Beiträge von MDK.Opfer

    Da Decu ja auch ganz allgemein nach Erfahrungen mit MDK-Willkür gefragt hatte, darf ich vielleicht auch meine nicht-Chemotherapie-Erfahrungen beisteuern, nämlich die von meinem letzten Arbeitsplatz:


    Einrichtung für multimodale Schmerztherapie incl. intensiver psychologischer Betreuung. Dementsprechend also Patienten mit erheblichen psychosozialen Faktoren in der Chronifizierung, unterschiedlichen psychischen und körperlichen Begleiterkrankungen u.s.w.

    In MDK-Begehungen mit Falldiskussion hatte ich gute Erfolgsquoten (>90%). Dann Umstellung auf schriftliches Verfahren. Ergebnis: Nach 3 Monaten musste ich nur noch den Namen des Gutachters (im wesentlichen waren es 4 verschiedene) lesen, um das Ergebnis zu kennen:

    Nr. 1 hat fast alles durchgewunken.

    Nr. 2 hat *jeden* Patienten , der mehr als 50m laufen konnte, zur primären Fehlbelegung erklärt (dafür aber jeden mit Rollstuhl akzeptiert).

    Nr. 3 hat in *jedem* Fall die Hauptdiagnose geändert, aber nie irgend etwas anderes beanstandet und

    Nr. 4 hat in *jedem* Fall die Aufenthaltsdauer gekürzt (und ebenfalls nie irgendwas anderes beanstandet).


    Im damals noch praktizierten Widerspruchsverfahren haben wir gut die Hälfte der Fälle doch noch durchbekommen, die SG-Verfahren waren bis zu meinem Weggang aus der Klinik noch nicht entschieden.


    Ebenfalls viele Grüße aus Mittelfranken

    MDK-Opfer

    Nicht ganz: Wenn ich mich nicht sehr irre, wird vor Gericht ein Zugang am dritten Werktag nach der Absendung angenommen (fingiert), sofern nicht der Zugang zu einem anderen Zeitpunkt nachweisbar ist. Herr Berbuir möge mich korrigieren, wenn ich falsch liege...

    Hallo M.Kraus,


    ich bin zwar kein Palliativmediziner, aber in der Schmerztherapie haben wir das gleiche durchexerziert:


    In Ihrem Code ist eben *nicht* der Psychotherapeut gefordert, dann müsste das dastehen. Ein Psychologe ohne Therapeutenapprobation genügt nach dem Wortlaut des OPS, und nur der ist verbindlich. Sie können also auch einen Frischling von der Uni weg engagieren - ob das sinnvoll ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt.
    Ganz grundsätzlich bin ich kein Freund davon, quasi in vorauseilendem Gehorsam die Codes enger auszulegen als sie formuliert sind. Wenn Sie aus qualitativen Gründen der Ansicht sind, dass sie einen approbierten Therapeuten oder einen Psycho-Onkologen wollen, nur zu - aber wenn ihr Traumkandidat den entsprechenden Zettel noch nicht in der Tasche hat, hat das den MDK / die Kassen nicht zu stören.


    Wenn Sie Argumentationshilfe brauchen: Fast nebenan, nämlich in der 8-918 (multimodale Schmerztherapie), war ursprünglich eine "psychiatrische, psychosomatische oder psychologische" Fachdisziplin gefordert. Das "psychologische" wurde vor ein paar Jahren in "psychologisch-psychotherapeutische" geändert, weil man die Qualitätsstandards erhöhen wollte. Seither (und nicht schon vorher) ist die Approbation gefordert. Gleiches muss somit auch für Ihren Code gelten.


    Kleine Randbemerkung: In der Schmerztherapie geht der Schuss mit der Qualitätsverbesserung wohl eher nach hinten los: In den kleineren bis mittleren Einrichtungen können jetzt nämlich nur sehr schwer Psychologen ausgebildet werden. Da ja auch im Vertretungsfall jemand mit Approbation da sein muss, sind de facto 2 approbierte Therapeuten nötig. Da aber nur größere Einrichtungen sich einen dritten Psychologen leisten können (der dann noch in der Weiterbildung sein könnte) , gibt es erheblich weniger Möglichkeiten, Psychologen-Nachwuchs an die Schmerztherapie heranzuführen. Berufspolitisch würde ich also empfehlen, sich diesbezüglichen Änderungsversuchen zu widersetzen. Damit verbessert man nicht die Qualität in den großen Zentren (die sind eh gut ausgestattet), die qualitativ schlechten "Trittbrettfahrer" finden immer einen kreativen Weg mit minimalem Aufwand und die dringend nötige Ausbildung in der Fläche bleibt auf der Strecke.


