Bodensee-Kreis will Klinik Tettnang kaufen





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Bodensee-Kreis will Klinik Tettnang kaufen

Der Bodensee-Kreis beschäftigt sich mit der Abwicklung des Medizin Campus Bodensee (Schwäbische Zeitung).



Der Kreistag des Bodenseekreises fasst am 28. Juli weitere Beschlüsse zur Abwicklung des insolventen Medizin Campus Bodensee (MCB).



Bodenseekreis beschließt weitere Schritte zur Abwicklung des Medizin Campus Bodensee

Friedrichshafen, 22.07.2026 21:04 Uhr

Zentraler Punkt ist der geplante Kauf des Klinikgebäudes in Tettnang, dessen Geburtsstation seit fast zwei Monaten geschlossen ist.

Die Kreisverwaltung schlägt einen Kaufpreis von 3,5 Millionen Euro vor, basierend auf nicht öffentlich verfügbaren Wertgutachten.

Tatsächlich zu zahlen sind nur 2,1 Millionen Euro, da 1,4 Millionen Euro mit einer dem Kreis zustehenden Grundschuld verrechnet werden.

Der zugrundeliegende Vertrag wurde bereits am 14. Juli notariell beurkundet, tritt aber erst nach Zustimmung der Kreisräte in Kraft.

Laut Sitzungsvorlage hat Ameos, das die Klinik Friedrichshafen übernimmt, kein eigenes Interesse am Tettnanger Gebäude, aber auch keine Einwände dagegen, dass die Oberschwabenklinik (OSK) dort ein ambulantes OP-Zentrum einrichtet.

Damit würde das bestehende Medizinische Versorgungszentrum in Tettnang erweitert.

Für dieses OP-Zentrum benötigt die OSK nur einen Teil des Gebäudes, die Nutzung des restlichen Gebäudes ist noch unklar.

Landratsamt und Stadt Tettnang beraten in einer Arbeitsgruppe über eine sinnvolle Nutzung.

Die Sitzungsvorlage benennt offen Risiken des Kaufs, da das Gebäude laut Gutachten nicht in bestem Zustand ist und Investitionen erfordert.

Durch Mieteinnahmen der OSK soll der Kreis jedoch auch Einnahmen erzielen.

Zum Stand der Übernahme des Krankenhauses Friedrichshafen durch Ameos berichtet die Kreisverwaltung, dass seit der Kreistagsentscheidung im Mai wöchentliche Treffen zwischen Ameos, Kreisverwaltung und Rechtsberatern stattfinden.

Auf einem Treuhandkonto liegen bereits zehn Millionen Euro des Kreises und sechs Millionen Euro von Ameos.

Zum Vollzug der Übergabe werden weitere 15 Millionen Euro des Kreises fällig, die Stadt Friedrichshafen hat ihre vereinbarten zehn Millionen Euro bereits überwiesen.

Verschiedene Genehmigungen liegen bereits vor, darunter die Zustimmung des Regierungspräsidiums zur Sicherstellungs- und Unterstützungsvereinbarung sowie die kartellrechtliche Genehmigung.

Auch der Übergang der Betriebsrenten auf die neue Trägergesellschaft sowie die Übertragung der Altverpflichtungen auf den Bodenseekreis sind geklärt.

Offen ist noch die Aufnahme von Ameos in den Landeskrankenhausplan, die im Juli erfolgen soll.

Jan-Ove Faust bleibt bis auf Weiteres im Rahmen der Eigenverwaltung für das Krankenhaus verantwortlich.

Das Insolvenzverfahren endet formal mit der Liquidation der MCB-GmbH, wofür alle verbliebenen Vermögenswerte verwertet werden müssen, unter anderem durch eine geplante Versteigerung der Tettnanger Klinikausstattung.

Betriebsratsvorsitzender Dominik Penkalla berichtet von anhaltender Verunsicherung unter den Beschäftigten, da viele gesetzliche Regelungen zum Betriebsübergang nach einem Jahr auslaufen.

Bislang habe dies aber nicht zu verstärkter Abwanderung geführt.

Die OSK hat bereits Verträge vorwiegend mit ehemaligen Tettnanger Beschäftigten geschlossen, einige davon wechselten allerdings auch nach Friedrichshafen.

Penkalla berichtet von Jahren wechselnder Geschäftsführungen und mangelnder Kommunikation gegenüber den Mitarbeitenden, setzt aber Hoffnung in Ameos als strukturierten neuen Träger.

Die Konstruktion mit dem Gebäudekauf durch den Kreis bei gleichzeitiger Vermietung an die OSK ist ein pragmatischer Weg, den ehemaligen Klinikstandort Tettnang zumindest teilweise für die ambulante Versorgung zu erhalten, ohne dass der Kreis selbst in den laufenden medizinischen Betrieb eintreten muss – bemerkenswert ist dabei, dass Ameos als Übernehmer des größeren Friedrichshafener Standorts explizit kein Interesse an Tettnang zeigt, was auf eine bewusste strategische Fokussierung des Konzerns auf den wirtschaftlich tragfähigeren Hauptstandort hindeutet, während die kleinere Außenstelle der lokalen Konkurrentin OSK überlassen wird.

Der beträchtliche finanzielle Gesamtaufwand für Kreis und Stadt fällt auf: Allein für die Ameos-Übernahme in Friedrichshafen sind mit den bereits hinterlegten und noch fälligen Beträgen über 40 Millionen Euro an öffentlichen und privaten Mitteln im Spiel, was zeigt, dass selbst eine geordnete Klinikinsolvenz mit anschließender Übernahme durch einen finanzstarken Konzern erhebliche kommunale Vorleistungen erfordert, bevor der neue Träger überhaupt operativ starten kann.

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