Der Kreis Esslingen stellt seine Krankenhauslandschaft neu auf





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Der Kreis Esslingen stellt seine Krankenhauslandschaft neu auf

Der Landkreis Esslingen stimmt einstimmig für den Kliniken-Umbau in Nürtingen und Kirchheim (Beschluss, PDF, 763 kB).



Der Kreistag Esslingen berät am 23. Juli 2026 über einen Grundsatzbeschluss zur Leistungskonzentration der medius Kliniken Kirchheim/Nürtingen an einem der beiden Standorte.



Landkreis Esslingen: Grundsatzbeschluss zur Zukunft der medius Kliniken Kirchheim/Nürtingen

Nürtingen, 27.07.2026, 09:00 Uhr

Der Beschlussantrag sieht die Bündelung aller stationären somatischen Fachabteilungen an der medius Klinik Nürtingen vor.

Zudem soll der Kreistag die konzeptionelle bauliche Erweiterung der Klinik Nürtingen in zwei Bauabschnitten mit einer Gesamtinvestition von rund 170 bis 180 Millionen Euro freigeben, davon zunächst 31 Millionen Euro für den ersten Bauabschnitt.

Die medius Klinik Kirchheim soll sich künftig zu einer sektorenübergreifenden Klinik und einem psychiatrischen Schwerpunktversorger entwickeln.

Hintergrund ist das zum 12.12.2024 in Kraft getretene Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) mit seinen fünf Reformeckpunkten: Leistungsgruppen mit Mindestmengen, Vorhaltevergütung, Transformationsfonds, sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen und Förderung besonderer Aufgaben.

Besonders relevant für die medius Kliniken ist die sogenannte 2-Kilometer-Regelung, wonach Standorte, die weiter als zwei Kilometer auseinanderliegen, künftig separat nach Leistungsgruppen, Qualitätskriterien und Mindestvoraussetzungen bewertet werden.

Da Kirchheim und Nürtingen diese Grenze überschreiten, drohte bei unveränderter Struktur der Wegfall wesentlicher Leistungen an beiden Standorten, insbesondere der Notfallstufe 2 in Nürtingen.

Aktuell verfügt die Klinik Nürtingen über ein breites chirurgisches und internistisches Angebot, aber weder Kardiologie noch Neurologie.

Die Klinik Kirchheim vereint dagegen eine große Akutpsychiatrie sowie Kardiologie, Neurologie und Rheumatologie.

Künftig sollen Kardiologie, Neurologie und Rheumatologie/Nephrologie nach Nürtingen verlagert werden, wodurch dort ein somatischer Schwerpunktversorger mit rund 550 bis 570 Betten und 13 Fachabteilungen entsteht.

Damit sollen auch die Voraussetzungen für die höhere Notfallstufe 3 erreicht werden.

Für die Erweiterung sind rund 170 zusätzliche Betten inklusive einer weiteren Intensivstation sowie neue Funktionsbereiche wie Herzkatheterlabore vorgesehen.

Baubeginn für den ersten Bauabschnitt ist für Herbst 2027 geplant, Abschluss der Gesamtmaßnahme für Sommer 2031.

Die Klinik Kirchheim soll parallel eine Akutpsychiatrie mit zusätzlichen 29 Planbetten sowie eine neue Adoleszenten-Station in Kooperation mit dem Klinikum Esslingen erhalten.

Zudem ist dort eine sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung mit ambulanter Notfallversorgung, Zentrum für ambulantes Operieren, Kurzzeit- und Übergangspflege sowie einem Telemedizinzentrum geplant.

Ein von der Oberender AG erstelltes Gutachten bestätigt die konzeptionellen Überlegungen als richtigen strategischen Schritt.

Der erwarteten jährlichen Ergebnisbelastung von rund 3,15 Millionen Euro aus Abschreibung und Zinsen steht ein geschätztes wirtschaftliches Einsparpotenzial von rund 3,25 Millionen Euro gegenüber, vor allem durch entfallende Personal-, Wartungs- und Transportkosten.

Der Aufsichtsrat der medius Kliniken hat am 25.06.2026 bereits einstimmig eine Beschlussempfehlung an den Kreistag abgegeben.

Die 2-Kilometer-Regelung erweist sich hier als zentraler, in der öffentlichen Debatte oft unterschätzter Mechanismus der Krankenhausreform: Sie zwingt Kliniken mit räumlich getrennten, aber organisatorisch bislang als Einheit geführten Standorten zu einer klaren Entscheidung zwischen Konzentration und Aufsplittung, unabhängig davon, ob die bisherige Aufteilung medizinisch und wirtschaftlich funktioniert hat.

Die zweistufige Bauplanung mit der Möglichkeit eines Projektausstiegs nach jeder Phase zeigt ein vorsichtiges Risikomanagement angesichts der unsicheren Gesamtlage der Krankenhausreform, insbesondere da die Vorlage offenlässt, ob es im weiteren Verlauf zu einem möglichen Zusammenschluss mit dem Klinikum Esslingen kommen könnte, was die Flexibilität des zweiten Bauabschnitts zusätzlich begründet.

Insgesamt folgt der Landkreis damit dem Muster, frühzeitig und aktiv auf die Reformanforderungen zu reagieren, statt eine mögliche Verschlechterung der Notfallversorgung abzuwarten und erst dann reaktiv zu handeln.

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