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Corona-Pandemie wird zum Existenzrisiko für Kliniken - Hohe Verluste werden nicht aufgefangen

Corona-Pandemie wird zum Existenzrisiko für Kliniken - Hohe Verluste werden nicht aufgefangen (Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen).

Die Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen geraten durch die Folgen der Corona-Pandemie in eine bedrohliche Existenzkrise, weil die anhaltend hohen Erlöseinbußen nicht mehr aufgefangen werden können. Allein im Januar 2021 mussten die...

Die Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen geraten durch die Folgen der Corona-Pandemie in eine bedrohliche Existenzkrise, weil die anhaltend hohen Erlöseinbußen nicht mehr aufgefangen werden können. Allein im Januar 2021
mussten die Kliniken ein Einnahmedefizit von mehr als 370 Millionen Euro
hinnehmen. Gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichneten sie im stationären
Bereich durchschnittliche 21,5 Prozent Erlösausfälle, wie eine Umfrage der
Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW) ergeben hat. Damit verbunden
war ein Belegungsrückgang von 21,9 Prozent. Zu dem daraus resultierenden
Verlust von rund 307 Millionen Euro allein im ersten Monat des Jahres kommen
weitere 63,8 Millionen Euro Einnahmeausfälle im Bereich der ambulanten
Leistungen und Wahlleistungen. An der Umfrage haben sich 174 von 345
Krankenhäusern in NRW beteiligt, sie kann deshalb als repräsentativ bewertet
werden. „Trotz aller Warnungen verweigert der Bund den Krankenhäusern immer
noch eine verlässliche Absicherung für die pandemiebedingten Erlösausfälle. Die
vielen Kliniken, die sich unermüdlich als verlässliche Säule im Kampf gegen
Corona erweisen, werden mit den wirtschaftlichen Folgen alleine gelassen“,
kritisiert Jochen Brink, Präsident der Krankenhausgesellschaft
Nordrhein-Westfalen.

In dieser kritischen Lage hat das Bundesgesundheitsministerium nur eine
kurzfristige Verlängerung der Corona-Ausgleichszahlungen bis zum 11. April
angekündigt. „Diese in einem Verordnungsentwurf enthaltene Regelung führt die
meisten Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen aber in eine wirtschaftliche
Notlage, statt ihnen über die Pandemie hinweg zu helfen“, betont Brink. Denn
die Absicherung helfe angesichts der
– erfreulicherweise – gesunkenen Sieben-Tage-Inzidenz nur noch einer immer
kleineren Zahl von Krankenhäusern in Regionen mit einem Inzidenzwert von über
70 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner: Aktuell trifft dies für 16 der 53
Kreise und kreisfreien Städte in NRW zu. Das bedeute, dass die Verluste, die
bisher noch in wesentlichen Teilen durch Ausgleichszahlungen kompensiert werden
konnten, künftig voll auf die einzelnen Häuser durchschlagen.

„Krankenhäuser brauchen jetzt schnell eine verlässliche Zusage“

„Mit immer nur kurzfristigen Ausgleichszahlungen, die ohnehin nur einen Teil
der Häuser erreichen, ist die Existenzkrise für viele Kliniken nicht mehr
abzuwenden. Die in der Pandemie so entscheidende Daseinsvorsorge gerät sonst
selbst durch Corona ins Wanken“, warnt KGNW-Präsident Brink. „Die Krankenhäuser
brauchen jetzt schnell eine verlässliche Zusage für einen echten Rettungsschirm
für das gesamte Jahr 2021. Denn die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie werden
uns noch sehr lange beschäftigen, eine Normalisierung lässt noch lange auf sich
warten.“ Verschobene planbare Eingriffe, die Zurückhaltung von Patientinnen und
Patienten, die Erkrankung oder notwendige Quarantäne von Beschäftigten sowie
die erhöhten Hygieneauflagen für die Belegung der Krankenzimmer lassen auch für
die kommenden Monate enorme Erlöseinbußen erwarten. Dabei solle ein
Ganzjahresausgleich sicherstellen, dass nur reale Verluste ausgeglichen
werden.

Gesunkene Belegungszahlen – deutlich höherer Personalaufwand

Brink erinnert daran, dass seit Beginn der COVID-19-Pandemie vor allem die
wohnortnahen Krankenhäuser fast 90 Prozent aller stationären Fälle behandelt
haben. Ohnehin aber seien alle Kliniken im Land von den wirtschaftlichen Folgen
der Pandemie betroffen. Denn zu den gesunkenen Belegungszahlen komme der
deutlich höhere Personalaufwand auf den Isolierstationen, in der Intensivpflege
und darüber hinaus für erweiterte Hygieneschulungen und Hygienemaßnahmen. Das
könne kein Haus aus eigener Kraft stemmen. „Wenn es für die nicht mehr zu
übersehenden Erlöseinbußen keinen Ausgleich gibt, wird ausgerechnet Corona in
Nordrhein-Westfalen schon in naher Zukunft einen gewaltigen Strukturbruch für
die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten auslösen“, stellt
Brink klar. Schon jetzt blickten viele Häuser in den Abgrund. „Wir erwarten
spätestens von der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz eine fundierte Lösung,
die einen Ausgleich für die tatsächlich erlittenen Erlösausfälle schafft.“

Quelle: Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen, 22.02.2021

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erschienen am Dienstag, 23.02.2021