Künftig wird es in der Klinik Schwalmstadt keine Geburtsabteilung mehr geben
Ein Schlag für die Versorgung: Asklepios schließt die Geburtshilfe in Schwalmstadt (HNA).
Die Asklepios Klinik Schwalmstadt informierte am 15. Juli über die Schließung ihrer Geburtsabteilung zum Jahresende 2026.
Asklepios Klinik Schwalmstadt schließt Geburtsabteilung zum 1. Januar 2027
Schwalmstadt, 15.07.2026, 19:58 Uhr
Grund ist eine Bedarfsanalyse des Hessischen Gesundheitsministeriums im Zuge der Krankenhausreform.
Man habe sich entschieden, die Leistungsgruppen Geburtshilfe und Gynäkologie zum 1. Januar 2027 nicht mehr zu beantragen.
Werdende Eltern müssen künftig auf die Kliniken in Fritzlar, Bad Hersfeld und Marburg ausweichen.
Bis Jahresende bleiben geplante und ungeplante Geburten in Schwalmstadt weiterhin möglich.
Das Klinikum hatte für die Geburtshilfe einen Sicherstellungszuschlag beim Land beantragt.
Voraussetzung für diesen Zuschlag ist, dass mindestens 950 Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren eine Fahrzeit von mehr als 40 Minuten zur nächsten Geburtsklinik hätten.
Die ministerielle Bedarfsanalyse zeigte, dass diese Schwelle für Schwalmstadt nicht erreicht wird.
Der GKV-Simulator des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen weist laut Asklepios nur 728 Frauen im Einzugsgebiet aus.
Hinzu kommt ein zweites Ausschlusskriterium: Die Einwohnerdichte von 19,8 Frauen im gebärfähigen Alter je Quadratkilometer liegt unter dem gesetzlichen Grenzwert von 20.
Die Asklepios Frauenklinik war 2010 von Homberg nach Ziegenhain umgezogen, damals mit 38 Mitarbeitenden, darunter sieben Ärzte, zwölf Hebammen und 19 Pflegekräfte.
2022 und 2023 wurden jeweils rund 500 Geburten im Klinikum betreut.
In den beiden Folgejahren sanken die Zahlen auf 417 (2024) und 464 (2025) Geburten.
Zur Jahreshälfte 2026 wurden 199 Geburten verzeichnet.
Dr. Dagmar Federwisch von der Klinik betont, hinter der abstrakten Zahl des GKV-Simulators stünden reale Familien und deren Fahrzeiten in einer ländlich geprägten Region.
Man sei überzeugt gewesen, einen Weg zum Erhalt der Geburtshilfe zu finden, so Federwisch, doch dieser Weg habe sich letztlich nicht gezeigt.
Der Fall zeigt exemplarisch, wie die Krankenhausreform mit ihren bundeseinheitlichen Schwellenwerten in dünn besiedelten Regionen an ihre Grenzen stößt: Die Differenz zwischen den geforderten 950 Frauen und den tatsächlich ausgewiesenen 728 ist erheblich, während die Dichteschwelle von 20 Frauen je Quadratkilometer nur knapp unterschritten wird (19,8) – ein Wert, der bei geringfügig anderer Gebietsabgrenzung durchaus auf der anderen Seite der Grenze hätte liegen können.
Das wirft die Frage auf, wie belastbar starre Schwellenwerte sind, wenn sie über den Erhalt oder die Schließung einer Versorgungsstruktur entscheiden, ohne regionale Fahrzeiten, Straßenverhältnisse im Winter oder die tatsächliche Erreichbarkeit der Ausweichkliniken einzubeziehen.
