Baden-Württemberg: Minister Hildenbrand will Kliniken krisenfest machen
Baden-Württembergs Gesundheitsminister zieht unterirdische Krankenhäuser in Betracht (Schwäbische Zeitung).
Im Mai übernahm der Grüne Oliver Hildenbrand das Gesundheits- und Sozialministerium von seinem langjährigen Vorgänger Manfred Lucha.
Baden-Württemberg: Minister Hildenbrand will Kliniken krisenfest machen
Baden-Württembergs Gesundheits- und Sozialminister Oliver Hildenbrand (Grüne) will Krankenhäuser im Land besser auf Stromausfälle, Hitzewellen und Krisenszenarien vorbereiten.
Anlass für das Interview waren ein Stromausfall in Reutlingen nach einem Anschlag sowie eine belastende Hitzewelle im Juni, beide in Hildenbrands ersten 60 Amtstagen.
Beim Stromausfall im Klinikum Reutlingen sprang das Notstromsystem sofort an.
Entscheidend war laut Hildenbrand zudem, dass die Mitarbeitenden dieses Szenario zuvor geübt hatten und jeder wusste, was zu tun war.
Deshalb wolle man solche Übungen stärker in den Krankenhäusern verankern.
Zum Hitzeschutz hat Hildenbrand eine Taskforce ins Leben gerufen, die vorhandene Kompetenzen bündeln und vernetzen soll.
Beteiligt sind das seit 2022 bestehende Kompetenzzentrum Klimawandel und Gesundheit am Landesgesundheitsamt, die Ärzte-, Psychotherapeuten- und Apothekerkammer sowie der Deutsche Wetterdienst.
Hitzeschutz solle künftig auch baulich bei Neubauten und Sanierungen von Kliniken selbstverständlich mitgedacht werden, etwa bei der Gestaltung großer Glasfassaden.
Das Kompetenzzentrum bereitet zudem einen mit 5 Millionen Euro ausgestatteten „Hitze-Fonds" zur Unterstützung der Gesundheitsämter vor.
Parallel entsteht ein Modellprojekt zur Vorbereitung von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen auf Extremhitzeereignisse.
Zum Thema Arzneimittelversorgung kritisiert Hildenbrand die aktuelle GKV-Reform als kontraproduktiv.
Der Wegfall von Befreiungsmöglichkeiten für Unternehmen, die in Deutschland Wirkstoffe produzieren, richte gesundheits- und sicherheitspolitisch großen Schaden an.
Versorgungskritische Basismedikamente müssten wieder stärker in Europa, Deutschland und möglichst auch in Baden-Württemberg produziert werden.
Auf Landesebene entwickelt Baden-Württemberg gemeinsam mit der Bundeswehr ein digitales zivil-militärisches Gesundheitslagebild.
Ziel ist es, im Bündnis- oder Verteidigungsfall verletzte deutsche und verbündete Soldat:innen versorgen zu können, während gleichzeitig die zivile Gesundheitsversorgung stabil bleibt.
Hildenbrand verweist zudem auf fehlenden Gesamtüberblick über Personal, Vorräte, Ressourcen, Behandlungskapazitäten und Zuständigkeiten im Bevölkerungsschutz.
Er fordert vom Bund, endlich einen Entwurf für das Gesundheitssicherstellungsgesetz vorzulegen, um zu klären, wer was bevorratet und wie Ressourcen im Ernstfall verteilt werden.
In seinem Ministerium arbeiten dazu zwei Stabsstellen: eine für Gesundheitssicherheit und gesundheitlichen Bevölkerungsschutz, eine für interne Krisenvorsorge und Krisenbewältigung.
Die Ankündigung eines digitalen zivil-militärischen Gesundheitslagebilds mit der Bundeswehr markiert eine Verschiebung der gesundheitspolitischen Agenda hin zu Fragen der Verteidigungsfähigkeit, was für ein grün geführtes Sozialministerium ungewöhnlich ist und zeigt, wie stark sich die sicherheitspolitische Lage seit 2022 auch auf die Krankenhausplanung auswirkt.
