearbeiter vor Ort zu beraten.


    Dies führt dann in den mir bislang bekannten Fällen zu einem Schreiben des KK-Sachbearbeiters in dem es heißt \"... im o.g. Fall kommt der Gutachter des MDK zu Schluß, daß ...\"


    In diesen Fällen handelt es sich dann sicher nicht um ein - wie Sie sagen - \"rechtsgültiges\" MDK-Gutachten. Dennoch würde ich in diesen Fällen den zugrundeliegenden Sachverhalt prüfen. Falls sich dabei herausstellen sollte, daß die Anfrage der KK unbegründet ist, wird dem begehren der KK mit einem Standardschreiben widersprochen. Die KK müßte dann weitere Schritte ( z.B. die Beauftragung eines \"echten\" MDK-Gutachtens ) veranlassen.


    MfG,


    M. Ziebart