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Heilmittelbericht 2019

Heilmittelbericht 2019 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO, PDF, 2,4 MB).

Mehr als jeder sechste AOK-Versicherte ist wegen chronischer, unspezifischer Rückenschmerzen in ärztlicher Behandlung. Laut dem aktuellen Heilmittelbericht des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) war mehr als ein Viertel (26,7 Prozent)...

Mehr als jeder sechste AOK-Versicherte ist wegen chronischer, unspezifischer Rückenschmerzen in ärztlicher Behandlung. Laut dem aktuellen Heilmittelbericht des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) war mehr als ein Viertel (26,7 Prozent) von den 4,4 Millionen Rückenschmerzpatienten deswegen in den letzten
fünf Jahren dauerhaft beim Arzt, Frauen häufiger als Männer. „Die Zahlen
zeigen, dass der Rückenschmerz zu Recht als Volkskrankheit bezeichnet wird.
Neben der Behandlung durch Ärzte und Physiotherapeuten können
Präventionsmaßnahmen gegen Bewegungsmangel und einseitige Belastungen, aber
auch gegen Übergewicht helfen“, so Helmut Schröder, stellvertretender
Geschäftsführer des WIdO.

Chronische, unspezifische Rückenschmerzen betreffen mehr Frauen als Männer:
2017 waren knapp 2,6 Millionen der 4,4 Millionen AOK-Patienten weiblich.
Insgesamt leiden somit rund 20 Prozent aller AOK-versicherten Frauen und fast
15 Prozent der Männer unter chronischen, unspezifischen Rückenschmerzen. Die
Rate steigt mit zunehmendem Lebensalter kontinuierlich an und ist in den
letzten Jahren vor dem Renteneintritt bei beiden Geschlechtern am höchsten.

Die Behandlung zieht sich teilweise über mehrere Jahre hinweg: Unter den
AOK-versicherten Rückenschmerzpatienten des Jahres 2017 waren 65,5 Prozent
bereits 2016 in Behandlung und 26,7 Prozent dauerhaft seit 2013.

Frauen nutzen häufiger Physiotherapie
Während Schmerzmittel beiden Geschlechtern in etwa gleich hohem Umfang
verordnet werden (Frauen 78,3 Prozent, Männer 76,7 Prozent), zeigen sich bei
der Inanspruchnahme von physiotherapeutischen Angeboten klare
Geschlechterunterschiede: Bei den Frauen nutzt rund ein Drittel der
Patientinnen (33,2 Prozent) eine Physiotherapie, bei den Männern nur ein
Viertel (24,6 Prozent); Frauen erhalten die meisten Verordnungen im Alter von
50 bis 54 Jahren (36,8 Prozent), Männer im Alter von 75 bis 79 Jahren (26,7
Prozent).

„Auch wenn Frauen und Männer Physiotherapie sehr unterschiedlich nutzen, sind
chronische, unspezifische Rückenschmerzen bei beiden Geschlechtern der
häufigste Grund für Krankengymnastik, Massage und Co.“, so Helmut Schröder.

Behandlungsprogramm für Rückenschmerzpatienten
Für Patienten mit chronischen, unspezifischen Rückenschmerzen hat der
Gemeinsame Bundesausschuss am 1. Oktober 2019 die Grundlage für sogenannte
Disease-Management-Programme (DMP) verabschiedet. Die darin enthaltenen
Anforderungen für die Behandlung basieren auf einer Recherche
wissenschaftlicher Leitli- nien und Studien. Empfohlen werden verschiedene
Maßnahmen: Die Basis bildet eine Aktivierung und Lebensstiländerung, die durch
individuelle Therapiemaßnahmen wie Krankengymnastik, Entspannungsverfahren,
psychotherapeutische und psychosomatische Behandlungen sowie Schmerztherapie
mit Arzneimitteln ergänzt werden können. Bei Erfolglosigkeit kann eine
teilstationäre oder stationäre multimodale Schmerztherapie eingeleitet werden.
„Damit können betroffene Patienten mit chronischen Rückenschmerzen in Zukunft
noch be- darfsgerechter unterstützt werden“, so Schröder.

Der Heilmittelbericht 2019
Für den Heilmittelbericht 2019 hat das WIdO die insgesamt rund 42 Millionen
Heilmittelleistungen ausgewertet, die 2018 zu Lasten der gesetzlichen
Krankenversicherung abgerechnet wurden, davon 15,4 Millionen für
AOK-Versicherte. Der Heilmittelumsatz erreichte damit insgesamt 7,25 Milliarden
Euro. Heilmittel umfassen physiotherapeutische, sprachtherapeutische,
ergotherapeutische und podologische Leistungen, die im Rahmen der
vertragsärztlichen Versorgung mit den Krankenkassen abgerechnet werden. Für die
5 Millionen AOK-Versicherten, die 2018 eine Heilmittelbehandlung in Anspruch
genommen haben, können die Kennzahlen der Versorgung auch mit Patientenbezug
dargestellt werden.

Für die Definition von chronischen Rückenschmerzen hat das WIdO die
Behandlungen der AOK-Versicherten von 2013 bis 2018 untersucht. Wenn ein
AOK-versicherter Patient in mindestens zwei Quartalen eines Jahres wegen
unspezifischer Rückenschmerzen bei einem Arzt war, dann arbeitsunfähig
geschrieben und/oder auch mit Arzneimitteln oder Physiotherapie versorgt wurde,
gehen die Versorgungsforscher des WIdO davon aus, dass hier ein chronischer
Rückenschmerzpatient behandelt wird. Unter unspezifischen Rückenschmerzen
werden alle Probleme zusammengefasst, die nicht auf Frakturen,
Bandscheibenvorfälle, Krebserkrankungen oder Ähnliches zurückzuführen sind.

zum Heilmittelbericht 2019

Quelle: WIdO, 17.12.2019

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erschienen am Mittwoch, 18.12.2019
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