Beiträge von C-Hirschberg

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    Original von Scholz:


    Machen Sie mal ein bisschen Kombinatorik: ca. 600 DRGs, aber 16 Mio. Behandlungsfälle. Die sind niemals alle gleich kodiert.


    :( Das brauchen Sie mir doch nicht zu erklären :(


    Aber es ist nun mal so, wenn ausgerechnet die den Fallschweregrad erhöhende Triggerdiagnose nicht erfaßt wurde, gibt`s weniger Geld.


    Und 100% Geld gibt`s nur mit der Wahrscheinlichkeit 1,0 wenn die Strukturen auf 100% Kodierung ausgelegt sind. Es ist mir klar: auch mit 10% gezielter Kodierung kann man die 100% erreichen. Aber dann nur, wenn (a) alle einen einfachen Zugriff auf den Algorithmus haben und (b) sicher ist, das für die zum Zeitpunkt erfaßten Daten auch genau dieser Algorithmus angewandt wird.
    Mit gezielter Kodierung bezeichne ich nicht allein die Kodierung nach Gesichtspunkten der Erlösoptimierung, sondern auch die OPS-Bewertung der Uni Münster.


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    Herr Hirschberg, Sie machen sich doch stark für einen open-source-Grouper. Dann wissen Sie doch, dass die Eingruppierung in der Regel dadurch bewerkstelligt wird, dass abgefragt wird, ob bestimmte Elemente der Diagnosenliste eines Falles Element bestimmter DRG-spezifischer Diagnoselisten sind (das gleiche gilt für Prozeduren). Mengenlehre, Schnittmengen, alles klar?


    Ich gebe Ihnen ja recht, aber dann muß eben (wie Sie ja sagen) allen klar sein, welche Kodes Einfluß haben.


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    Die eine wichtige Regel, die ich in meinen hausinternen Schulungen versuche „rüberzubringen“ lautet: Wenn eine Diagnose oder eine Prozedur die Besonderheiten des *individuellen Falles* beschreibt (blabla ...diagnostischer/therapeutischer/pflegerischer Aufwand, also auch Gründe für eine längere Verweildauer... blabla), und ich diesen *individuellen Fall* daran wiedererkennen kann, dann sollten diese Diagnosen und Prozeduren auch verschlüsselt werden. Fertig, Schluß. Und wer Kodierregeln lesen will und die Zeit dazu hat, kann das natürlich tun. Nur die wenigsten meiner Zuhörer haben dafür die Zeit. Dafür reicht unser Stellenplan leider nicht aus.


    Und wie erklären Sie Ihren Ärzten die Geschichte mit der Entbindung und dem Dammriß I.Grades ?



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    Besonderheiten für ein Refinement würden mir die Ärzte verschlüsseln, zumindest in einem statistisch gesehen ausreichendem Maße.


    Wie können Sie da sicher sein, wenn bestimmte eventuell als Trigger nutzbare Kodes nur unregelmäßig erfaßt werden, insbesondere wenn sie derzeit noch nicht Auswirkungen auf den Gruppiervorgang haben ?


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    Man muss ihn natürlich veröffentlichen, was sonst?


    Dann muß doch endlich jemand ganz offiziell eingestehen, daß für den Anfang die AR-Gruppierung 1:1 übernommen wird (wie bereits aus den DKG-Äußerungen ableitbar, aber eben nur ableitbar) und man muß natürlich das ganze Veröffentlichen.



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    Nach dem oben Gesagten hätte ein Statistiker reichlich Material, um bei vorhandener Kostenträgerrechnung (also Ergänzung des *Datensatzes* um individuelle Fallkosten möglichst mit Kostenmodulen) herauszuarbeiten, ob Kosteninhomogenitäten mit dem Auftreten irgendwelcher Nebendiagnosen oder Zusatzprozeduren korrelieren. Dann kann ggf. gesplittet werden.


    Ich bin mir nicht sicher, ob eine unregelmäßige Kodierung bestimmter Kodes trotzdem ausreicht um das Signifikanzniveau zur Triggerung neuer Splits zu erreichen...



