Marienhospital Stuttgart: Geschäftsführung zeichnet ambitionierten, aber positiven Ausblick
Insolvenz am Marienhospital Stuttgart: Es gebe Interessenten, die einsteigen wollen (Stuttgarter Zeitung).
Geschäftsführer Jan Schlenker und Sanierungsanwalt Claus-Peter Kruth geben erstmals Auskunft zur Zukunft des Marienhospitals: Betrieb läuft, Gehälter sind gesichert, Ziel ist eine Ergebnisverbesserung von 12–15 Millionen Euro bis 2027.
Marienhospital Stuttgart: Erste Details zur Sanierungsstrategie in Eigenverwaltung
Stuttgart, 04.07.2026, 10:00 Uhr
Das Marienhospital mit rund 800 Betten und 2.700 Mitarbeitenden befindet sich seit dem 17. Juni 2026 in der Insolvenz in Eigenverwaltung.
Erste Liquidität ist aufgebaut, alle Fachabteilungen, die Notdienstpraxis und die Berufsfachschule bleiben geöffnet.
Der Leiharbeitseinsatz wurde bereits um 80 Prozent reduziert – ein zentraler Kostenhebel.
Personalabbau ist geplant, soll aber punktuell und behutsam erfolgen; Kooperationen mit anderen Häusern bleiben bestehen.
Mehrere Investoren haben Interesse signalisiert, ein Trägerwechsel oder eine Beteiligung werden geprüft.
Wirtschaftliche Stabilisierung soll bis Jahresende erreicht sein, die Ergebnisverbesserung von 12–15 Millionen Euro bis 2027.
Die Kommunikationsstrategie erscheint richtig: Frühzeitige, transparente Aussagen zur Lage dämpfen Gerüchte, stabilisieren die Belegschaft und signalisieren Investoren Handlungsfähigkeit.
Die genannte Zielgröße von 12–15 Millionen Euro Ergebnisverbesserung klingt ambitioniert, ist aber bei einem Haus dieser Größe nicht unrealistisch, wenn Leiharbeit tatsächlich um 80 Prozent zurückgeht – das allein spart nach Branchenerfahrung oft mehrere Millionen jährlich.
Kritisch wird es bei der Frage des Trägers: Ohne neuen Gesellschafter oder strategischen Partner dürfte eine nachhaltige Sanierung schwerfallen, weil die strukturellen Ursachen – Unterfinanzierung, Tarifkostensteigerungen, BStabG-Effekte ab 2027 – durch interne Optimierung allein nicht vollständig kompensierbar sind.
Dass mehrere Investoren Interesse zeigen, ist positiv, sagt aber noch nichts über Qualität und Ernsthaftigkeit der Angebote.
