Beiträge von Willis

    Hallo Medman2,


    Herr Selter hat mich aufgefordert, mich dafür zu entschuldigen, daß ich Ihnen wissentliches Upcoding unterstellt hätte. Was ich hiermit gern tue.


    Dabei ist doch der monetär motivierte Versuch, die Grenzen auszutesten, in Frage zu stellen, zu verschieben oder zu verteidigen im Geschäft mit der Kodierung normal seit der Einführung der Banane in die Behandlung der Hypokaliämie. Das ist part of the game. Bei der Niereninsuffizienz war das so, bei der lokalisierten Blutung unter OAK oder bei der vaskulären Myelopathie. Es gibt dafür fast beliebig viele Beispiele. Dazu kann man moralisch stehen, wie man will. Aber das Krankenhaus mit dem innovativsten und durchsetzungsstärksten Controller wird vermutlich finanziell besser aussehen. Die Grenzen sind ja nicht mit dem Lineal gezogen. Wer immer nur kodiert, was der MDK gut findet, wäre in meinen Augen überbezahlt. Man muss nur wissen, wann man sich an der Grenze bewegt und sollte dies zumindest intern kommunizieren. Sie müssen als Controller die Risiken benennen können, die in ihren Abrechnungen stecken. Wie hoch ist das MDK-Risiko? Kann ich alle Beatmungsstunden durchsetzen? Wie häufig verliere ich die Sepsis? Und wie sieht die Quote bei den Aszitesdrainagen aus? Ist dieser Stapel Tripple A? Oder eher Subprime? Wenn sie als Controller hier euphorisch grob daneben liegen und jede gestellte Rechnung als sichere Einnahme buchen, könnten sie ein Problem bekommen. (Damit meine ich natürlich gar nicht Sie persönlich; daß ist eher eine generelle Feststellung)


    Meiner unmaßgeblichen eigenen Einschätzung nach ist das Verlustrisiko bei der Kodierung einer Peritonealdrainage statt einer Aszitespunktion eher hoch. Warum ich das so sehe, habe ich oben dargelegt. (Keine Smilies)


    Gruß


    W.

    Lieber Medman2,


    wir sind uns also einig, daß die Ableitung des Bauchwassers "landläufig mit Aszitespunktion und/oder Drainage benannt wird"?
    Wir sind uns weiterhin darin einig, daß, wie in der Leitlinie beschrieben, für die
    " therapeutischen Punktion des Aszites Venenverweilkanülen [11], 17G Metall-Kanülen [12], Pigtailkatheter [13] oder weitere speziell entwickelte Punktionsnadeln mit mehreren Seitenlöchern [11, 14] eingesetzt werden" können?
    Und diese Instrumente dann auch so lange verweilen, wie es eben braucht, um den Aszites abzulassen?
    Und daß Knickstabilität eine Rolle spielt, damit das Bauchwasser eben auch über eine längere Zeit ohne direkte unentwegte Beaufsichtigung ablaufen kann?
    Und wenn wir dann auch noch die praktische Erfahrung teilen, daß so eine therapeutische Aszitesdrainage häufig über mehrere Stunden läuft, dann ist doch fein.


    Die Leitlinie spricht nicht über Kodierung, sondern z. B. über therapeutische Punktion in Form von Ablassen von Bauchwasser über Drainage-Systeme.
    Der zentrale Punkt ist: Die Leitlinie beschreibt bei der therapeutischen Punktion den Einsatz von Drainage-Systemen. Der Einsatz von Drainage-Systemen ist hier also normal und typisch!
    Und diese "therapeutische perkutane Punktion der Bauchhöhle" eben auch unter Einsatz solcher Drainage-Systeme wird mit dem Kode 8-153 verschlüsselt.
    Sie können das aber gerne kodieren, wie sie wollen. Niemand hat (wirklich) etwas gegen Upcoding. Das ist zwar maximal unmoralisch =O . Aber nicht verboten :D . Sie sollten nur in Ihrem Jahresabschluss wegen der daraus resultierenden Risiken ein paar Rückstellungen bilden....
    Wenn Sie es schaffen, mit einem Teil des hier über Upcoding eingenommenen Geldes einen Rechtsverteter so zu bezahlen, daß er Ihre Posititon vor Gericht durchsetzt, dann haben Sie alles richtig gemacht. Bruce hätte das sicher auch so gemacht... :thumbsup:



    Gruß


    W.

