10.09.2021 | Pressemitteilung

Psychische Gesundheit gehört ganz oben auf die politische Agenda

Über ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland ist im Laufe eines Jahres von einer psychischen Erkrankung betroffen – das entspricht rund 17,8 Millionen Wählern. Angststörungen, Depressionen, Abhängigkeitserkrankungen und Demenz zählen längst zu den häufigsten Volkskrankheiten und verursachen jedes Jahr viele Tausend Suizide in Deutschland. Anlässlich des Welttags für Suizidprävention betont die DGPPN, dass psychische Gesundheit nicht von der politischen Agenda weichen darf und hat ihrerseits eine neue S3-Leitlinie „Umgang mit Suizidalität” auf den Weg gebracht, welche aktuell vom Innovationsfonds beim G-BA zur Förderung ausgewählt wurde.

Zwischen 50 und 90 % aller Suizide lassen sich auf eine psychische Erkrankung zurückführen. Und auch abgesehen vom Suizidrisiko verkürzen schwere psychischen Erkrankungen das Leben um bis zu 10 Jahre. Die DGPPN fordert daher die Politik auf, in der Legislaturperiode 2021–2025 der psychischen Gesundheit höchste Priorität beizumessen und sich gezielt mit psychischen Erkrankungen unter Einbezug von Betroffenen, Angehörigen und professionell Tätigen (trialogisch) auseinanderzusetzen. Das massive Leid der Betroffenen und Angehörigen sowie die direkten und indirekten Kosten in Höhe von 5 % des Bruttoinlandsprodukts sind nur zwei Aspekte, die den dringenden Handlungsbedarf verdeutlichen. Die politischen Anstrengungen sollten die systematische und evidenzbasierte Weiterentwicklung von Versorgung, Forschung und Teilhabe zum Ziel haben.

„Insbesondere angesichts der enormen Herausforderungen durch die Pandemie muss psychische Gesundheit ganz oben auf die politische Agenda“, mahnt DGPPN-Präsident Prof. Dr. med. Thomas Pollmächer. „Um die Problemfelder aber effektiv anzugehen, braucht es dringend eine bessere Entscheidungsgrundlage“, erklärt er. „Derzeit blicken wir auf ein großes Datenpuzzle, in dem einige Teile gänzlich fehlen. Dieses Manko ist in den letzten anderthalb Jahren während der Pandemie nochmals besonders deutlich zutage getreten“. Neben einem umfassenden, evidenzbasierten Berichtswesen, das sowohl administrative als auch epidemiologische Daten enthält, ist aus Sicht der Fachgesellschaft die Schaffung einer trialogisch besetzten Expertenkommission ein wichtiger Baustein einer Gesundheitspolitik, die die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit psychischen Erkrankungen angemessen berücksichtigt.

„Psychische Erkrankungen führen häufig zu sozialem Abstieg, Armut und Diskriminierung und noch viel zu oft zu einem Suizid. Trotzdem sind Prävention, Versorgung und Rehabilitation in Deutschland noch längst nicht so aufgestellt, wie es für die Betroffenen notwendig wäre. Die nächste Regierung muss sich dieser Zukunftsaufgabe annehmen“, resümiert der DGPPN-Präsident.

Um die Versorgung suizidaler Patienten zu verbessern, hat die DGPPN jetzt auch die Erstellung einer S3-Leitlinie „Umgang mit Suizidalität” auf den Weg gebracht. Erfreulich ist, dass der Innovationsausschuss des G-BA diese wichtige medizinische Leitlinie zur Förderung ausgewählt hat. Bei Suizidalität handelt es sich um ein diagnoseübergreifendes Syndrom mit speziellen Risikofaktoren und Verlauf. Die Leitlinie richtet sich an alle Fachkräfte der ambulanten und stationären Versorgung, die mit suizidalen Menschen in Kontakt treten. Geplant ist zudem eine laienverständliche Leitlinie für Patienten in suizidalen Krisen, die darüber hinaus auch Angehörige und Hinterbliebene adressiert.

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