    Hach ist das schön, wenn man sich gleich morgens auskotzen kann :D


    Sonnige Grüße


    MDK-Opfer

    Oh, ich hatte ja ganz vergessen, auf Zakspeed einzugehen..

    Wenn eine unimodale ambulante Schmerztherapie scheitert kann eine multimodale stationäre Schmerztherapie durchaus der nächste Schritt sein. Nur sollte der ambulante Bereich dann auch tatsächlich ausgereizt sein (es ist schwierig eine stat. Therapie bei chron. Rückenschmerzen zu begründen wenn der Patient z.B. in den letzten Jahren keine einzige Physiotherapie erhalten hat).

    Ich fürchte, genau diese Logik ist eines der Probleme in der Versorgungslandschaft: Eine sinnvolle multimodale Therapie ist nämlich unter ambulanten Bedingungen schlichtweg nicht möglich. Das bedeutet, die Patienten mit hohem Chronifizierungsrisiko (die eine solche Therapie brauchen) verlieren wertvolle Zeit: Erst therapiert der Hausarzt mit maximal 6xKG, dann wartet der Patient auf den Orthopäden, dann aufs Kernspin, dann wieder auf den Orthopäden, dann auf den Neurologen - ich brauche wohl niemandem zu erklären, wie lange das dauert und wie sich die Chance auf "return to work" nach 6 Monaten AU verändert. Dazu kommt, dass die in der Regel rein somatisch orientierte Therapie in dieser Zeit den Patienten weiter chronifiziert und die Erfolgschancen der MMST erheblich mindern kann (vermitteln Sie einem Patienten nach dem 5. Kernspin, der 10. Infiltration und der 2. OP mal ein biopsychosoziales Schmerzmodell...). Diese Patienten brauchen schnellen Zugang zu den hochintensiven Therapieformen, wofür man sie natürlich erst mal identifizieren muss. Leider ist es eher die Ausnahme als die Regel, dass wir diese Menschen rechtzeitig sehen. In solchen Fällen (wenn ich also wirklich den Eindruck habe, dass es darum geht, einen Lebensweg zu verändern) gehe ich das MDK-Risiko dann auch mal ein.


    Im übrigen ist die fehlgeschlagene unimodale Schmerztherapie nur *eines* der "3-aus-5-Kriterien" für die stationäre MMST. Und es gibt auch genügend Gründe, warum ein Schmerzpatient lange keine Physiotherapie erhält (z.B. weil es zu Verschlechterung geführt hat, der Patient Angst davor hat oder er nicht hartnäckig genug danach gefragt hat).


    Ich sage es ja selber bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dass in der stationären Schmerztherapie nicht alles Gold ist, was glänzt - aber das Vorgehen nach Sektorendenken schüttet das Kind mit dem Bad aus.

    eine stationäre Anbehandlung(und was läuft dann ambulant danach?) oder eine wirkliche komplexe!!! Therapie zur nachhaltigen Besserung der Beschwerden unter definierten Bedingungen (und damit eben auch zeitlich! Dieser Faktor muss doch wissenschaftlich schon mal fundiert erarbeitet worden sein)

    Ja, ist er: Multimodale Therapie kann nachhaltige Besserungen incl. "return to work" erzielen - allerdings nur dann, wenn sie intensiv genug ist (die Schallmauer liegt so bei 100 Therapieeinheiten). Etliche Einrichtungen publizieren auch ihre Langzeitergebnisse, v.a. die Tageskliniken - da gibt es noch Datenschätze zu heben und da wird sich auch noch einiges tun. Die "kurz-und-billig"-Fraktion publiziert allerdings nichts...
    Ihre erste Klammer ("und was läuft ambulant danach?") ist in der Tat auch ein wichtiger Punkt - die ambulante Routineversorgung chronifiziert Patoienten häufig weiter anstatt ihnen zu helfen. Da ist aber die ärztliche Selbstverwaltung mindestens genauso schuld daran wie die große Politik...

    Unfassbar. Es sind eben nicht die Krankenhäuser die bei den Fällen die VWD drücken wollen, sondern die Krankenkassen! Der Laie wird hier für doof verkauft....