    Hallo Medman2


    die Begrifflichkeiten gehen hier, auch wegen der unterschiedlichen Bezahlung, gern durcheinander.
    Die S3-Leitlinie (Z. Gastroenterol 2011;49 749-779) schreibt zur Technik der Punktion/Drainage/Parazentese:


    Unter einer Aszitespunktion oder Parazentese versteht man die Gewinnung von Flüssigkeit aus dem Peritonealraum mit diagnostischer oder therapeutischer Intention. Nach den allgemein geltenden Richtlinien für Krankenhaushygiene und Infektprävention gilt eine Aszitespunktion als invasive Maßnahme und soll daher unter sterilen Bedingungen erfolgen [10]. Die Komplikationsrate einer Aszitespunktion ist als gering einzuschätzen (s. u.), dennoch ist jeder Patient vor Punktion über mögliche Komplikationen aufzuklären. Zur diagnostischen Punktion
    können dünnkalibrige Kanülen gewählt werden. Bei der therapeutischen Punktion des Aszites können Venenverweilkanülen [11], 17G Metall-Kanülen [12], Pigtailkatheter [13] oder weitere
    speziell entwickelte Punktionsnadeln mit mehreren Seitenlöchern [11, 14] eingesetzt werden. In Deutschland werden für die Parazentese meist Venenverweilkanülen eingesetzt. Nachteile sind eine geringe Knickstabilität, nur eine Öffnung am Distalende, was zu häufigeren Repositionen führen kann, sowie schwierige Befestigungsmöglichkeiten an der Bauchdecke [11]. Vorteile sind jedoch die generelle Verfügbarkeit und die geringen Kosten. Vor Durchführung der Parazentese erfolgt eine Aufklärung des Patienten über den Eingriff. Eine vorherige Sonografie zur Festlegung des Punktionsorts soll durchgeführt werden. Bei geringer Punktatmenge kann die Punktion auch unter direkter sonografischer Steuerung durchgeführt werden [15, 16].


    Wenn Sie also bei einer Patientin mit Aszites auf diese oder eine ähnliche Weise die Flüssigkeit ablassen (was durchaus auch mal mehrere Stunden dauern kann), dann führen sie das durch, was landläufig mit Aszitespunktion und/oder -Drainage benannt wird. Und zu verschlüsseln ist das mit dem Kode 8-153.


    Wenn mehrere Liter ablaufen, dann ist der Eingriff nicht sofort, also innerhalb weniger Minuten beendet. Dann liegen Röhrchen oder Schlauch gern über mehrere Stunden. Und das ist der Normalfall. Eine ganz durchschnittliche Aszitespunktion zieht sich häufig über 3, 4 oder 6 Stunden.


    Wenn Sie ein solches Vorgehen anders kodieren oder versuchen, durch die Wahl eines besonderen Instrumentariums eine höherwertige Kodierung zu erreichen, dann sollten Sie Ihre Geschäftsführung über ein gewisses Verlustrisiko durch die Aufdeckung von Upcoding informieren.



    Gruß


    W.

    Hallo AnMa,


    es gibt eine S3-Leitlinie "Aszites, spontan bakterielle Peritonitis, hepatorenales Syndrom" der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen, in der unter Punkt 1.3 Technik, Komplikationen und Kontraindikationen der Aszitespunktion beschrieben werden.
    Auch der Artikel Deutsche Med. Wochenschrift Dtsch med Wochenschr 2007; 132(21): 1177-1179 Die Aszitespunktion: So wird`s gemacht" beschreibt, was wie gemacht wird.
    Im DÄ (Dtsch Arztebl Int 2013; 110(8): 126-32 ) wird der Vorgang als "wiederholte großvolumige Aszitespunktion" beschrieben.
    Wenn Sie mal mehrere Liter ablassen, kann das durchaus ein paar Stunden dauern.
    Es ist also nicht so, daß die Punktion hier nur einen kurzen Stich, vergleichbar einer Lymphknotenpunktion, meint.
    Auf der anderen Seite gibt es - selten - die Situation, daß Verweilsysteme eingesetzt werden, die tagelang liegen bleiben und mit denen die Patienten teils auch ambulant geführt werden. Da würde ich dann schon mal nachdenklich werden....
    Über welches System Sie den Aszites über eine absehbare Zeit drainieren dürfte für die Kodierung nicht von Belang sein. Sonst wird man Ihnen mit dem Verweis auf unwirtschaftliches Vorgehen kommen....
    Gruß


    W.

    Hallo Findus,


    Niemand hat nicht nur den Zyklopen geblendet, sondern ist in den letzten Jahren auch verschiedentlich beim Upcoding gesehen worden. Wenn der Nachweis eines zufällig entdecken Keimes ohne jedes Zeichen einer Erkrankung und ohne jede Behandlung den Erlös steigern kann, dann wird Ihr Niemand auch an dieser Stelle aktiv werden. Und da ist das Problem.


    Wenn Sie nur dann einen Abstrich machen, wenn Sie einen zuvor gefassten (und dokumentierten) Verdacht verifizieren wollen, und bei bestätigtem Verdacht auch noch behandeln, wenn Sie also eine Erkrankungssituation haben, dann ist die Kodierung des Kodes obligat, dann folgt Ihnen hier jeder. Da gibt es dann keinen Spielraum.


    Wenn Sie aber keinen klinischen Verdacht haben und auch nicht behandelt haben, dann fehlt ihnen der Primärkode. An dieser Stelle machen Sie Klimmzüge am Z-Kode. Das ist kritisch.


    Hier gibt es offensichtlich gar nicht selten viel Geld für wenig Aufwand bei null Erkrankung.


    Und das führt zu Diskussionen.


