Rettungsdienstbericht für Baden-Württemberg
Neuer Qualitätsbericht zur Notfallversorgung in Baden-Württemberg zeigt Nachholbedarf in einigen Versorgungsfeldern (Download, PDF, 8 MB).
Ein neuer Rettungsdienstbericht zeigt Verbesserungen bei der Notfallversorgung in Baden-Württemberg, deckt aber weiterhin Schwachstellen auf.
Notfallversorgung in Baden-Württemberg: Schmerzbehandlung verbessert, Kliniktransport oft zu langsam
Berlin, 12.8.2026, 13:02 Uhr
Das geht aus dem Qualitätsbericht der Stelle zur trägerübergreifenden Qualitätssicherung im Rettungsdienst (SQR-BW) für 2025 hervor. Er wurde am Mittwoch in Stuttgart vorgestellt.
Ausgewertet wurden mehr als zwei Millionen Einsätze aus 34 Leitstellen und 35 Rettungsdienstbereichen.
Deutlich verbessert hat sich die Schmerzbehandlung durch Rettungskräfte ohne Notarzt. In knapp 64 Prozent der entsprechenden Fälle wurde 2025 eine Schmerzreduktion erreicht.
Im Vorjahr waren es noch 55 Prozent. Der Bericht wertet dies als Zeichen wachsender Kompetenz von Notfallsanitätern, die zunehmend ärztliche Maßnahmen selbst übernehmen.
Gleichzeitig wurden Notärzte seltener zu leichteren Fällen gerufen. Die Zahl der Einsätze von Notarztfahrzeugen am Boden sank von 2022 bis 2025 um rund 26 Prozent.
Verbesserungsbedarf sieht die SQR-BW bei der Zeit bis zum Eintreffen schwer erkrankter oder verletzter Menschen in der Klinik.
Bei Herz-Kreislauf-Stillständen gelang der Transport innerhalb von 60 Minuten nur in 37 Prozent der Fälle. Bei lebensbedrohlich Verletzten waren es rund 39 Prozent.
Zudem erkannten die Leitstellen bei knapp zwei Dritteln der später bestätigten Reanimationsfälle die Situation bereits beim Notrufeingang richtig.
Sehr gute Werte gab es bei der Auswahl geeigneter Kliniken. 99 Prozent der Patienten mit schwerem Herzinfarkt wurden nach Notarzteinsätzen in ein geeignetes Krankenhaus gebracht.
Zusammenfassend gewinnen Notfallsanitäter erkennbar an Handlungssicherheit. Der Sprung bei der Schmerzreduktion von 55 auf 64 Prozent innerhalb eines Jahres ist beachtlich.
Das dürfte mit erweiterten Kompetenzen und Standardarbeitsanweisungen zusammenhängen, die Notfallsanitätern eigenständige Medikamentengaben erlauben.
Zum anderen bleibt die Transportzeit bei den kritischsten Fällen ein ungelöstes Problem. Nur gut ein Drittel der Reanimationspatienten erreicht die Klinik innerhalb einer Stunde.
Angesichts der bekannten Zeitfenster bei Herz-Kreislauf-Stillstand ist diese Quote niedrig. Schon wenige Minuten Verzögerung können hier über Überleben und neurologisches Ergebnis entscheiden.
Licht und Schatten zeigt die Diagnosefähigkeit der Leitstellen. Zwei Drittel korrekt erkannte Reanimationsfälle beim Notrufeingang bedeuten im Umkehrschluss, dass ein Drittel der Fälle zunächst falsch eingeschätzt wird.
Das kann wertvolle Zeit kosten, etwa wenn keine Telefonreanimation angeleitet wird. Positiv sticht die nahezu perfekte Klinikauswahl bei Herzinfarktpatienten heraus. Mit 99 Prozent zeigt sich, dass die etablierten Zuweisungsalgorithmen für kardiologische Notfälle in der Praxis gut funktionieren.
Für die anstehende Notfallreform dürfte der Bericht wichtige Argumente liefern, insbesondere für eine stärkere Verzahnung von Leitstellen, Rettungsdienst und Klinikstrukturen in ländlichen Gebieten.
