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Pandemie reißt tiefe Löcher in die Krankenhausfinanzierung

NKG-Indikator 2021: Pandemie reißt tiefe Löcher in die Krankenhausfinanzierung (Niedersächsische Krankenhausgesellschaft, PDF, 1,1 MB).

Die wirtschaftliche Situation der Kliniken in Niedersachsen ist so dramatisch wie nie zuvor und wird sich voraussichtlich noch weiter verschlechtern. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG)...

Die wirtschaftliche Situation der Kliniken in Niedersachsen ist so dramatisch wie nie zuvor und wird sich voraussichtlich noch weiter verschlechtern. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG) hervor, an der sich 138 der insgesamt 168 Kliniken im Land beteiligt haben. Hauptgründe sind die
unzureichenden Corona-Hilfen, die mangelnde Bereitschaft der Krankenkassen, auskömmliche Pflegebudgets zur Verfügung zu stellen und überbordende bürokratische Dokumentationsanforderungen, die den
Fachkräftemangel weiter verschärfen.

Den Umfrageergebnissen zufolge sind erstmals mehr als drei Viertel der
Krankenhäuser mittel- bis langfristig in ihrer Existenz bedroht. Nur jedes
fünfte Krankenhaus in Niedersachsen wird für das zurückliegende Jahr 2021 ein
positives Betriebsergebnis erzielen können. Im Verlauf des Jahres 2022 erwarten
die Kliniken eine weitere Zuspitzung ihrer wirtschaftlichen Lage. Dann wird der
Erhebung zufolge nur noch jedes zehnte Krankenhaus schwarze Zahlen schreiben.

Wesentlicher Grund für diese dramatische Entwicklung ist die Corona-Pandemie
mit ihren schwerwiegenden Auswirkungen auf die Krankenhäuser. 75 Prozent der
Kliniken geben an, dass sich die geringere Auslastung durch Belegungsrückgänge
und Einschränkungen des Regelbetriebs massiv auf das Leistungsgeschehen und
dessen Refinanzierung auswirken. Und dies liegt nicht an mangelndem Engagement.
Im Gegenteil: Entgegen häufig wiederholter Behauptungen beteiligt sich der
wesentliche Anteil der Krankenhäuser aktiv an der Versorgung von an
Covid19-Erkrankten. Im Vergleich zur Vorjahresumfrage versorgten mit rund 79
Prozent noch einmal mehr Kliniken Covid-19-Erkrankte als im Vorjahr (65
Prozent).

Aus Sicht der NKG besteht akuter Handlungsbedarf, damit die Krankenhäuser auch
weiterhin für die notwendige Versorgung zur Verfügung stehen können. Dafür
benötigen die Kliniken dringend sofortige Maßnahmen zur Liquiditätssicherung.
Sowohl die Nichtbelegung von Krankenhausbetten als auch die vielfach nicht
ausreichende Finanzierung der Pflegepersonalkosten reißen tiefe Löcher in die
Finanzplanung. Darüber hinaus hat die Umfrage gezeigt, dass der von der
Bundespolitik gespannte Corona-Rettungsschirm für 2021 unzureichend war. Rund
83 Prozent der niedersächsischen Krankenhäuser geben an, dass dieser die
Corona-bedingten Verluste des Jahres 2021 nicht ausgleichen wird. Hier ist eine
Anhebung erforderlich ebenso wie eine sachgerechtere Ausgestaltung des im neuen
Pandemiejahr notwendigen umfassenderen Corona-Rettungsschirms 2022.

„Die wirtschaftlichen Aussichten für die Krankenhäuser in Niedersachsen sind
düster. Das ist besonders bitter, weil die Kliniken einen wichtigen Beitrag zur
Bewältigung der Pandemie beigetragen haben und dies weiterhin nach Kräften tun.
Es kann doch nicht sein, dass zu der immensen physischen und emotionalen
Belastung der Beschäftigten jetzt noch die Sorge um den wirtschaftlichen
Fortbestand von Krankenhäusern und somit auch um Arbeitsplätze hinzukommt“,
betont Dr. Hans-Heinrich Aldag, Vorsitzender der NKG. „Die Kliniken und ihre
Mitarbeiter brauchen jetzt dringend ein Signal, dass sie in dieser dramatischen
Situation nicht im Stich gelassen werden“, so Dr. Aldag weiter.