    Ich sag's nur ungern, aber es sind bei der multimodalen Schmerztherapie tatsächlich oft die Krankenhäuser. Leider führen die unterschiedlichen Intensitäten der MMST (letzte Ziffer im OPS-Code) mangels Kalkulationsdaten immer noch alle in die selbe DRG. Dies führt dazu, dass an etlichen Häusern "multimodale Therapien" von geringer Intensität und Dauer angeboten werden, die therapeutisch häufig wenig sinnvoll sind und deren Hauptzweck ganz offenbar die Erlösgenerierung ist. Den seriös arbeitenden Einrichtungen sind diese Trittbrettfahrer, die mit dem halben Aufwand den identischen Erlös erzielen, schon lange ein Dorn im Auge. Deswegen ist der 2016 eingeführte DRG-Split für B47 und U42 schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Was in der nun verlängerten Behandlungsdauer tatsächlich passiert, steht allerdings auf einem anderen Blatt.


    Irgendwann musste das natürlich auch den Kostenträgern auffallen, die für ihr Geld auch Qualität sehen wollen - ein Ansinnen, das übrigens von schmerztherapeutischen Fachgesellschaften durchaus unterstützt wird. Die oben zitierte Kassenvertreterin gehört zumindest nicht zu den "bösen", so weit ich das beurteilen kann.


    Was die Ursprungsfrage angeht: Primäre Fehlbelegung wird von den Kassen regelmäßig angefragt, vom MDK aber ebenso regelmäßig verneint - was sicherlich auch daran liegt, dass wir die Patienten in einem mehrstufigen Verfahren "vorsortieren" (Schmerzfragebogen, Telefonat mit dem Patienten, vorstationäres Assessment durch Arzt, Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten). Häufigster Streitpunkt ist bei uns die Verweildauer, aktuell bei einem Gutachter auch die HD (wobei mir letzteres die wenigsten Sorgen bereitet). Der von Herrn Rembs verlinkte Begutachtungsleitfaden hilft übrigens tatsächlich häufig weiter - wir haben Inhouse-Prüfungen (wenn auch leider ohne fachliche Diskussion), unser MedCo legt das Ding immer neben den Aktenstapel - scheint tatsächlich benutzt zu werden ;-)


    In meinem letzten Haus war man übrigens durchaus klagefreudig. Leider herrscht zumindest auf erstinstanzlicher Ebene offenbar Mangel an qualifizierten Gutachtern aus diesem Bereich. Wenn das SG dann mit einer schmerztherapeutischen Fragestellung einen Kardiologen beauftragt, fragt man sich ja schon, was das soll...


    Sonnige Grüße


    MDK-Opfer



    Mit diesem Urteil wird der Montagmorgen doch gleich viel angenehmer - dass es keine gesunden Menschen gibt und dass 1+1 = 2 war mir schon bekannt - aber dass MDK-Prüfer in der Regel keine Hubschrauberpiloten sind, musste wirklich mal durch ein Gericht festgestellt werden! :D


    viele Grüße


    MDK-Opfer

    Handelt es sich denn nur um ein Termin*planungs*modul oder wird dort auch dokumentiert, dass die Therapie tatsächlich durchgeführt wurde? Wenn letzteres: Veränderungssicher?
    Die bloße Tatsache, dass Therapeut X um y Uhr Patienten Z behandeln soll, wird dem MDK sicher nicht als Nachweis ausreichen, dass er dies auch getan hat.


    leicht bewölkte Grüße


    MDK-Opfer

    Danke Herr Berbuir, sie bestätigen ja (leider) genau meine Meinung - in Kurzform: MDK verklagen is' nich.
    Die Gedanken Ihres Kollegen dürften in der Tat rein theoretischer Natur sein: Das Szenario, dass die KK den MDK via Sozialgericht dazu zwingt, gründlicher zu begutachten, würde wohl selbst ein Fantasy-Autor als zu unrealistisch verwerfen... :D


    Frühlingshafte Grüße


    MDK-Opfer

    Guten Morgen allerseits,
    mal eine ganz dumme Frage von einem einfachen Kliniker: Auf welcher Grundlage könnte man denn überhaupt den MDK verklagen? Der berät ja nur die KK, die letztlich die leistungsrechtliche Entscheidung trifft. Der Schaden für das KH entsteht also durch die KK, nicht durch den MDK.
    leicht bewölkte Grüße
    MDK-Opfer