Beiträge von FBR

    Guten Morgen Herr Sommerhäuser,


    vielen Dank für den Link und vielen Dank für ihren Versuch, mein bestehendes Brett vor dem Kopf zu entfernen.


    Ein Satz in dieser Quelle macht mich jedoch stutzig: "Die Kombination von Chemotherapie mit HAART kann zwar den CD4-Verlust durch die Chemotherapie nicht verhindern, jedoch kommt es unter HAART zu einer schnelleren Erholung der CD4-Zellzahl."


    Ein Patient weist bei Erstdiagnose bzw. vor einer HAART-Therapie vor 10 Jahren eine sehr niedrige CD4+-Zahl auf. Vor dem aktuellen Behandlungsfall wurde (durch den Vertragsarzt) eine höhere CD4+-Zahl gemessen. Es erschließt sich mir nicht, warum ich - streng nach Wortlaut des Hinweistextes - den Nadir von vor zehn Jahren für die Kodierung heranziehen sollte (Stichwort "niedrigster je gemessener Wert"), obwohl dieser aktuell gar nicht mehr relevant ist.


    Im Keimbeispiel bin ich vollkommen ihrer Meinung. Im zweiten Fall keine Keimbestimmung, also auch keine entsprechende Keim-Kodierung.

    Wenn ich diese Logik auf die U61.- übertrage, wäre es doch so, dass ich, wenn ich aktuell keine CD4+-Zahl bestimmt habe, diese auch nicht kodieren kann. Jetzt grätscht mir in diese Logik aber der Hinweistext mit dem niedrigsten je gemessenen Wert (Nadir) dazwischen. Wenn man die Betonung allerdings auf "gemessen" legt, kommt man doch zwangsläufig ins Straucheln, wenn im aktuellen Fall gar nicht gemessen worden ist, oder?

    Es ist ja trotz allem immer noch ein Abrechnungssystem, das versucht Aufwand im aktuellen Fall adäquat abzubilden.


    Viele Grüße

    (Herr) F. Broschag

    Sehr geehrter Herr Sommerhäuser,


    vielen Dank für ihre Antwort.


    Ich tue mich im oben genannten Fall dennoch schwer, die D003 komplett außer Acht zu lassen.


    Folgendes Beispiel:


    Fall 1: Pat. hat eine Spondylodiszitis, in der MiBi wird eine Infektion mit Staphylokokken festgestellt. Der Patient ist nach einigen Tagen nicht mehr krankenhausbehandlungsbedürftig und wird entlassen. Dem Keim entsprechend erhält er über mehrere Wochen Antibiose.


    Fall 2: Der gleiche Pat. wird aus einem anderen Grund aufgenommen (keine FZF), erhält aber noch weiter seine Antibiose. Es wird in diesem Fall keine erneute MiBi abgenommen.


    Kodieren Sie dann im zweiten Fall auch eine Spondylodiszitis mit Keim als ND, obwohl sie im 2. Fall den Keim nicht nachgewiesen haben?


    Hier haben wir ja quasi Schrödingers mikrobielle Besiedelung. Nach meinem Verständnis kann ich den obligaten Keim im zweiten Fall dann nicht angeben , da ich ihn nicht nachgewiesen habe (und damit ja immerhin irgendwie diagnostischen Aufwand hatte).


    Aufgrund dieser Logik fällt es mir schwer bei HIV anders zu kodieren, weil ich anamnestisch einen CD4+-Wert habe. Allerdings stört mich - wie bereits oben beschrieben - die Formulierung im Hinweistext "der niedrigste je gemessene Wert ".


    Viele Grüße

    F. Broschag

    Guten Tag,


    im Hinweistext des U61.-! ist folgende Formulierung zu lesen:

    "Die Einteilung nach der Anzahl der (CD4+-)T-Helferzellen pro Mikroliter Blut ist analog der international gebräuchlichen Klassifikation (1993) der CDC vorzunehmen. Demnach ist hier der niedrigste je gemessene Wert (Nadir) heranzuziehen."


    Ich finde diese Formulierung sehr unglücklich, da das "je" im hervorgehobenen Satz dazu verleiten kann, die entsprechenden Laborwerte von längst vergangenen Aufenthalten heranzuziehen und dann entsprechend an 4. Stelle zu kodieren. Sollte das tatsächlich so gemeint sein, dann ist das für mich nicht logisch vereinbar mit der sonst meist streng auf den aktuellen Fall bezogenen Abrechnungssystematik.
    Es handelt sich zwar um obligat anzugebende Kodes nach Tab. 2 in D012, aber ein Aufwand entsprechend D003 muss ja trotzdem in diesem Aufenthalt vorliegen.

    Soll damit gemeint sein, dass im aktuellen Aufenthalt bei möglicherweise mehreren Messungen der niedrigste Wert anzugeben ist? Das hätte man das doch klarer formulieren können (abgewandelt etwa vom U50.- "Bei veränderten Werten innerhalb des Aufenthaltes ist der niedrigste gemessene Wert zu kodieren").


    Ein Beispiel:


    Bei Patient A wird ein HIV-Medikament umgestellt ohne eine erneute CD4+-Bestimmung. --> U61.9!


    Bei Patient B ist ein von vor 10 Jahren erhobener CD4+-Wert bekannt, es wird ein HIV-Medikament umgestellt ohne neue CD4+-Bestimmung. --> Ist hier dann die U61.1/2/3! kodierbar, da der Wert von vor 10 Jahren vorliegt?


    Der Aufwand ist bei beiden gleich.


    Vielen Dank im Voraus für den Versuch, mir mein möglicherweise vorhandenes Brett vor dem Kopf zu entfernen.

    "Über den konkreten Zeitpunkt einer Einführung der ICD-11 in Deutschland sind noch keine Aussagen möglich."


    "Als modifizierte ICD-10-GM (German Modification) dient sie in vielen Anwendungssystemen der Kodierung der Morbidität. Viele etablierte Prozesse basieren auf der ICD-10-GM: z.B. Abrechnung stationärer und ambulanter Leistungen, Morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich, Qualitätssicherung, Epidemiologie und Statistik.

    Während eine Übernahme der ICD-11 für die Todesursachenkodierung vergleichsweise leicht umsetzbar ist, erfordert eine Übernahme für die Morbiditätskodierung in der Regel vielfältige nationale Anpassungen. Dies gilt auch für Deutschland."


    https://www.dimdi.de/dynamic/de/klassifikationen/icd/icd-11/