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Marburger Bund: Höhere Nachtzuschläge und 8,9 Prozent mehr Gehalt für Uni-Ärzte

Uniklinik-Ärzte: Forderung nach höheren Nachtzuschlägen und 8,9 Prozent mehr Gehalt (Marburger Bund).



Marburger Bund fordert mehr Wertschätzung für Ärztinnen und Ärzte in Unikliniken – Tarifverhandlungen mit den Ländern starten am 11. Juli in Hannover
01.Juli 2022
In den anstehenden Verhandlungen mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder
(TdL) fordert der Marburger Bund für die Ärztinnen und Ärzte in
Universitätskliniken linear 8,9 Prozent mehr Gehalt und eine bessere Bezahlung
von Nacht- und Wochenendarbeit.

„Die Ärztinnen und Ärzte an den Universitätskliniken haben eine
Dreifachbelastung zu schultern: Sie behandeln schwerkranke Patienten mit den
Mitteln hochspezialisierter Medizin, sie betreiben Forschung in ihren
jeweiligen Fachgebieten und sie bilden im Rahmen der universitären Lehre
angehende Kolleginnen und Kollegen aus. Gleichzeitig sind sie unter den
derzeitigen Rahmenbedingungen mit einer stetigen Verdichtung der ärztlichen
Arbeit und zusätzlichen Belastungen durch die Pandemie konfrontiert. Im
Vergleich zu anderen Beschäftigten sind sie regelmäßig bei sogenannten
Corona-Prämien und staatlichen Bonuszahlungen leer ausgegangen. Wir setzen
deshalb in dieser Tarifrunde ein klares Signal: Die hochqualifizierte Arbeit
der Ärztinnen und Ärzte an den Uniklinika muss die Wertschätzung erfahren, die
sie verdient hat“, betonte Dr. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger
Bundes.

Die angestrebte lineare Erhöhung der Gehälter sei nicht nur wegen der hohen
Inflation folgerichtig. „Wir wollen, dass die Gehälter dem hohen Engagement
folgen, das Ärztinnen und Ärzte an den Uniklinika jeden Tag, rund um die Uhr,
im Schicht- oder Bereitschaftsdienst, unter Beweis stellen. Hochspezialisierte
Medizin braucht attraktive Arbeitsbedingungen. Wettbewerbsfähige Gehälter sind
ein Teil davon“, sagte Johna.

Die Aufwertung der Arbeit zu ungünstigen Zeiten wird ein weiterer Schwerpunkt
des Marburger Bundes in den Verhandlungen sein. Neben dem Entgelt für die
tatsächliche Arbeitsleistung erhalten Ärztinnen und Ärzte auch Zeitzuschläge je
Stunde. Der Marburger Bund fordert, den Nachtzuschlag generell auf 25 Prozent
und für die „tiefe Nacht“ zwischen 0 und 4 Uhr auf 40 Prozent anzuheben. Der
Sonntagszuschlag soll auf 50 Prozent steigen und der Samstagszuschlag für den
gesamten Tag 20 Prozent betragen.

„Wer in den Unikliniken nachts Dienst hat, der arbeitet in der Regel
durchgängig. In vielen Fällen heißt das Schichtdienst. Die Bezahlung für die
Nachtarbeit bleibt jedoch hinter dem zurück, was in anderen Branchen,
beispielsweise in der Industrie, längst üblich ist. Das darf so nicht bleiben.
Wer nachts stundenlang höchst konzentriert operiert, kann dafür auch eine
deutlich höhere Vergütung als am Tag erwarten. Wir wollen hier ganz bewusst
umsteuern, um zu verhindern, dass immer mehr regelhafte Arbeit in der Nacht
stattfindet, weil das am Ende günstiger ist, als neues Personal einzustellen“,
sagte Dr. Andreas Botzlar, 2. Vorsitzender des Marburger Bundes.

Außerdem will der Marburger Bund die zunehmend mit regelhafter Arbeitsleistung
belegten Randzeiten des Tages aufwerten. Vollarbeit soll deshalb am Abend (vor
Beginn des Nachtzeitraums) sowie am frühen Morgen ebenfalls mit Zuschlägen in
unterschiedlicher Höhe (10 bis 20 Prozent) belegt werden. Einen Ausgleich der
Belastungen für Ärztinnen und Ärzte will der Verband nicht zuletzt auch dadurch
erreichen, dass zukünftig eine einfache und einheitliche Regelung zum
Zusatzurlaub eingeführt wird. Unabhängig von der Dienstform soll es zukünftig
fortlaufend bei einer Ableistung von jeweils 144 Nachtarbeitsstunden einen Tag
Zusatzurlaub geben.

Mit der Schaffung einer zusätzlichen Entgeltstufe sollen zudem langjährige
Oberärztinnen und Oberärzte Entwicklungsperspektiven erhalten, um
Wettbewerbsnachteile abzubauen und einer möglichen Abwanderung besonders
erfahrener Ärztinnen und Ärzte aus den Universitätskliniken zu begegnen.

Die Verhandlungen zwischen dem Marburger Bund und der TdL beginnen am 11. Juli
in Hannover. Der in Rede stehende Tarifvertrag (TV-Ärzte) erstreckt sich auf
mehr als 20.000 Ärztinnen und Ärzte in bundesweit 23 Universitätsklinika. Auf
eine Reihe von Unikliniken findet der TV-Ärzte keine Anwendung, weil dort
andere Tarifverträge für die Ärztinnen und Ärzte gelten. Hierzu gehören Berlin,
Hamburg und Hessen. Haustarifverträge gelten für die Unikliniken in Dresden und
Mainz; sie werden von den entsprechenden Landesverbänden des Marburger Bundes
verhandelt.

Weitere Informationen zur Tarifrunde mit der TdL finden Sie unter:
www.tdl-tarifrunde.de.

Quelle: Marburger Bund, 01.07.2022

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