Beiträge von MDK.Opfer

    ... wobei letzteres (gerade im Vergleich mit den anderen Bundesgerichten) sicherlich teilweise an der speziellen Kundenstruktur der Sozialgerichte in Sachen SGB II und XII liegen könnte - ich nehme doch an, dass Beschwerden renommierter Medizinrechtskanzleien mit institutionellen Mandanten etwas bessere Aussichten haben?

    Das gilt generell und steht ja auch so in den Kriterien des OPS: "eine psychiatrische, psychosomatische oder psychologisch-psychotherapeutische Disziplin". Das "psychotherapeutische" wurde erst einige Jahre nach Einführung des OPS hinzugefügt, da offenbar etliche Kliniken der Ansicht waren, es sei multimodale Schmerztherapie, wenn man einen Psychologen frisch von der Uni kauft und mit Fragebögen beschäftigt...


    Kleines Problem beim Leitfaden: Keiner von den Autoren hat daran gedacht, in dem von Ihnen zitierten Satz (der ja sowieso an reichlich unpassender Stelle steht), ein klärendes "alleinige" einzufügen. Gemeint ist damit nicht (und zwar weder vom Berufsverband der Schmerztherapeuten noch von der SEG4), dass Therapie-Einheiten nicht durch Psychologen in der Therapie-Ausbildung erbracht werden dürften, sondern lediglich , dass ein approbierter Psychotherapeut in die Behandlung eingebunden sein muss (z.B. im Rahmen der Teambesprechungen und supervidierend).

    Leider gibt es trotzdem Fälle, in denen der jeweilige Gutachter das anders gesehen hat und ein Einzelgespräch von einem Dipl.-Psych. ohne abgeschlossene Weiterbildung nicht anerkannt hat - das gibt aber weder der OPS noch der Kodierleitfaden her.


    In "der Schmerz" 01/2018 findet sich übrigens ein ausführlicher Artikel der ad-hoc-Kommission multimodale Schmerztherapie der deutschen Schmerzgesellschaft, in dem das an 2 Stellen auch noch mal aus fachlicher Sicht klargestellt wird: "Aus Sicht der AHK ist [...} die Einbindung mindestens eines approbierten psychologischen oder ärztlichen Psychotherapeuten in das herapeutische Team unverzichtbar" und weiter unten: " Analog kann auch ein Psychotherapeut in Ausbildung (PIA)mit in den therapeutischen Prozess eingebunden sein, sofern er unter regelmäßiger und engmaschiger Supervision eines approbierten Psychotherapeuten steht." Ist natürlich kein normativer Text, sondern nur eine fachliche Stellungnahme, aber immerhin von der hierfür kompetentesten Organisation.


    Schwülwarme Grüße

    MDK-Opfer

    PMR ist natürlich eine psychologische Therapie, aber ganz sicher keine kognitive Verhaltenstherapie - letztere ist eine klar definierte Therapieform, bei der es um kognitive Umstrukturierung geht. Einen ersten Eindruck darüber vermittelt z.B. der entsprechende Wikipedia-Artikel. Hat mit PMR ungefähr soviel zu tun wie ein EKG mit einer Magenspiegelung (ist ja auch beides internistisch...).


    Was im OPS mit "Schmerztherapie" gemeint ist, darüber kann man sicher prima mit dem MDK bzw. dem Richter diskutieren - umfasst ja so ziemlich alles von Paracetamol bis zur Tiefenhirnstimulation. Natürlich wird PMR in der Schmerztherapie routinemäßig angewendet, von daher würde ich auch sagen, dass die entsprechenden Therapieeinheiten zu zählen sind. Ein Argument wäre vielleicht auch, dass bei der multimodalen Schmerztherapie (8-918) Entspannungsverfahren explizit als Therapieverfahren aufgeführt sind - für das DIMDI gehört Entspannnung also offenbar zur Schmerztherapie. Aber ob das juristisch überzeugt??


    Sonnige Grüße

    MDK-Opfer

    Ich bleibe dabei, DKR-konform müßte das nach 1916k kodiert werden.