Grotesk für die Krankenhäuser Niedersachsens ist in diesem Zusammenhang, dass
die Verhandlungen der Pflegebudgets mit den Krankenkassen seit zwei Jahren
stocken und somit hohe Beträge zur Finanzierung der Pflegepersonalkosten nicht
fließen. Die Erwartungen der Krankenhäuser zum Pflegebudget, mit dessen
Einführung den Krankenhäusern die vollständige Finanzierung ihrer
Pflegepersonalkosten von der Bundespolitik versprochen wurde, sind daher extrem
pessimistisch. Nur noch knapp 11 Prozent erwarten der Umfrage zufolge eine
Verbesserung der Finanzsituation durch die Einführung des Pflegebudgets. Rund
47 Prozent rechnen sogar mit einer Verschlechterung. „Hinsichtlich der
Zielsetzung des 2019 in Kraft getretenen Pflegestärkungsgesetzes ist das ein
Offenbarungseid“, bewertet NKG-Verbandsdirektor Helge Engelke diese
Ergebnisse.

Trotz aller Widerstände und Hindernisse engagieren sich die Krankenhäuser
weiterhin massiv für die Verbesserung von Ausbildung und
Arbeitsplatzattraktivität. Rund 70 Prozent der Kliniken haben die Anzahl ihrer
Vollkräfte in den zurückliegenden drei Jahren gesteigert und ein Großteil der
Krankenhäuser beabsichtigt auch in den kommenden drei Jahren eine weitere
Aufstockung des Personals. Befragt nach den wesentlichen Herausforderungen in
den kommenden drei Jahren nennen die Krankenhäuser daher an erster Stelle den
Fachkräftemangel. Rund 96 Prozent der befragten Krankenhäuser geben an, dass es
schwierig bzw. sehr schwierig ist, Stellen zu besetzen. In den Krankenhäusern
in Niedersachsen fehlen der Erhebung zufolge durchschnittlich acht Pflegekräfte
je Einrichtung.

Verschärft wird der Fachkräftemangel dadurch, dass der Dokumentationsaufwand in
den Kliniken in den vergangenen Jahren ausgehend von einem hohen Niveau noch
weiter zugenommen hat. Mehr als 90 Prozent der Krankenhäuser geben an, dass der
Dokumentationsaufwand für das Personal in den vergangenen Jahren stark bzw.
sehr stark angestiegen ist. Diese Entwicklung ist angesichts der
außerordentlichen Belastung der Beschäftigten durch die Corona-Pandemie aus
Sicht der NKG nicht tragbar.

„Die aktuellen Umfrageergebnisse sind alarmierend und markieren einen neuen
Tiefpunkt seit Beginn unserer Erhebungen im Jahr 2010. Gemeinsames Ziel aller
politischen Entscheidungsträger muss es jetzt sein, die Krankenhäuser in
Niedersachsen und ihre Beschäftigten in dieser Krise historischen Ausmaßes
wirtschaftlich abzusichern, um auch künftig eine flächendeckende stationäre
Versorgung zu gewährleisten. Hierzu gehört auch die Bereitschaft von Politik
und Krankenkassen, die erforderlichen Finanzierungsgrundlagen bereitzustellen“,
unterstreicht Engelke.

An der Befragung für den aktuellen NKG-Indikator haben 138 von insgesamt 168
Krankenhäusern in Niedersachsen teilgenommen. Das entspricht einem Anteil von
rund 82 Prozent der Krankenhäuser im Land. Zugleich stehen die teilnehmenden
Krankenhäuser für rund 87 Prozent der gesamten Krankenhausbetten in
Niedersachsen. Der „NKG-Indikator 2021“ umfasst neben Aussagen zur
wirtschaftlichen Situation der Krankenhäuser viele weitere Ergebnisse zu den
Themenfeldern Personal, Ausbildung, Arbeitsplatzattraktivität,
Dokumentationsaufwand und zukünftigen Herausforderungen für die Kliniken. Er
ist online abrufbar unter: www.nkgev.info/Pressemitteilungen.html

Quelle: Niedersächsische Krankenhausgesellschaft, 05.01.2022

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erschienen am Mittwoch, 05.01.2022