Krankenhaus Zerbst: Seit Jahresbeginn in kommunaler Hand
Nach Übernahme durch den Landkreis: Positiver Stimmungswechsel im Krankenhaus Zerbst seit Weggang von Helios (MDR).
Seit Anfang des Jahres betreibt der Landkreis Anhalt-Bitterfeld die ehemalige Helios Klinik in Zerbst, seither berichten Bürgermeister und Betriebsrat von einer positiven Entwicklung.
Katharina-Klinik Zerbst: Positive Bilanz nach kommunaler Übernahme
Zerbst, 07.07.2026 05:00 Uhr
Zerbsts Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) spricht von einem Stimmungswechsel in der Klinik.
Die Klinik habe seit dem Betreiberwechsel viel Vertrauen von Patient:innen zurückgewonnen, teilte der Landkreis mit.
Erkennbar sei das vor allem an der Zahl der belegten Betten.
Zielsetzung des Landkreises für die heutige Katharina-Klinik sind mehr als 80 behandelte Patient:innen pro Tag.
Im März waren es an einem Tag sogar 100 Patient:innen, im Juni durchschnittlich 73 pro Tag.
Auch die Personalsituation hat sich laut Dittmann entspannt.
Alle Angestellten in Pflege und Service wurden gehalten.
Für die Orthopädie gab es eine Vereinbarung mit Helios, wonach diese künftig in Burg statt in Zerbst arbeitet.
Einige Ärzte kehrten Helios dennoch den Rücken und arbeiten nun als Chirurgen am Standort Zerbst.
Nach ärztlicher Verstärkung wird laut Dittmann weiterhin gesucht.
Dittmann zieht ein positives Fazit: Mitarbeitende auf allen Ebenen, von der Ärzteschaft bis zum Reinigungsservice, sähen die kommunale Perspektive und das klare Bekenntnis zu langfristigem Engagement.
Auch der Betriebsratsvorsitzende Yves Zelmanski berichtet von einer positiven Entwicklung.
Dittmann verweist zudem auf mehr Transparenz im Haus, was für ein besseres Arbeitsklima sorge.
Die Menschen in der Region seien froh über die kommunale Übernahme, so Dittmann, da zuvor die Sorge bestand, ein wichtiger Akteur der Gesundheitsversorgung könne wegfallen.
Trotz der positiven Entwicklung müsse nun geklärt werden, wie die Klinik langfristig zukunftsfähig aufgestellt werden kann.
Dabei spiele auch die Krankenhausreform in Sachsen-Anhalt eine Rolle.
Mitte Oktober des Vorjahres war bekannt geworden, dass Helios den stationären Bereich der Klinik zum 19. Dezember aufgeben wollte.
Der Konzern plante, den ambulanten Bereich der Notaufnahme sowie das Medizinische Versorgungszentrum weiterzubetreiben.
Gegen die Schließungsankündigung gab es große Proteste.
Im Februar übernahm der Landkreis den Klinikbetrieb.
Der Fall Zerbst liefert ein Gegenbeispiel zur sonst dominierenden Erzählung vom unvermeidbaren Kliniksterben in ländlichen Regionen: Anders als bei den meisten Insolvenz- und Schließungsfällen der letzten Monate zeigt sich hier, dass eine kommunale Übernahme durchaus zu spürbar mehr Vertrauen bei Patient:innen und einer verbesserten Personalbindung führen kann, zumindest kurzfristig.
Auffällig ist zudem, dass einige Ärzte dem Konzern den Rücken kehrten, um am selben Standort unter neuer, kommunaler Trägerschaft weiterzuarbeiten, was für eine gewisse Bindung des ärztlichen Personals an den Standort selbst statt an den vorherigen Konzernbetreiber spricht.
Der eigentliche Belastungstest steht der Klinik aber vermutlich noch bevor: Der Verweis auf die anstehende Krankenhausreform in Sachsen-Anhalt zeigt, dass die aktuelle positive Stimmung nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass die langfristige wirtschaftliche Tragfähigkeit eines kleineren kommunalen Hauses unter den neuen bundesweiten Rahmenbedingungen noch keineswegs gesichert ist.
