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Baden-Württemberg: Im Schnitt 1,55 Kinder je Frau

Baden-Württemberg: Im Schnitt 1,55 Kinder je Frau (Statistikamt Baden-Württemberg).

Landkreis Tuttlingen mit höchster, Heidelberg mit niedrigster Geburtenrate im vergangenen Jahr. In Baden-Württemberg wurden im Jahr 2020 ca. 108 000 Kinder lebend geboren und damit knapp 1 000 weniger als...

Landkreis Tuttlingen mit höchster, Heidelberg mit niedrigster Geburtenrate im vergangenen Jahr. In Baden-Württemberg wurden im Jahr 2020 ca. 108 000 Kinder lebend geboren und damit knapp 1 000 weniger als 2019. Dennoch war die Geburtenzahl im vergangenen Jahr nach
Einschätzung des Statistischen Landesamtes weiterhin relativ hoch: Seit der Jahrtausendwende wurden im Südwesten lediglich in den Jahren 2018 und 2019 noch etwas mehr Kinder geboren. Eine Ursache für diesen positiven Trend
wird in der vor allem in den Jahren 2014 bis 2017 hohen Zuwanderung gesehen,
die auch zu einer Zunahme der Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter geführt
hat. Hinzu kommt, dass nun Kinder der geburtenstarken Jahrgänge Anfang der
1960er-Jahre, die so genannten Babyboomer, selbst wieder Kinder bekommen.

Schließlich ist die hohe Geburtenzahl auch auf eine relativ hohe Geburtenrate
zurückzuführen. Die durchschnittliche Kinderzahl je Frau lag im Jahr 2020 bei
1,55 und damit nur geringfügig niedriger als in den Jahren zuvor.

Ursächlich für den Anstieg der durchschnittlichen Kinderzahl je Frau seit dem
Beginn des vergangenen Jahrzehnts dürfte unter anderem die deutlich verbesserte
Kinderbetreuung im Land sein1, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie
erleichtert hat. Außerdem könnten hierfür die bis zum Beginn der
Corona-Pandemie hervorragenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit einem
Höchststand an Erwerbstätigen und einer relativ geringen Arbeitslosenquote im
Land eine Rolle gespielt haben. Dagegen verzichten Paare in gesellschaftlichen
Krisen- und Umbruchsituationen auf die Geburt von Kindern.2 Schließlich hat
sich die durchschnittliche Kinderzahl je Frau auch aufgrund der Zuwanderung von
Frauen aus Ländern mit einer traditionell hohen Geburtenhäufigkeit erhöht.3

Allerdings lag die Geburtenrate auch im vergangenen Jahr weiterhin unter dem
für eine Bestandserhaltung der Bevölkerung erforderlichen Niveau. Hierzu wäre
eine Geburtenrate von 2,1 Kindern je Frau notwendig. Dieser Wert wurde in
Baden-Württemberg nach Angaben des Statistischen Landesamtes letztmals im Jahr
1970 erreicht.

Innerhalb des Landes zeigen sich durchaus bemerkenswerte Unterschiede:
Spitzenreiter unter den 44 Stadt- und Landkreisen war im Jahr 2020 der
Landkreis Tuttlingen mit einer Geburtenrate von 1,84 Kindern je Frau, gefolgt
vom Alb-Donau-Kreis (1,82). Am Ende der Skala rangieren die Stadtkreise
Heidelberg (1,06), Karlsruhe (1,21) und Stuttgart (1,25).

Die Gründe für die regionalen Unterschiede in der Geburtenhäufigkeit sind
vielfältig. Auffällig ist weiterhin ein traditionelles, wenn auch nicht mehr
flächendeckendes »Land-Stadt-Gefälle«. Das heißt, dass in den meisten ländlich
geprägten Gebieten die Kinderzahl je Frau über der der Städte liegt. In
Hochschulstandorten wie Heidelberg ist die Geburtenrate besonders niedrig, weil
dort viele jüngere Frauen leben, bei denen Studium und Berufseinstieg im
Vordergrund stehen und deshalb (noch) keine Familiengründung geplant ist.
Tendenziell gilt, dass mit steigendem Bildungsniveau der Frauen die Zahl der
geborenen Kinder abnimmt.4

Einen Einfluss auf die Höhe der Geburtenrate dürfte auch der regional
unterschiedliche Anteil der ausländischen Frauen besitzen.5 Ausländische Frauen
brachten im Jahr 2020 in Baden-Württemberg im Schnitt 1,89 Kinder zur Welt, bei
Frauen mit einer deutschen Staatsangehörigkeit waren es dagegen lediglich
1,48.

Hinweis: Bei den Kreisergebnissen zur Geburtenhäufigkeit sind Zufallseinflüsse
aufgrund der zum Teil relativ kleinen Fallzahlen nicht auszuschließen.

1So hat sich in Baden-Württemberg die Betreuungsquote der Kinder im Alter von
unter 3 Jahren von 8,8 % im Jahr 2006 auf 30 % im Jahr 2020 mehr als
verdreifacht.

2Beispielsweise sank die Geburtenrate in den ostdeutschen Bundesländern nach
dem Zusammenbruch der DDR vorübergehend auf einen Wert von unter einem Kind je
Frau.

3Ob sich die Geburtenhäufigkeit aufgrund der Pandemie vorübergehend ändern
wird, wird sich erst zeigen, wenn Ergebnisse für das laufende Jahr vorliegen.

4Statistisches Bundesamt: Geburten in Deutschland, Ausgabe 2012, S. 32.

5Beispielsweise wurde die – verglichen mit den anderen Stadtkreisen - hohe
Geburtenhäufigkeit Pforzheims entscheidend dadurch bestimmt, dass der Anteil
der Kinder, die von Ausländerinnen geborenen wurden, in der „Goldstadt“
landesweit am höchsten lag.

Quelle: Statistikamt Baden-Württemberg, 30.06.2021

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erschienen am Mittwoch, 30.06.2021