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Fehlzeiten-Report 2022

Fehlzeiten-Report 2022: Mehr Gesundheit und Motivation durch soziale Unternehmensführung (WidO).



Beschäftigte, die ihrem Unternehmen eine hohe Sozialverantwortung bescheinigen, sind leistungsbereiter, zufriedener und gesünder. Das ist der zentrale Befund einer aktuellen Befragung im Rahmen des Fehlzeiten-Reports 2022, den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) heute vorgelegt hat.
Helmut Schröder, Mitherausgeber des Fehlzeiten-Reports und stellvertretender
Geschäftsführer des WIdO, erklärt: „Soziale Unternehmensverantwortung geht über
die landläufige „Corporate Social Responsibility“, also dem fairen Umgang mit
allen Beteiligten, dem gesellschaftlichen Engagement und dem Umweltschutz,
hinaus. Verantwortungsvolle Unternehmen sollten die Gesundheit der
Beschäftigten nicht aus den Augen verlieren und nachhaltig in
gesundheitsorientierte Führung sowie Angebote der Betrieblichen
Gesundheitsförderung investieren.“

Die repräsentative Befragung unter rund 2.500 Erwerbstätigen aus Februar/ März
2022, deren Ergebnisse im Fehlzeiten-Report veröffentlicht sind, zeigt: Je
verantwortungsvoller die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihr Unternehmen
empfinden, desto positiver bewerten sie ihre eigene Arbeitsmotivation und
Gesundheit. Dabei wird der Zusammenhang vor allem in einem Vergleich deutlich:
Bei den Beschäftigten, die ihrem Unternehmen eine besonders hohe
Unternehmensverantwortung bescheinigen, geht dies bei 96,7 Prozent mit hoher
Leistungsbereitschaft, bei 95,6 Prozent mit hoher Verbundenheit mit dem
Unternehmen und bei 96,5 Prozent mit hoher Arbeitszufriedenheit einher.
Umgekehrt sieht man in der Beschäftigtengruppe, die in ihrem Unternehmen eine
niedrige Unternehmensverantwortung wahrnehmen, nur bei 76,4 Prozent eine hohe
Leistungsbereitschaft, bei 60,6 Prozent eine hohe Unternehmensverbundenheit und
bei 69,6 Prozent eine hohe Arbeitszufriedenheit.

Weniger Wut, Erschöpfung und Fehlzeiten
Ähnlich eindeutig sind die Zusammenhänge mit Blick auf gesundheitliche
Beschwerden. Die Beschäftigtengruppe, die eine hohe Unternehmensverantwortung
wahrnimmt, berichtet gleichzeitig über weniger emotionale Belastungen. So
empfinden 86,1 Prozent dieser Gruppe keine oder nur ganz selten Wut und
Verärgerung im Arbeitsleben. In der Beschäftigtengruppe, die ihren Unternehmen
eine niedrige Verantwortung attestiert, sind es dagegen nur 45,1 Prozent – ein
Unterschied von 41 Prozentpunkten. Bei psychosomatischen Beschwerden sind die
Unterschiede zwischen den beiden Gruppen ähnlich groß: bei Erschöpfung 30,2
Prozentpunkte und bei Schlafstörungen 26,4 Prozentpunkte. Bei den körperlichen
Beschwerden ist die Differenz nicht ganz so extrem, gleichwohl noch deutlich.
Bei Rücken- und Gelenkbeschwerden ergibt sich ein Unterschied von 20,8, bei
Kopfschmerzen von 19,9 Prozentpunkten. Diese Bewertung spiegelt sich auch in
den Fehltagen. Beschäftigte, die die Unternehmensverantwortung als gut
bewerteten, fehlten in den letzten 12 Monaten krankheitsbedingt 9,7 Tage.
Beschäftigte, die die Unternehmensverantwortung als schlecht einstuften, waren
dagegen 14,2 Tage krankheitsbedingt arbeitsunfähig. Das gleiche Bild zeigt sich
bei den Auskünften zum Präsentismus: Beschäftigte, die die
Unternehmensverantwortung positiv bewerten, arbeiten deutlich seltener gegen
den ärztlichen Rat als Beschäftigte, die ihr Unternehmen diesbezüglich negativ
bewerten.

Schlüsselfigur Führungskraft
Soziale Unternehmensverantwortung beginnt bei den eigenen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern, deshalb spielen Führungskräfte eine Schlüsselrolle.
Dementsprechend bescheinigt die Beschäftigtengruppe, die ihrem Unternehmen die
höchsten Werte für gesellschaftliches Engagement und fairen Umgang zumisst,
auch ihrer Führungskraft mehr positiven Umgang, Stresssensibilität und
Gesundheitsorientierung als in der Vergleichsgruppe. Der Mitherausgeber und
Studienautor Schröder empfiehlt Unternehmen deshalb, das Betriebliche
Gesundheitsmanagement zu intensivieren. „Die aktuellen Krisen führen häufig zu
einem Stresstest in der Beziehung zwischen Unternehmensleitung und
Beschäftigten. In dieser Situation können Mitarbeitendenbefragungen und
Arbeitsunfähigkeitsanalysen den Dialog zwischen Unternehmensleitung,
Führungskräften und Mitarbeitenden stärken. Nur so werden gemeinsam Lösungen
gefunden, die am Ende für mehr Zufriedenheit, eine bessere Gesundheit und eine
größere Unternehmensbindung sorgen.“ Ein weiteres Motiv für mehr Betriebliche
Gesundheitsförderung liefert der Fachkräftemangel. Unternehmen, die ihre
soziale Verantwortung nach innen und außen leben, hätten nicht nur in punkto
Arbeitsbedingungen, sondern auch ökonomisch die besseren Karten – ein klarer
Wettbewerbsvorteil.

Pandemie beeinträchtigt Körper und Psyche
Das WIdO liefert im Fehlzeiten-Report weitere Belege für die Pandemie-Effekte
auf Gesundheit und Psyche der Erwerbstätigen. Beschäftige, die in den letzten
drei Jahren im Rahmen von Querschnittsbefragungen zu den Belastungen Auskunft
gegeben haben, berichten über vermehrte gesundheitliche Beschwerden: Dies
betrifft sowohl körperliche Beschwerden wie Rücken-, Gelenkbeschwerden oder
Kopfschmerzen, psychosomatische Beschwerden wie Erschöpfung oder
Schlafstörungen sowie emotionale Beschwerden wie Wut, Verärgerung oder
Lustlosigkeit. Auch die Fehlzeitenentwicklung der 15,6 Millionen
AOK-versicherten Erwerbstätigen bis Juli 2022 legt zusätzliche
Corona-Belastungen nahe: Der Krankenstand ist in den ersten Monaten dieses
Jahres bis Juli deutlich angestiegen, insbesondere verursacht durch
Atemwegserkrankungen und den wellenartigen Verlauf von COVID-19-Infektionen
unter den AOK-versicherten Beschäftigten. Die COVID-19-Pandemie erreichte bei
den Fehlzeiten ihren vorläufigen Höhepunkt im März 2022. Seit Beginn im Februar
2020 war mehr als jeder fünfte Beschäftigte (22,5 Prozent) von
krankheitsbedingten Fehlzeiten im Zusammenhang mit COVID-19 betroffen. 3,8
Prozent dieser COVID-19-Betroffenen waren im weiteren Verlauf von Fehlzeiten
wegen Long-COVID oder Post-COVID betroffen.

Quelle: WidO, 11.10.2022

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