Beiträge von MDK.Opfer

    Hallo Zakspeed,


    seien Sie versichert: Wohl kaum eine andere Behandlung erfüllt die vorstationären Kriterien so gut wie das Assessment zur multimodalen Schmerztherapie (dient der Indikationsstellung und im positiven Fall Vorbereitung der multimodalen Schmerztherapie, Mittel des Krankenhauses erforderlich, verkürzt oder vermeidet stationären Aufenthalt). Dass es Kliniken gibt, die verkappte Ambulanzen formal als "vorstationär" betreiben, darf nicht dazu führen, dass korrekt arbeitende Häuser mit diesen in einen Topf geworfen werden oder dass Patienten ihnen zustehende Leistungen nicht erhalten.


    Darum geht es aber auch gar nicht, die Kasse argumentiert ja nicht inhaltlich. Man behauptet schlicht und einfach: Wenn keine Aufnahme innerhalb von 5 Tagen erfolgt, war's nicht vorstationär, also keine Fahrtkosten- was in völligem Widerspruch zu §115a (1) SGB V steht. Auch vergütungstechnisch ist es ja so, dass gerade dann, wenn keine Aufnahme erfolgt, die Behandlung als vorstationär abgerechnet wird. Falls die Patientin also tatsächlich gekommen und nicht aufgenommen worden wäre, hätte die KK uns die vorstationäre Behandlung bezahlt, aber der Patientin gegenüber behauptet, es sei gar nicht vorstationär gewesen. Viel deutlicher kann der Rechtsbruch ja nicht sein.


    Im Übrigen schreiben Sie selbst ja auch, dass das Konstrukt vorstationär u.a. für "Akut-Einweisung ohne folgende vollstationäre Aufnahme" gedacht ist. Exakt für diesen Fall (vorstationär ohne nachfolgende stationäre Therapie) verweigert die KK die Übernahme der Fahrtkosten.


    Bis jetzt war's ein Einzelfall. Sollte das wieder vorkommen, werde ich sicherlich die zuständige Aufsichtsbehörde (in diesem Fall im Landes-Gesundheitsministerium) einschalten.

    Ehrlich gesagt, habe ich gegen eine Schwerpunktsetzung in der Notfallversorgung gar nix einzuwenden - ich war schon immer der Ansicht, dass eine Viertelstunde *Primär*-Transportverlängerung sich locker rechnet, wenn man dann am Zielort auf ein eingespieltes Team trifft statt auf einen Assistenten im 2. Ausbildungsjahr, der erst mal Facharzt und MTRA ins Haus holen muss.

    Aber mit dieser Regelung (Geriater auch am Wochenende) wird es so viele Probleme geben, dass wahrscheinlich auch etliche mittelgroße Häuser weiterverlegen müssen, mit entsprechend langen Transporten. Und den Schaden haben dann eben nicht nur die Versorger, sondern die Patienten. Und zwar meiner Befürchtung nach nicht nur beim Komfort, sondern bei den Überlebenschancen: Der klassische Schenkelhals-Kunde (85, multimorbide) hat sicherlich schlechtere Karten, wenn man erst mal ne Verlegung organisiert, ihn dann eine Stunde auf der Landstraße stresst und dabei mit Analgetika abfüllt , statt ihm schlicht und einfach möglichst zügig sein Ersatzteil einzubauen. Aber aufgrund der Übergangsregelung hat der GBA ja noch ein bisschen Zeit, nachzubessern...

    Ich fürchte nur, dass auch in 6 Jahren Geriater noch nicht auf Bäumen wachsen werden. Und die "tägliche Verfügbarkeit" geht ja sogar über die Kriterien des Geri-Komplex-OPS hinaus.

    Mir graut etwas bei dem Gedanken an die Folgen: Landauf, landab müssten außerhalb der Ballungszentren Patienten zur Unzeit von A nach B verschippert werden, weil A die formalen Kriterien nicht erfüllt. B dürfte unter diesem Aspekt auch häufig ziemlich weit weg sein.

    Wer solche Patienten schon mal versorgt hat, weiß, wie schmerzhaft da meist Umlagerung und Transport sind. Da braucht es häufig nicht unerhebliche Mengen an Opioiden, die dann wiederum die Anwesenheit eines Akademikers beim Transport erforderlich machen, was dessen Verfügbarkeit auch nicht gerade verbessert. Also weitere Verzögerungen und AZ-Verschlechterung des Patienten durch einen mehr oder minder schmerzhaften Transport und mehr oder minder große Mengen zentral dämpfender Substanzen.

    Sollte die Richtlinie die Versorgung nicht eigentlich verbessern??

    Nun ja - mal aus dem Bauch raus: Vorstationäre Behandlung dienst lt. §115a SGB V u.a. dazu, die vollstationäre Behandlung vorzubereiten - also genau das, was Sie tun. Bei der ASV geht es um ambulante Erbringung von Diagnostik und Therapie (auch wenn ich zugeben muss, dass sich mir als Kliniker die elaborierte Poesie des §116b nicht vollständig erschließt).

    Wie haben Sie das denn vor Einführung der ASV gehandhabt? Ich bin mir ziemlich sicher, dass 116b nicht dazu gedacht war, zusätzliche Abrechnungsmöglichkeiten für eigentlich in der DRG inkludierte Leistungen zu schaffen...


