Es gebe genug Kliniken, die nicht mehr wissen, wie sie weitermachen sollen...
Mit weiteren Krankenhaus-Insolvenzen sei zu rechnen (Stuttgarter Zeitung).
Bernd Rühle, Geschäftsführer des Evangelischen Krankenhausverbandes in Baden-Württemberg, rechnet mit weiteren Klinik-Insolvenzen in Deutschland.
Evangelischer Krankenhausverband: Weitere Klinik-Insolvenzen bundesweit unvermeidbar
Stuttgart, 15.07.2026, 06:48 Uhr
Anlass für das Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst war die jüngste Insolvenz des katholischen Marienhospitals in Stuttgart.
Rühle sagte, bundesweit lasse sich das nicht vermeiden. Es gebe genügend Häuser, die nicht mehr wüssten, wie sie weitermachen sollen, und das gelte nicht nur für evangelische Träger.
Als Hauptgrund nannte er das neue Gesetz zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge, das die Erträge der Krankenhäuser kürze.
Gleichzeitig könnten die Kliniken kaum sparen.
Wenn die Kosten, etwa durch Tarifsteigerungen, stärker steigen als die Erlöse, gehe einem Haus zwangsläufig irgendwann die Luft aus, so Rühle, der auch Geschäftsführer des Diakonie-Klinikums Stuttgart ist.
Von der Politik fordert er, die Erlössteigerungen mindestens an die Kostensteigerungen zu koppeln.
Zudem müsse die geplante Ausweitung der Rechnungsprüfungen durch den Medizinischen Dienst gestoppt werden.
Das schaffe auf beiden Seiten nur mehr Bürokratie, kritisierte Rühle.
Die geplanten Kürzungen bei pflegeentlastenden Maßnahmen müssten aus seiner Sicht zurückgenommen werden.
Rühle räumte ein, dass es in Deutschland zu viele Krankenhäuser gebe.
Baden-Württemberg habe jedoch bereits die geringste Bettendichte aller Bundesländer und damit die effizienteste Struktur des Landes.
Die aktuelle Bundespolitik gehe mit dem Rasenmäher über alle hinweg und bestrafe damit gerade jene, die schon effizient arbeiteten.
Statt eines Malussystems schlägt Rühle ein Bonussystem vor.
Bundesländer, die ihre Klinikstrukturen an eine definierte Zielgröße anpassen, sollten dafür Geld aus einem Transformationsfonds erhalten.
Das Diakonie-Klinikum Stuttgart selbst sei wirtschaftlich kerngesund und nicht gefährdet.
Pauschale, bundesweit einheitliche Sparvorgaben treffen Länder mit bereits konsolidierter Klinikstruktur wie Baden-Württemberg genauso hart wie Länder mit ausgeprägten Überkapazitäten, was ökonomisch wenig Sinn ergibt, wenn das eigentliche Ziel eine effizientere Versorgungsstruktur ist.
Ob die geringste Bettendichte tatsächlich mit der effizientesten Struktur gleichzusetzen ist, wäre allerdings genauer zu prüfen, denn Bettendichte allein sagt noch nichts über Auslastung, Verweildauer oder tatsächliche Wirtschaftlichkeit der einzelnen Häuser aus.
