Kliniken Neckar-Odenwald starten spät in die Reform
Kliniken Neckar-Odenwald: Nach der Klinikentscheidung beginnt die Arbeit (NOKZeit).
Die SPD-Kreistagsfraktion im Neckar-Odenwald-Kreis sieht nach der Entscheidung des Kreistags über die Zukunft der Neckar-Odenwald-Kliniken die eigentliche Arbeit nun beginnen.
Neckar-Odenwald-Kreis: SPD-Fraktion sieht nach Kreistagsbeschluss zu Kliniken die Arbeit erst beginnen
Walldürn, 19. Juli 2026
Bei der ersten Fraktionssitzung nach dem Beschluss stand im Mittelpunkt, wie die kommenden drei Jahre für eine tragfähige Neuausrichtung der medizinischen Versorgung im Landkreis genutzt werden müssen.
Fraktionsvorsitzender Jürgen Mellinger verweist auf die von der SPD durchgesetzten Bürgerdialoge, die eine große Verunsicherung in der Bevölkerung ergeben hätten.
Die Fraktion begrüßt die Zustimmung des Kreistags zum interfraktionellen Mosbacher Antrag.
Ausschlaggebend war aus SPD-Sicht, dass für den von der Verwaltung vorgeschlagenen Weg, einen Schwerpunktversorger in Buchen und einen sektorenübergreifenden Versorger in Mosbach, keine belastbaren Nachweise für eine nachhaltige finanzielle Entlastung vorlagen.
Auch Fragen zur künftigen medizinischen Versorgung, zu notwendigen Investitionen und zu langfristigen Folgen seien offen geblieben.
Die SPD-Fraktion unterstützte den interfraktionellen Antrag mit acht von neun Stimmen.
Kreisrat Dr. Valentin Hoß betont, mit der Entscheidung seien keine Reformen vertagt worden, sondern Zeit für eine belastbare Entscheidungsgrundlage gewonnen worden.
Bei einer derart weitreichenden Entscheidung dürften keine unumkehrbaren Schritte gegangen werden, solange wesentliche Fragen ungeklärt seien.
Die kommenden drei Jahre bedeuteten für die SPD-Fraktion ausdrücklich kein Weiter-so.
Gemeinsam mit Kreisräten anderer Fraktionen soll eine umfangreiche interfraktionelle Anfrage an die Landkreisverwaltung gerichtet werden.
Im Mittelpunkt stehen konkrete Arbeitsaufträge aus dem Kreistagsbeschluss, etwa zur Verbesserung der Klinikauslastung, zur Optimierung von Betriebsabläufen und zum Ausbau der Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten.
Die SPD fordert zudem, verschiedene Zukunftsmodelle systematisch zu prüfen, darunter ein zentral gelegenes Klinikum zwischen Mosbach und Buchen sowie leistungsfähige regionale Gesundheitszentren an beiden Standorten.
Kreisrat Georg Nelius betont, die kommenden drei Jahre dürften nicht ungenutzt verstreichen.
Die SPD-Fraktion erwarte konkrete Fortschritte von Landkreisverwaltung und Klinikleitung sowie tragfähige Konzepte für eine langfristig qualitativ hochwertige und wirtschaftlich tragfähige Versorgung.
Die Argumentation der SPD-Fraktion, man habe mit dem Beschluss keine Reform vertagt, sondern lediglich Zeit für eine belastbarere Entscheidungsgrundlage gewonnen, lässt die Frage offen, was konkret in den kommenden drei Jahren anders gemacht werden soll als in den Jahren zuvor, in denen die wirtschaftliche Lage der Neckar-Odenwald-Kliniken sich vermutlich bereits verschlechtert hatte.
Die Entscheidung zur Verschiebung einer möglichen Standortkonzentration fällt in eine Phase, in der bundesweit durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz der wirtschaftliche Druck auf Krankenhäuser eher zu- als abnimmt, was die Ausgangslage für die geforderte Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in den kommenden drei Jahren zusätzlich erschweren dürfte.
Positiv hervorzuheben ist immerhin, dass die Fraktion mit der geplanten interfraktionellen Anfrage konkrete Umsetzungsschritte einfordert, statt es bei der grundsätzlichen Beschlussfassung zu belassen, was zumindest den politischen Anspruch signalisiert, den Landkreis nicht einfach in einen dreijährigen Attentismus verfallen zu lassen.