    Nope. Ihr Vorschlag mit einem Code aus T36-50 trifft es nicht, weil

    - ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz keine Vergiftung ist

    - ein spezifischerer Code zur Verfügung steht (G44.4), der Medikamentenkopfschmerz (medication overuse headache, MOH) ist ein klar definiertes Krankheitsbild (siehe mein Link oben)

    - Triptane bei T36-50 gar nicht vorkommen (Triptane sind *keine* Analgetika), damit bleibt nur die nochmal unspezifischere T50.9

    - die international classification of headache diseases (also das Dokument, nach dem man sich auf der ganzen Welt in der Kopfschmerz-Klassifikation richtet) als ICD-Code für den Medikamentenkopfschmerz die G44.4 nennt.


    Regnerische (endlich!) Grüße

    MDK-Opfer

    Ein Medikamentenkopfschmerz muss kein Dauerschmerz sein, gemäß der internationalen Kopfschmerz-Klassifikation genügen 15 Tage monatlich bei gleichzeitigem Übergebrauch und Erfüllung der sonstigen Kriterien, genaueres hier:

    http://www.ihs-klassifikation.…2/08.02.02_substance.html


    Wenn die Patientin allerdings tatsächlich keinen hatte, müsste man erst mal die Frage stellen, warum sie dann einen stationären Entzug gebraucht hat?


    Wenn die Migräne tatsächlich die HD war, sollte natürlich auch Migränetherapie gelaufen sein, die den stationären Aufenthalt rechtfertigt. Dann sollte man aber schauen, ob es nicht vielleicht eine chronische Migräne war (ab 15 Tage monatlich), dann ist es nämlich die G43.3, die eine stationäre Aufnahme sicherlich eher plausibel macht als eine G43.0 oder .1

    http://www.ihs-klassifikation.…l1/01.05.01_migraine.html


    Wesentliches Unterscheidungskriterium zwischen G43.3 und G44.4 ist die Zahl der Medikamententage.


    Schwülwarme Grüße

    MDK-Opfer

    Den Ausführungen von Herrn Berbuir kann ich aus Schmerztherapeuten-Sicht wenig hinzufügen - nur noch den Hinweis, dass der von ihm verlinkte Begutachtungsleitfaden in der Tat sehr nützlich (und überwiegend vernünftig) ist; wurde ja auch in Zusammenarbeit mit dem Berufsverband der Schmerztherapeuten erarbeitet. Bleibt nur das Problem, dass der Gutachter nicht verpflichtet ist, sich an diese Vorgaben zu halten...


    Für die praktische Arbeit: Eine Dokumentation des standardisierten therapeutischen Assessments muss es ja ohnehin geben. Es ist nützlich, in dieser Doku eine Rubrik "Warum nicht ambulant/tagesklinisch möglich?" einzuführen. Erstens müssen dann die aufnehmenden Kollegen ihre Entscheidung unter diesem Aspekt hinterfragen, zweitens hat der MDK-Gutachter die Indikation noch mal deutlich vor Augen.


    sonnige Grüße

    MDK-Opfer

    Nun, wenn Ihnen drei verschiedene lexikalische Definitionen nicht genügen, kann ich auch nicht mehr helfen.

    Mit der durchschnittlichen Therapiedauer gibt es da auch überhaupt keine Probleme, denn erstens hat jedes wöchentliche Arztgespräch eine *Mindest*dauer von 30 Minuten und zweitens werden für die Durchschnittszeit ja alle TE herangezogen - 20 Minuten Physio und 40 Mionuten Arztgespräch sind auch im Durchschnitt 30. Und da die meisten Gruppeneinheiten länger als 30 Minuten sind, ist das ohnehin nie ein Problem.

    Roche Lexikon, Stichwort "Therapia / Therapie": Maßnahmen zur Heilung einer Krankheit, s.a. Behandlung.

    Roche Lexikon "Behandlung": Das auf Heilen oder Besserung [...] gerichtete Handeln des Arztes oder einer Heilhilfsperson (schönes Wort!)


    Pschyrembel, "Therapie": Behandlung von Krankheiten, Behinderungen und Verletzungen mit dem Ziel der Heilung, der Beseitigung oder Linderung von Symptomen und der Wiederherstellung der körperlichen und psychischen Funktionen. [...] Die Therapie umfasst die Gesamtheit aller medizinischen Maßnahmen, z. B. allgemeine Therapie, Pharmakotherapie, chirurgische Therapie, Physiotherapie, Psychotherapie, die Symptome lindern und heilen.


