Digital Health: Baden-Württemberg will mit Cloud-Plattform europaweit führen

Über die Cloudplattfom MEDI:CUS sollen Patientendaten bereitstehen, wo sie benötigt werden. Dabei handele es sich laut BW nicht um eine Parallelentwicklung.

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Arzt mit Stethoskop in der Hand

(Bild: PopTika/Shutterstock.com)

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Baden-Württemberg will mit seinem Projekt "MEDI:CUS" – als Teil seiner Digitalisierungsstrategie von 2022 – europaweit zur "digitalen Leitregion im Gesundheitswesen" werden. Das Projekt zielt darauf ab, Ärzten Gesundheitsdaten zeitnah für eine personalisierte Medizin zur Verfügung zu stellen. Geplant ist laut dem Baden-Württembergischen Innenministerium, "spezielle Fachdienste und Prozesse der Versorgungs- und Forschungslandschaft in Baden-Württemberg zu skalieren".

"MEDI:CUS hat ein großes Potenzial auf unserem Weg zur personalisierten Medizin und wir können teure und lästige Doppeluntersuchungen vermeiden", so der dortige Digitalisierungsminister Thomas Strobl. Ebenso bestünde laut Pressemitteilung des Innenministeriums "die Möglichkeit, Laborergebnisse, Bildmaterial oder medizinische Befundberichte auszutauschen".

Baden-Württemberg will mit dem Projekt auch "die Weichen für die Umsetzung des Gesundheitsdatennutzungsgesetzes" und den Europäischen Gesundheitsdatenraum stellen, auf die das Bundesgesundheitsministerium bereits hinarbeitet. Erst kürzlich hatte der Bundesrat das Gesundheitsdatennutzungsgesetz und das Gesetz zur Beschleunigung der Digitalisierung im Gesundheitswesen beschlossen.

Baden-Württemberg will mit Multi-Cloud-Strategie Vorreiter bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens werden

(Bild: Innenministerium Baden-Württemberg)

Das Vorhaben erinnert an die Telematikinfrastruktur, mit der bereits Gesundheitsdaten getauscht werden, samt deren Anwendungen wie die elektronische Patientenakte und der elektronische Arztbrief. "MEDI:CUS hat einen gesonderten Leistungsumfang gegenüber der Telematikinfrastruktur und stellt keine Parallelentwicklung dar", sagt jedoch eine Sprecherin des Baden-Württembergischen Innenministeriums.

Das Projekt ist Teil einer dritten Förderrunde des "Forums Gesundheitsstandort Baden-Württemberg". In den ersten beiden Runden seien mehr als 60 Projekte "mit rund 100 Millionen Euro zu Zukunftsthemen im Gesundheitsbereich gefördert und auf den Weg gebracht. MEDI:CUS ist Teil der dritten Tranche, in der Projekte für insgesamt 24,2 Millionen Euro gefördert wurden, vorwiegend im und für den Bereich der medizinischen Infrastruktur". Zunächst stünde laut Sprecherin der "Aufbau einer belastbaren Projektstruktur sowie die fachliche und technische Ausdetaillierung der Basisinfrastruktur und initialer Fachdienste an." Ebenso müssen noch Projektpartner gesucht werden.

"Existierende Initiativen und Projekte auf EU/Bundes- und Landesebene" wie die bereits bestehende, sich aber noch im Aufbau befindende Telematikinfrastruktur der Gematik habe man "untersucht und deren Anbindung und Integration mitgedacht", heißt es von der Sprecherin. Laut Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut soll mit dem Anschluss der Plattform an die forschende, pharmazeutische und medizintechnische Industrie die "heimische Gesundheitsindustrie" gefördert werden.

"Wenn wir [...] zunächst die Datenspeicherung und im zweiten Schritt die Verarbeitung der Gesundheitsdaten der Bürgerinnen und Bürger Baden-Württembergs in eine sichere Cloud verlagern, dann verbessern wir die Zusammenarbeit aller Akteure: Die Patienten können damit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegerinnen und Pflegern jederzeit Zugriff auf ihre Daten geben", sagt Prof. Frederik Wenz, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Freiburg.

Der Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammer (BWIHK) zufolge ist "die Plattform als Ergebnis einer gelungenen Zusammenarbeit von Landesregierung, Ministerien, Verwaltung, Versorgern und Unternehmen sehr zu begrüßen", allerdings sei das Vorhaben bisher noch unpräzise, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht (PDF). Laut BWIHK-Präsident Thomas Conrady sei "leider zu vage, in welchen konkreten Umsetzungsschritten wie schnell die Betriebe angeschlossen und integriert werden sollen". Ein "zügiger Anschluss medizintechnischer und pharmazeutischer Unternehmen an diese Gesundheitsdatenplattform" sei essenziell, um bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens "einen wirklichen Fortschritt" zu erreichen.

(mack)