Beiträge von MDK.Opfer

    eine stationäre Anbehandlung(und was läuft dann ambulant danach?) oder eine wirkliche komplexe!!! Therapie zur nachhaltigen Besserung der Beschwerden unter definierten Bedingungen (und damit eben auch zeitlich! Dieser Faktor muss doch wissenschaftlich schon mal fundiert erarbeitet worden sein)

    Ja, ist er: Multimodale Therapie kann nachhaltige Besserungen incl. "return to work" erzielen - allerdings nur dann, wenn sie intensiv genug ist (die Schallmauer liegt so bei 100 Therapieeinheiten). Etliche Einrichtungen publizieren auch ihre Langzeitergebnisse, v.a. die Tageskliniken - da gibt es noch Datenschätze zu heben und da wird sich auch noch einiges tun. Die "kurz-und-billig"-Fraktion publiziert allerdings nichts...
    Ihre erste Klammer ("und was läuft ambulant danach?") ist in der Tat auch ein wichtiger Punkt - die ambulante Routineversorgung chronifiziert Patoienten häufig weiter anstatt ihnen zu helfen. Da ist aber die ärztliche Selbstverwaltung mindestens genauso schuld daran wie die große Politik...

    Unfassbar. Es sind eben nicht die Krankenhäuser die bei den Fällen die VWD drücken wollen, sondern die Krankenkassen! Der Laie wird hier für doof verkauft....

    Ich sag's nur ungern, aber es sind bei der multimodalen Schmerztherapie tatsächlich oft die Krankenhäuser. Leider führen die unterschiedlichen Intensitäten der MMST (letzte Ziffer im OPS-Code) mangels Kalkulationsdaten immer noch alle in die selbe DRG. Dies führt dazu, dass an etlichen Häusern "multimodale Therapien" von geringer Intensität und Dauer angeboten werden, die therapeutisch häufig wenig sinnvoll sind und deren Hauptzweck ganz offenbar die Erlösgenerierung ist. Den seriös arbeitenden Einrichtungen sind diese Trittbrettfahrer, die mit dem halben Aufwand den identischen Erlös erzielen, schon lange ein Dorn im Auge. Deswegen ist der 2016 eingeführte DRG-Split für B47 und U42 schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Was in der nun verlängerten Behandlungsdauer tatsächlich passiert, steht allerdings auf einem anderen Blatt.


    Irgendwann musste das natürlich auch den Kostenträgern auffallen, die für ihr Geld auch Qualität sehen wollen - ein Ansinnen, das übrigens von schmerztherapeutischen Fachgesellschaften durchaus unterstützt wird. Die oben zitierte Kassenvertreterin gehört zumindest nicht zu den "bösen", so weit ich das beurteilen kann.


    Was die Ursprungsfrage angeht: Primäre Fehlbelegung wird von den Kassen regelmäßig angefragt, vom MDK aber ebenso regelmäßig verneint - was sicherlich auch daran liegt, dass wir die Patienten in einem mehrstufigen Verfahren "vorsortieren" (Schmerzfragebogen, Telefonat mit dem Patienten, vorstationäres Assessment durch Arzt, Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten). Häufigster Streitpunkt ist bei uns die Verweildauer, aktuell bei einem Gutachter auch die HD (wobei mir letzteres die wenigsten Sorgen bereitet). Der von Herrn Rembs verlinkte Begutachtungsleitfaden hilft übrigens tatsächlich häufig weiter - wir haben Inhouse-Prüfungen (wenn auch leider ohne fachliche Diskussion), unser MedCo legt das Ding immer neben den Aktenstapel - scheint tatsächlich benutzt zu werden ;-)


    In meinem letzten Haus war man übrigens durchaus klagefreudig. Leider herrscht zumindest auf erstinstanzlicher Ebene offenbar Mangel an qualifizierten Gutachtern aus diesem Bereich. Wenn das SG dann mit einer schmerztherapeutischen Fragestellung einen Kardiologen beauftragt, fragt man sich ja schon, was das soll...