    Schönes Wochenende

    Hallo allerseits,


    mir ist gerade eine neue kreative Kostenvermeidungstaktik einer großen KK untergekommen, zu der mich Ihre Meinungen/Erfahrungen interessieren würde:


    Krankenfahrten zu vorstationärer Behandlung sind verordnungsfähig, "wenn dadurch eine aus medizinischen Gründen an sich gebotene vollstationäre oder teilstationäre Krankenhausbehandlung im Sinne des § 39 Absatz 1 SGB V verkürzt oder vermieden werden kann " - Krankentransport-Richtlinie §7(2)b)

    Mit den meisten Kassen gibt es da auch keine Probleme (es geht um vorstationäres Assessment zur multimodalen Schmerztherapie).


    Nun hat ein Patient von seiner Kasse die Auskunft bekommen (wurde mir auch von der KK so bestätigt), sie würden die Kosten nur übernehmen, wenn innerhalb von 5 Tagen nach dem vorstationären Termin tatsächlich eine stationäre Aufnahme erfolgt. Die KK begründet das mit der Definition von "vorstationär" in §115a(2) SGB V ("

    längstens drei Behandlungstage innerhalb von fünf Tagen vor Beginn der stationären Behandlung"). Das stünde auch in einer internen Arbeitsanweisung und es gäbe da keinen Spielraum.

    Mein Einwand, dass ja 3 Zeilen drüber lt. §115a (1) 1. die vorstationäre Behandlung dazu dient, "die Erforderlichkeit einer vollstationären Krankenhausbehandlung zu klären" und es deswegen logischerweise auch sein kann, dass nach vorstationär auch mal gar keine Aufnahme erfolgt, interessierte sie nicht weiter.


    Da der Patient (schwerbehindert mit "G", aber leider ohne "aG") Angst hat, auf den Kosten sitzen zu bleiben, hat er den Termin abgesagt. Damit spart die KK also nicht nur die Fahrtkosten, sondern auch gleich die wahrscheinlich indizierte stationäre Therapie. Ich bin einigermaßen upset über den Winkelzug mit den 5 Tagen (auf die Weise bleibt das Kostenrisiko ja immer erst mal beim Patienten), zumal die 5Tages-Grenze die KKen ja sonst auch nicht interessiert (zumindest, wenn's um die Vergütung geht).

    Wie sind Ihre Erfahrungen mit Krankentransporten / Krankenfahrten zur vorstationären Behandlung?


    Schönes Wochenende

    Sehe ich genauso: Die Einnahme eines ärztlich verordneten Medikaments ist keine Krankheit. Abhängigkeit wäre es nur bei entsprechender Symptomatik.

    Ich bin zwar kein Psychiater, aber: F18 ist die Abhängigkeit von flüchtigen Lösungsmitteln, und das ist GHB nicht (gemeint sind z.B. Klebstoff- und "Poppers"-Schnüffler, also Amylnitrit und so Zeugs)).

    GHB ist ein zugelassenes Arzneimittel (Handelsname: Somsanit), das (wenn auch nicht sehr häufig) in der Intensivmedizin zur Sedierung eingesetzt wird. GBL ist die (medizinisch nicht verwendete) Prodrug davon. Also klarer Fall von F13, würde ich als einfacher Anästhesist meinen.

    "In anderen als den vertraglich oder gesetzlich bestimmten Fällen ist eine Fallzusammenführung insbesondere aus Gründen des Wirtschaftlichkeitsgebots nicht zulässig"


    Das wievielte mal ist das jetzt eigentlich, dass gesetzliche Regelungen geändert werden, um einen amoklaufenden BSG-Senat einzuhegen? Inzwischen sollte doch mehr als klar sein, dass die Interpretationen des 1. Senats eben nicht den Willen des Gesetzgebers treffen...

    So weit kommt's ja nicht mal - wer außerhalb der Krankenhausfinanzierungs-Szene kennt denn Kaysers Consilium?

    Die Kassenseite ballert ganz Deutschland medial zu mit Kampagnen, deren Wahrheitsgehalt auf Trump-Niveau liegt - aber hat irgendjemand von Ihnen in den letzten Tagen in irgendeinem Publikumsmedium (Rundfunk, Print, online) was von der DKG gehört? Außer wirkungslosen Pressemitteilungen produziert man da PR-mäßig anscheinend gar nichts - ich wundere mich schon seit Jahren, dass die Mitgliedsgesellschaften sich das gefallen lassen...

    Leider sind die ersten Absätze der DKG-Pressemitteilung so formuliert, dass sie in 80% der Redaktionen im Papierkorb landen dürfte, bevor der Redakteur zum interessanten Teil vorgedrungen ist. Kassen und GKV-Spitzenverband drücken wie immer mit schlagkräftigen PR-Abteilungen ihre Desinformationskampagnen in sämtliche Medien - und die DKG leistet sich sich Pressearbeit auf Kreiskrankenhaus-Niveau...

    ... wobei letzteres (gerade im Vergleich mit den anderen Bundesgerichten) sicherlich teilweise an der speziellen Kundenstruktur der Sozialgerichte in Sachen SGB II und XII liegen könnte - ich nehme doch an, dass Beschwerden renommierter Medizinrechtskanzleien mit institutionellen Mandanten etwas bessere Aussichten haben?