    Wikipedia: alle Maßnahmen, die darauf abzielen, Behinderungen, Krankheiten und Verletzungen positiv zu beeinflussen


    Nach all diesen Definitionen sind Arztgespräch und Edukation selbstverständlich Therapie. Was wäre denn ein "normales ärztliches Gespräch"? Mit Patienten zu reden ist nun mal der entscheidende Punkt in der MMST, selbstverständlich ist das Therapie! Es sei denn natürlich, ich rede mit den Patienten übers Wetter, aber das mache ich nur, wenn mir nichts anderes mehr einfällt.

    Gemeint waren damit sicherlich physikalische oder psychologische Therapien.

    Nope, physikalische Therapien sind gerade *nicht* gemeint, denn die sind nicht aktiv. Sieht der MDK auch so (S.12 der aktuellen Begutachtungshilfe). Ansonsten ist ja auch egal, was "gemeint war", entscheidend ist, was da steht - "streng dem Wortlaut nach" und so weiter. Es sei denn, man ist der erste Senat, dann gilt natürlich, was man glaubt, dass irgendwer mal gemeint haben könnte, sofern es der eigenen Grundeinstellung entspricht ;-) Vor meinem inneren Auge taucht gerade das Bild eines vor dem Sozialgericht als Gutachter auftretenden Linguisten auf...

    Da muss ich widersprechen: Natürlich ist Edukation eine Therapie bei chronischem Schmerz - sogar leitlinienkonform und wissenschaftlich abgesichert. Warum sollte es keine Therapie sein, mit Patienten zu reden? Wenn ich im Dialog mit Patienten z.B. die Risiken von Analgetika diskutiere mit dem Ziel, dass die Patienten ihr Medikamentenverhalten hinterfragen, ist das selbstverständlich Therapie.


    Im übrigen: Wie wollen Sie ein "Seminar mit edukativen Anteilen" denn von einer Gruppentherapie abgrenzen? Verhaltenstherapie in der Gruppe, psychoedukative Gruppentherapie, Gruppenedukation - das geht alles fließend ineinander über.

    Herr Rembs hat Recht: Natürlich ist z.B. eine Gruppenpsychotherapie ein aktives Verfahren - aus gutem Grund steht nirgendwo was von "körperlicher Aktivität" (schließlich steht die Psychotherapie in der Auflistung der aktiven Verfahren im OPS-Text an erster Stelle).


    Wir hatten das Problem hier noch nie, werden aber unsere Dokumentationsvorlage diesbezüglich auch noch etwas rechtssicherer gestalten.


    Der entscheidende Unterschied dürfte sein, ob der Patient nur berieselt wird und am Schluss Fragen stellen kann, oder ob er aktiv einbezogen wird:, in dem die Patienten Aspekte des Themas zusammentragen ("welche Schmerzmittel kennen Sie denn?", "welche Nebenwirkungen haben Sie denn bemerkt?") oder eine Diskussion initiiert wird ("was erwarten Sie denn, wenn Sie mit Rücken zum Arzt gehen?", "könnte es auch Nachteile haben, bei Schmerzen viele Bilder zu machen?"). Der Vorteil ist nicht nur, dass man MDK-Sicherheit schafft, sondern vor allem, dass sich der Patient aktiv mit den Inhalten auseinandersetzt und mehr hängenbleibt. Der Nachteil ist, dass man das Ganze auch wollen muss. Ist aber gar nicht so schwierig - es sitzen ja eh maximal 8 Patienten da (wenn es mehr als 8 sind, haben sie ein ganz anderes Problem...).


    Viele Grüße


    MDK-Opfer

    In meiner jetzigen Klinik finden die Prüfungen im Haus statt - allerdings ohne jede Falldiskussion. Gutachten rein nach Aktenlage und der MDK kann trotzdem behaupten, "inhouse" zu prüfen. Spart immerhin die Kopierkosten...

    Entsprechend haben wir auch wenig Beißhemmung, was Klagen angeht. Alles, was einigermaßen aussichtsreich aussieht, geht zum Anwalt - auch wenn's für den behandelnden Arzt (sprich: mich) jeweils 2-3 Stunden Arbeit bedeutet. In einem erheblichen Teil der Fälle führt allerdings die Ankündigung der Klage zur umgehenden Zahlung, wenn die Argumentation schlüssig ist.