    Sonnige Grüße


    MDK-Opfer



    Mit diesem Urteil wird der Montagmorgen doch gleich viel angenehmer - dass es keine gesunden Menschen gibt und dass 1+1 = 2 war mir schon bekannt - aber dass MDK-Prüfer in der Regel keine Hubschrauberpiloten sind, musste wirklich mal durch ein Gericht festgestellt werden! :D


    viele Grüße


    MDK-Opfer

    Handelt es sich denn nur um ein Termin*planungs*modul oder wird dort auch dokumentiert, dass die Therapie tatsächlich durchgeführt wurde? Wenn letzteres: Veränderungssicher?
    Die bloße Tatsache, dass Therapeut X um y Uhr Patienten Z behandeln soll, wird dem MDK sicher nicht als Nachweis ausreichen, dass er dies auch getan hat.


    leicht bewölkte Grüße


    MDK-Opfer

    Danke Herr Berbuir, sie bestätigen ja (leider) genau meine Meinung - in Kurzform: MDK verklagen is' nich.
    Die Gedanken Ihres Kollegen dürften in der Tat rein theoretischer Natur sein: Das Szenario, dass die KK den MDK via Sozialgericht dazu zwingt, gründlicher zu begutachten, würde wohl selbst ein Fantasy-Autor als zu unrealistisch verwerfen... :D


    Frühlingshafte Grüße


    MDK-Opfer

    Auch dann bestünde noch das Problem, dass der Schaden nicht durch den Gutachter verursacht worden ist, sondern durch den Sachbearbeiter der KK, oder übersehe ich da was? Ganz abgesehen von der Frage, ob der Gutachter ein Amtsträger ist, wovon ich natürlich keine Ahnung habe.


    immernochbewölkte Grüße
    MDK-Opfer

    Guten Morgen allerseits,
    mal eine ganz dumme Frage von einem einfachen Kliniker: Auf welcher Grundlage könnte man denn überhaupt den MDK verklagen? Der berät ja nur die KK, die letztlich die leistungsrechtliche Entscheidung trifft. Der Schaden für das KH entsteht also durch die KK, nicht durch den MDK.
    leicht bewölkte Grüße
    MDK-Opfer

    Ooops, habe die Diskussion gerade erst gesehen. Die korrekten Codes wurden ja schon genannt, trotzdem noch 2 Anmerkungen:

    Ansonsten würde ich (Sie sprachen von operativen Fächern) schon weitergehende Diagnostik bzw. ein neurologisches oder psychiatrisches Konsil und/oder Umstellung der Medikation für die Kodierung z.B. der F32.2 fordern

    In der "und/oder"-Formulierung kann ich dem zustimmen. Strikt verwahren sollte man sich allerdings gegen die immer wieder mal auftauchende Forderung, psychiatrische Diagnosen nur bei Einschaltung eines Psychiaters zu kodieren - dafür gibt es in den DKR (und auch sachlich) keine Grundlage. Sonst dürfte der Psychiater ja auch keinen Bluthochdruck diagnostizieren und der Arzt in Weiterbildung überhaupt nichts...


    Punkt 2:

    Angabe "Depression" im Arztbrief und der kombinierten Gabe von Mirtazepin und Venlaflaxin?

    Die Praxis, einfach eine zum Medikament passende Erkrankung zu kodieren, ist bei Antidepressiva generell unmöglich, da sie regelmäßig auch bei Patienten ohne jede Depression eingesetzt werden, teils on-, teils off-Label: Schlafstörungen, Schmerz, Angst, Ejaculatio praecox u.s.w. Die reine Medikamentenangabe ohne weitere Informationen erlaubt also erst mal *gar keine* Diagnose und erfordert immer Rückfrage beim Arzt, wenn aus den Akten die Diagnose nicht hervorgeht. In der Chirurgie wird das leider regelmäßig zur Antwort "keine Ahnung, hat er mitgebracht" führen. Aber nichts zu kodieren ist immer noch besser, als dem Patienten eine psychische Erkrankung anzudichten, die er möglicherweise gar nicht hat. Ich weiß, die Konstellation trifft hier im konkreten Fall nicht zu, aber ich musste mich da gelegentlich schon mit Medizincontrollern streiten...


    Als Unfallchirurg und Notarzt wissen Sie doch, wie eine Polytraumaverletzung abläuft: Anästhesist und -Pflegekraft stehen mit Narkosegerät und Notfallmedikamenten bereit, Chirurg und Pflegekraft ebenso, Labor ist verständigt, CT wird freigemacht (wenn es nicht ohnehin integriert ist), OP steht bereit, MTRA ist im Schockraum. Während oben der Anästhesist sticht und schüttet, schallt unten der Chirurg den Bauch, evtl. röntgt die MTRA gleichzeitig noch Becken und Bein - wenn das nicht die besonderen Mittel des Krankenhauses sind, dann gibt es keine Krankenhäuser!