    Mit freundlichen Grüßen


    Christoph Hirschberg

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    Original von roeder:


    Wenn der Myokardinfarkt, kodiert in der Position der FP-Hauptdiagnose, nicht als Nebendiagnose bei der DRG-Grupierung gewertet wird, erfolgt die Eingruppierung in die DRG G07B (Appendektomie ohne Komplikationen, CW = 1,07 in Australien). Wird der in der Position der FP-Hauptdiagnose kodierte Myokardinfarkt aber als Nebendiagnose gewertet, erfolgt eine Aufwertung des Falls (der Myokardinfarkt hat den Schweregrad 4) und damit eine Eingruppierung in die DRG G07A (Appendektomie mit Komplikationen, CW = 1,93 in Australien).


    Das ist zugegebenermaßen erschreckend... wie die Australier einen solchen Fall bewerten. Gut, daß Deutschland dieses System nicht 1:1 übernimmt, sondern solche Fälle sinnvollerweise zumindest in die
    901Z Ausgedehnte OPs ohne Bezug zur Hauptdiagnose
    mit einem Relativgewicht von 3.96 gruppiert.:D



    Diese Darstellung scheint mir etwas verdreht. Sollte es nicht besser heißen:

    "Wenn diese FP-Hauptdiagnose als DRG-Nebendiagnose gewertet wird, erfolgt die Eingruppierung in eine Fehler-DRG (962Z = unakzeptable geburtshilfliche Diagnosekombination), daher wurde die ICD10 Diagnosekombination O70.0 und O80 in den deutschen speziellen Kodierrichtlinien als nicht zulässig erklärt."

    Man könnte sonst den Eindruck gewinnen, der Gruppierungsalgorithmus würde auf den Deutschen Kodierrichtlinien aufbauen. :D


    Warum sollte in Deutschland die Diagnosekombination O70.0 und O80
    eigentlich nicht mehr zulässig sein ? Weil dann ein madiger australischer Gruppierungsalgorithmus eine falsche DRG ermittelt ?


    Es wird doch langsam Zeit, daß wir Deutschen eigene Grouper bauen, deren Entscheidungstabellen wir verändern können.


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    Es kann daher den Geburtshelfern nicht empfohlen werden, kodierrichtlinien- und damit DRG konform zu kodieren, wenn sie weiterhin bis zur Einführung der DRGs die Fallpauschale abrechnen möchten.


    Komplexes Thema das ganze :D Wer hat eigentlich die Kodierrichtlinien erstellt ?



    Das wäre eine Lösung. Wäre es aber nicht tausendfach einfacher (in Mannjahren gerechnet) den Gruppierungsalgorithmus zu verbessern ?


    Mit freundlichem Gruß


    Christoph Hirschberg


    Aber wie sollte man das DRG-System verbessern/verfeinern können, wenn nicht exakt nach einem fest vorgegebenen Schema verschlüsselt wird?
    Nimmt man das System als gegeben hin, kann man natürlich (rechtliche Verbindlichkeiten scheinen in .de ja sowieso niemanden zu interessieren) auf die jeweilig mögliche Ziel-DRG hin kodieren und alle nichtdienlichen Kodes der Kodierlaune des Arztes überlassen.


    Vom Prinzip her halte ich die OPS-Bewertung der Uni-Münster für gefährlich, es sei denn, die Autoren sind sich sicher, dass die Daten nicht zur DRG-Verfeinerung herangezogen werden.


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    So, und jetzt kommt der Knackpunkt: Erlaube ich dem Benutzer, sich so auszudrücken, wie *er* es für richtig hält, oder bevormunde ich ihn, indem ich irgendwelche Kodes einfach streiche?


    ... oder bevormunde ich ihn, indem ich ein durchgängiges Schlüsselwerk anbiete, daß sowohl für Abrechnungszwecke mißbraucht werden kann aber in erster Linie einer umfassenden Leistungsdokumentation, vielleicht sogar der medizinischen Dokumentation dient - und sage "hier, danach muß kodiert werden ! Hast Du ein Problem wende Dich an X. Vermißt Du eine Leistung wird Y Dir binnen Kürze einen landesweit gültigen Code dafür generieren..." :)


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    Wenn ich so fair bin, und den Algorithmus zur Verfügung stelle, kann jeder nachsehen, ob sich ein bestimmter Schlüssel heute gerade mal auf die Abrechnung auswirkt oder nicht.


    :) :) Wenn man aber keinen Algorithmus hat ?


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    Wenn es dem Algorithmus egal ist, warum soll sich dann irgendjemand den Kopf darüber zerbrechen? Warum zerbrechen Sie sich darüber den Kopf, Herr Hirschberg?


