Minus 200 Euro pro CaseMix-Punkt
GKV BStabG werde spürbare Folgen für Ergebnisse, Liquidität und Insolvenzrisiko haben (Curacon).
Curacon rechnet damit, dass das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz somatische Krankenhäuser 2027 rechnerisch mit bis zu 200 Euro je CaseMixPunkt belastet.
Curacon-Simulation: bis zu 200 Euro weniger Erlös je CMP durch GKV-BStabG 2027
Münster, 13.07.2026
Grundlage der Berechnung ist der Gesetzesentwurf vom 29.04.2026.
Die gesetzliche Krankenversicherung steht 2027 vor einer Deckungslücke von rund 15 Milliarden Euro.
Ohne Gegenmaßnahmen würden die Zusatzbeiträge deutlich weiter steigen.
Das GKV-BStabG sieht deshalb Minderausgaben von insgesamt 16,3 Milliarden Euro vor.
Davon entfallen 13,7 Milliarden Euro auf Ausgabenbegrenzungen zulasten der Leistungserbringer.
Für Krankenhäuser sind unter anderem gedeckelte Anstiege der Landesbasisfallwerte vorgesehen.
Hinzu kommen ein begrenztes Pflegebudget sowie der Wegfall pflegeentlastender Zuschläge.
Auch verstärkte MD-Prüfungen zählen zu den geplanten Maßnahmen.
Für die Krankenhäuser insgesamt ergeben sich laut Curacon 2027 rund 4,1 Milliarden Euro Mindererlöse.
Je CMP entspricht das etwa 200 Euro weniger Erlös.
Die konkreten Effekte hängen laut Curacon von Leistungsprofil, Case-Mix und der Qualität der Rechnungstellung des einzelnen Hauses ab.
Curacon empfiehlt, die gesetzlich angelegten Minderausgaben frühzeitig in eigene Planungsrechnungen einzubeziehen.
Die 200 Euro je CMP klingen zunächst abstrakt, summieren sich aber bei einem mittelgroßen Haus mit mehreren zehntausend CMP schnell zu einem Millionenbetrag, der ohne Gegensteuerung direkt das Betriebsergebnis belastet.
Auffällig an der Aufzählung der Einsparinstrumente ist, dass sie fast ausschließlich auf der Ausgabenseite ansetzt – Vergütungsdeckelung, Pflegebudget-Begrenzung, mehr Prüfungen – während auf Ertragsseite kaum Kompensationsmechanismen erkennbar sind.
Das dürfte gerade Häuser mit ohnehin knapper Liquidität und begrenzten Rücklagen in eine schwierige Lage bringen, weil sich Erlösausfälle über Landesbasisfallwerte und Pflegebudget kaum kurzfristig durch Effizienzsteigerungen kompensieren lassen.
Für das Medizincontrolling folgt daraus die klare Aufgabe, schon jetzt eigene Case-Mix- und Kodierqualitätsdaten mit der Curacon-Methodik abzugleichen, um die individuelle Betroffenheit realistisch einzuschätzen, statt sich auf den bundesweiten Durchschnittswert zu verlassen, der je nach Leistungsspektrum erheblich abweichen kann.