    Das Vorschlagsverfahren für die Version 2017 läuft ja. Wenn das InEK hier gebeten wird, die Kosten für Z22.3 in Verbindung mit einem Ausrufezeichen-Keim mal nachzurechnen, könnte sich der Eifer schnell legen...


    Gruß


    W.

    Hallo Herr Selter,


    es freut mich, daß wir hier weitgehend überein stimmen.
    Sie schreiben: "Es gibt entzündete Wunden, bei denen mehrere Bakterien nachgewiesen werden. Welche davon gerade für die Entzündung verantwortlich zu machen sind, dürfte nicht immer klar zu differenzieren sein."
    Da bin ich voll bei Ihnen. Und wenn Sie dann das dort gefundene Keimspektrum im Einzelnen mit in die Kodierung nehmen, folge ich Ihnen sofort.
    Aber indem Sie die Krankheitssituation auf die infizierte Wunde einengen, lassen Sie eben die Bartkowski-Situation außen vor. Und auch da bin ich wieder völlig einig mit Ihnen.


    Die Mitteilung des DIMDI muss nämlich im Zusammenhang mit der Interpretation des Kodes gelesen werden. Bei Ihrer Wundinfektion besteht zumindest der Verdacht, der Keim könnte hier den Infekt unterhalten. Bei dem Keim aus dem Bartkowski-Beispiel bestand dieser Verdacht nicht.


    Gruß


    W

    Hallo Herr Selter,


    Sie sind da ein bißchen Doc-matisch.
    Es gibt zu diesem Thema ernst zu nehmende Gegenreden.
    Der Code Z22.3 heißt: Keimträger von Infektionskrankheiten, Verdachtsfälle inclusive.
    Der Keim, den Herr Bartkowski in seinem Abstrich gefunden hat, ist nicht obligat pathogen. Und bei dem Patienten bestand auch kein Verdacht auf eine Infektionserkrankung an dieser Stelle.
    Herr Bartkowski hat hier durch eine für uns als Zuschauer zunächst einmal unbegründete Untersuchung einen Keim nachgewiesen, der an anderer Stelle machmal pathogen sein kann. Für diesen Patienten hatte dieser Keim aber Null Bedeutung. Es bestand auch Null Verdacht.
    Und hier trifft sich die DKR mit dem Text des Codes:
    Abnorme Laborbefunde werden nicht kodiert, es sei denn, sie haben eine klinische Bedeutung im Sinne einer therapeutischen Konsequenz oder einer weiterführenden Diagnostik.


    Der Patient von Herrn Bartkowski trug einen fakultativ pathogenen Keim, der zufällig und ohne Verdacht auf Infektion nachgewiesen wurde. Er war damit nicht Keimträger einer Infektionserkrankung. Eine klinische Bedeutung hatte das alles nicht.


    Ist der Keim also obligat zu kodieren?


    Ich habe da ernste Zweifel.


    Gruß


    W.

    Hallo Herr Selter,


    die abnormen Befunde werden doch nicht kodiert, es sei denn, sie haben eine klinische Bedeutung....
    Der von Herrn Bartkowski vorgetragene Staphylokokkus ist ein nicht ganz seltener Zufallsbefund ohne solche Bedeutung.
    Die Aussage von DIMDI gehört natürlich in klinische Bezüge. Sonst kommt noch jemand und spamt seine Kodierungen voll mit Staph. epidermidis...(oder was sich sonst noch so auf jedem ungewaschenen Finger findet) :thumbup:


    Gruß


    W.

    Hallo Herr Blaschke,


    mir kam es nicht auf die Feinheiten (also Spondylodese oder Osteosynthese) an, sondern auf die Bestimmung der Zahl der Segmente.
    Wenn ein WK nicht besetzt, sondern nur überbrückt wird, ist dieser WK dann trotzdem in die Segment-Zählung mit einzubeziehen?
    Hat sich zu diesem Problem schon mal eine Fachgesellschaft positioniert?


    Gruß


    W.

    Liebe Kollegen,


    wenn ein Wirbelkörper weggebrochen ist (z. B. LWK 2) und eine den defekten Wirbelkörper überspannende Spondylodese durchgeführt wird (z. B. von Th 12 auf L1 und L3), ohne daß dieser WK mit Schrauben besetzt wird, wie wird dann gezählt?
    3 besetzte WK macht 2 Segmente?
    Oder 2 überbrückte WK macht 3 Segmente?


    Gruß


    W.

    Auch Guten Morgen,


    es gibt jetzt seit Ende September vom MDK Nord ein Grundsatzgutachten


    "Beurteilung der Indikation für den Einsatz
    eines implantierbaren Ereignisrecorders"


    mit folgendem Fazit:


    "Ein patientenrelevanter Nutzen konnte jedoch in den bisher durchgefuhrten Studien nicht
    nachgewiesen werden, so dass sich eine medizinische Indikation fur ein Monitoring mittels
    implantiertem Eventrecorder oder externem LOOP Recorder nicht ergibt."


    Damit ist zu erwarten, daß solche Kostenübernahmen seltener werden.....



    Gruß


    W.