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Psychische Gesundheit gehört ganz oben auf die politische Agenda

Psychische Gesundheit gehört ganz oben auf die politische Agenda (DGPPN).

Über ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland ist im Laufe eines Jahres von einer psychischen Erkrankung betroffen – das entspricht rund 17,8 Millionen Wählern. Angststörungen, Depressionen, Abhängigkeitserkrankungen und Demenz...

Über ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland ist im Laufe eines Jahres von einer psychischen Erkrankung betroffen – das entspricht rund 17,8 Millionen Wählern. Angststörungen, Depressionen, Abhängigkeitserkrankungen und Demenz zählen längst zu den häufigsten Volkskrankheiten und verursachen
jedes Jahr viele Tausend Suizide in Deutschland. Anlässlich des Welttags für
Suizidprävention betont die DGPPN, dass psychische Gesundheit nicht von der
politischen Agenda weichen darf und hat ihrerseits eine neue S3-Leitlinie
„Umgang mit Suizidalität” auf den Weg gebracht, welche aktuell vom
Innovationsfonds beim G-BA zur Förderung ausgewählt wurde.

Zwischen 50 und 90 % aller Suizide lassen sich auf eine psychische Erkrankung
zurückführen. Und auch abgesehen vom Suizidrisiko verkürzen schwere psychischen
Erkrankungen das Leben um bis zu 10 Jahre. Die DGPPN fordert daher die Politik
auf, in der Legislaturperiode 2021–2025 der psychischen Gesundheit höchste
Priorität beizumessen und sich gezielt mit psychischen Erkrankungen unter
Einbezug von Betroffenen, Angehörigen und professionell Tätigen (trialogisch)
auseinanderzusetzen. Das massive Leid der Betroffenen und Angehörigen sowie die
direkten und indirekten Kosten in Höhe von 5 % des Bruttoinlandsprodukts sind
nur zwei Aspekte, die den dringenden Handlungsbedarf verdeutlichen. Die
politischen Anstrengungen sollten die systematische und evidenzbasierte
Weiterentwicklung von Versorgung, Forschung und Teilhabe zum Ziel haben.

„Insbesondere angesichts der enormen Herausforderungen durch die Pandemie muss
psychische Gesundheit ganz oben auf die politische Agenda“, mahnt
DGPPN-Präsident Prof. Dr. med. Thomas Pollmächer. „Um die Problemfelder aber
effektiv anzugehen, braucht es dringend eine bessere Entscheidungsgrundlage“,
erklärt er. „Derzeit blicken wir auf ein großes Datenpuzzle, in dem einige
Teile gänzlich fehlen. Dieses Manko ist in den letzten anderthalb Jahren
während der Pandemie nochmals besonders deutlich zutage getreten“. Neben einem
umfassenden, evidenzbasierten Berichtswesen, das sowohl administrative als auch
epidemiologische Daten enthält, ist aus Sicht der Fachgesellschaft die
Schaffung einer trialogisch besetzten Expertenkommission ein wichtiger Baustein
einer Gesundheitspolitik, die die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit
psychischen Erkrankungen angemessen berücksichtigt.

„Psychische Erkrankungen führen häufig zu sozialem Abstieg, Armut und
Diskriminierung und noch viel zu oft zu einem Suizid. Trotzdem sind Prävention,
Versorgung und Rehabilitation in Deutschland noch längst nicht so aufgestellt,
wie es für die Betroffenen notwendig wäre. Die nächste Regierung muss sich
dieser Zukunftsaufgabe annehmen“, resümiert der DGPPN-Präsident.

Um die Versorgung suizidaler Patienten zu verbessern, hat die DGPPN jetzt auch
die Erstellung einer S3-Leitlinie „Umgang mit Suizidalität” auf den Weg
gebracht. Erfreulich ist, dass der Innovationsausschuss des G-BA diese wichtige
medizinische Leitlinie zur Förderung ausgewählt hat. Bei Suizidalität handelt
es sich um ein diagnoseübergreifendes Syndrom mit speziellen Risikofaktoren und
Verlauf. Die Leitlinie richtet sich an alle Fachkräfte der ambulanten und
stationären Versorgung, die mit suizidalen Menschen in Kontakt treten. Geplant
ist zudem eine laienverständliche Leitlinie für Patienten in suizidalen Krisen,
die darüber hinaus auch Angehörige und Hinterbliebene adressiert.

Quelle: DGPPN, 10.09.2021

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erschienen am Freitag, 10.09.2021