Klinikverbund Südwest mit Defizit von 31 Millionen Euro
Jahresabschluss 2025 des Klinikverbundes Südwest: Trotz Ergebnisverbesserung bleibt eine angespannte wirtschaftliche Lage (Nussbaum).
Der Klinikverbund Südwest (KVSW) schließt das Geschäftsjahr 2025 mit einem Verlust von 31,7 Millionen Euro ab, deutlich besser als der ursprünglich geplante Fehlbetrag von 62 Millionen Euro.
Klinikverbund Südwest verringert Defizit deutlich, warnt aber vor GKV-Gesetz
Böblingen, 23.07.2026
Zu dieser Verbesserung um knapp 31 Millionen Euro trugen vor allem das Ergebnisverbesserungsprogramm (EVP) sowie positive Einmaleffekte bei.
Zum EVP zählen eine positive Leistungsentwicklung, strukturelle Anpassungen, eine konsequente Steuerung der Personal- und Sachkosten sowie die weitere Reduzierung von Fremdpersonal.
Auch geringere Investitions- und Instandhaltungsaufwendungen sowie eine günstigere Zinsentwicklung wirkten sich positiv aus.
Diese Entlastungen werden jedoch zu einem erheblichen Teil durch Tarifsteigerungen und die allgemeine Kostenentwicklung wieder aufgezehrt.
Böblingens Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender Roland Bernhard lobt die Ergebnisverbesserung, kritisiert aber zugleich scharf das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz.
Das Gesetz zwinge zu einer weiteren Verschärfung des EVP und zur Anpassung der Medizinkonzeption.
Der KVSW verfolgt seit rund drei Jahren die Medizinkonzeption 2030, die medizinische Leistungen zusammenführt und Synergien schafft.
Steige das Defizit infolge des Gesetzes wieder an, seien weitere Konzentrationen unumgänglich, so Bernhard.
Prognosen zufolge könnte sich das Defizit der Krankenhäuser in Baden-Württemberg 2027 um weitere rund 800 Millionen Euro auf insgesamt etwa 1,7 Milliarden Euro erhöhen.
Die Landkreise Böblingen und Calw unterstützen deshalb die Forderung nach einem kurzfristigen Krankenhaus-Nothilfeprogramm des Landes.
Calws Landrat und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Riegger betont, die eigenen Anstrengungen des Klinikverbunds würden weiterhin durch die politischen Rahmenbedingungen ausgebremst.
Müssten die Landkreise dauerhaft die Klinikdefizite ausgleichen, fehlten diese Mittel für Schulen, Kindertagesstätten, Kreisstraßen, den öffentlichen Nahverkehr oder soziale Angebote.
KVSW-Geschäftsführer Alexander Schmidtke betont, das Ergebnisverbesserungsprogramm greife, man sei aber noch nicht am Ziel.
Weitere Strukturen müssten überprüft, Prozesse verbessert und Kosten konsequent gesteuert werden.
Trägerlandkreise und Klinikverbund fordern Bund und Land auf, die Krankenhausfinanzierung kurzfristig zu stabilisieren und langfristig verlässlich auszugestalten.
Die Halbierung des Defizits gegenüber dem ursprünglichen Wirtschaftsplan ist ein bemerkenswertes operatives Ergebnis, das zeigt, dass ein konsequent durchgezogenes mehrjähriges Sanierungsprogramm tatsächlich messbare Wirkung entfalten kann, ähnlich wie beim Kreiskrankenhaus Wolgast beobachtet, nur in deutlich größerem finanziellen Maßstab.
Interessant ist dabei die Einordnung durch Landrat Bernhard, der die eigenen Sanierungserfolge unmittelbar mit der Warnung verknüpft, dass diese durch das GKV-BStabG zunichtegemacht werden könnten – eine rhetorische Strategie, die in den vergangenen Wochen bereits bei mehreren anderen Trägern zu beobachten war, hier aber durch die konkret bezifferte Ergebnisverbesserung besonders glaubwürdig wirkt, weil sie zeigt, dass der Verbund nicht bloß jammert, sondern nachweislich eigene Hausaufgaben gemacht hat.