    Gesetzgeber sagt: Kodiere nach diesem von mir in Auftrag gegebenen Schlüssel. - Schlüssel funzt aber nicht ohne weiteres.


    Außerdem äußert sich eben keiner dazu, ob nicht dieser oder jener (ev. neue) Kode darauf getestet werden soll, neue Splits zu definieren...


    Ich weiß, daß sich niemand dazu äußert hat andere Gründe;)



    Mit freundlichen Grüßen


    Christoph Hirschberg


    Guten Morgen,


    ich muß doch noch einmal nachfragen, welcher Detailierungsgrad Ihnen denn vorschwebt?
    Braunüle ? 500ml Ringer-Infusion ? Laborwertbestimmungen ? Blutentnahme ? Und was ist mit "zusammengesetzten Leistungen"? Z.B. Narkose (per Inhalation) ? Jede Einleitungsmedikamentgabe ein eigener Code ? Liesse sich so ein Schlüsselwerk überhaupt aufbauen, oder kann daß schon vom Prinzip her nicht funktionieren ?


    Gruß


    Christoph Hirschberg

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    Original von Hab-StElisabeth:
    :ops: Welche Leistungen sind wichtig... :ops:


    Zur Antwort die Systematik, nach der in Deutschland vorgegangen (werden) wird: Man erfaßt Diagnosen, Leistungen und Fallpreise, gibt diese in eine riesige statistische Maschinerie, und ermittelt, welche kostenhomogenen Gruppen sich bilden lassen. Diese ergeben dann eine DRG. Stellt sich heraus, daß eine einzelne erbrachte Leistung ein statistisch sinnvolles Kriterium für einen signifikant unterschiedlichen Ressourcen- (=Geld-) verbrauch einer Gruppe darstellt, so kann dieses durchaus zum Trennkriterium werden.


    Das wäre wünschenswert, aber so startet .de nicht in die DRGs: "Auf Basis des australischen DRG-Kataloges und hierfür im ersten Halbjahr 2002 kalkulierter deutscher Relativgewichte" (das Krankenhaus 8/2001 S.660)


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    Selbst viele sonstige Prozeduren werden sicher von statistisch signifikanteren Indikatoren verdrängt werden: Warum sollten z.B. die Details des (Standard-)Intensivmonitoring eine Rolle spielen, wenn bereits über die Beatmungsdauer und die Tracheotomie wichtige Indikatoren für einen Intensivaufenthalt zur Verfügung stehen.


    Ja wer könnte auf die Idee kommen, daß Details des (Standard-)Intensivmonitoring eine Rolle spielen könnten. Da braucht man gar keine großen Statistiken, um das zu merken ... deswegen sind die Codes ja zum Großteil bereits wieder entfernt worden :D


    (fragt sich nur, wer überhaupt auf die Idee kam, die in den OPS aufzunehmen...? Na, egal, ist ja nur noch für 4 Monate :D)


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    Wenn man bei der Auswahl der selbst dokumentierten Verfahren nur nach Australien schielt, so liegt man zwar sicher nicht ganz falsch, wird aber nicht die Auswirkungen deutscher Anpassungen berücksichtigen.


    Unser Vorgehen daher: Wenn in unserem Hause ein Verfahren so aufwendig ist, daß wir uns vorstellen können, daß es zu einem DRG-Split führt (wobei zu bedenken ist, daß für ALLES maximal 800 Pauschalen möglich sind), so soll es kodiert werden.


    Diese Diskussion ist eigentlich sinnlos, da daß von Ihnen geschilderte Verfahren zur DRG-Entwicklung erst funktioniert, wenn sicher ist, daß alle Häuser gleich kodieren. Wenn dies durch entsprechende Regelungen (KODIERRICHTLINIEN) erreicht ist, erübrigt sich die Ausgangsfrage...


    mfG


    Christoph Hirschberg

    Referenzzeitraum... ist das nicht das erste Halbjahr 2002 ?


    "... dass zum 1.Januar 2003 auf Basis des australischen DRG-Kataloges und hierfür im ersten Halbjahr 2002 kalkulierter deutscher Relativgewichte ein optionaler Einstieg in das DRG-Fallpauschalensystem vorgenommen werden kann ..."
    das Krankenhaus 8/2001 - S. 660


    Wenn ich irre, beachtet bitte meinen Rang ?(