Geburtskliniken in Brandenburg: Erreichbarkeit zunehmend schwieriger
Krankenhausreform: Brandenburger Geburtskliniken stehen unter wirtschaftlichem Druck (RBB 24).
In Brandenburg schreitet die Konzentration der Geburtshilfe im Zuge der Krankenhausreform voran, während lange Anfahrtswege für Gebärende zunehmend zur Herausforderung werden.
Brandenburg: Geburtsklinik Neuruppin gilt als sicher, doch Anfahrtswege werden zum Problem
Potsdam, 15.07.2026, 18:31 Uhr
Die Geburtsklinik in Neuruppin ist die einzige in der Region, ihr Einzugsgebiet reicht von der Prignitz bis nach Oberhavel.
Chefarzt Thomas Schmitz hält eine Schließung dieser Klinik im Zuge der Reform für unwahrscheinlich, da weiterhin in die Geburtshilfe investiert werde.
Er steht grundsätzlich hinter den Zielen der Krankenhausreform, Ressourcen und Fachkräfte an weniger, dafür modern ausgestatteten Standorten zu bündeln.
In Neuruppin werden derzeit rund 500 Kinder pro Jahr geboren, in den 1980er Jahren waren es mehr als doppelt so viele.
In ganz Brandenburg kommen jährlich rund 15.000 Kinder zur Welt, 2016 waren es noch knapp 21.000.
Die Zahl der Geburtskliniken im Land hat sich seither auf knapp die Hälfte reduziert.
Hebamme Sylke Barthel, die seit über 40 Jahren Geburten am Ruppiner Klinikum begleitet, hält die Spezialisierung grundsätzlich für richtig, warnt aber vor zu langen Anfahrtswegen.
Für manche Frauen seien 50 oder 60 Minuten zu weit, auch mit dem Rettungswagen sei das nicht immer zu schaffen.
Sie hält eine Fahrzeit von 30 Minuten zur nächsten Geburtsklinik für zumutbar.
Brandenburgs Gesundheitsminister René Wilke (SPD) bezeichnet eine ermittelte Prognosedistanz von 40 Minuten als grenzwertig.
Solche Entwicklungen müsse man bei der Umsetzung der Krankenhausreform im Blick behalten.
Mehrere Geburtskliniken in Templin, Eisenhüttenstadt, Forst, Ludwigsfelde und Strausberg wurden bereits vor der eigentlichen Reformumsetzung geschlossen.
Auch das Potsdamer St.-Josefs-Krankenhaus schloss seine Geburtshilfe, laut Wilke offenbar vorausschauend im Hinblick auf absehbare Finanzierungsvorgaben der Reform.
Für Gebärende in Potsdam werden die Wege dadurch nicht länger, da die Geburtshilfe am nahegelegenen Klinikum Ernst von Bergmann bestehen bleibt.
Allerdings sinkt die Wahlfreiheit, und die dortige Geburtsmedizin wird deutlich größer.
Proteste gegen die Schließung sind geplant.
Aufschlussreich ist, dass Klinikbetreiber wohl der Krankenhausreform bereits vorgreifen und Geburtsabteilungen schließen, bevor überhaupt verbindliche Vorgaben feststehen – das deutet darauf hin, dass wirtschaftliche Erwägungen der Träger den eigentlichen Reformprozess in der Praxis oft überholen.
