Übersterblichkeit durch Hitzeperiode
Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität (RKI).
Die Auswirkungen der Extremhitze könnten größer sein als mit dem Hitze-Modell berechnet.
RKI: Rund 9.800 hitzebedingte Todesfälle in Deutschland bis Kalenderwoche 29/2026
Berlin, 30.07.2026
Das Robert Koch-Institut schätzt in seinem wöchentlichen Bericht zur hitzebedingten Mortalität rund 9.800 hitzebedingte Sterbefälle in Deutschland bis zur Kalenderwoche 29/2026.
Der Bericht wird während des Sommers 2026 wöchentlich aktualisiert und erfolgt parallel zum Sterbefallmonitoring des Statistischen Bundesamtes.
Der größte Anteil hitzebedingter Sterbefälle entfällt auf die Altersgruppen ab 75 Jahren, insbesondere auf über 85-Jährige mit rund 5.420 geschätzten Todesfällen.
Absolut gesehen versterben mehr Frauen als Männer im Zusammenhang mit Hitze, was sich auf den höheren Frauenanteil in den ältesten Altersgruppen zurückführen lässt.
Ab einer Wochenmitteltemperatur von etwa 20 Grad Celsius zeigt sich typischerweise ein hitzebedingter Anstieg der Gesamtmortalität.
In Kalenderwoche 29/2026 lag die bundesweite Wochenmitteltemperatur bei 20,9 Grad Celsius und damit oberhalb dieser Schwelle, in zwölf Bundesländern wurde eine Wochenmitteltemperatur über 20 Grad gemessen.
Das verwendete Modell konnte die Mortalitätsspitzen der Sommer 2016 bis 2025 gut erklären, weshalb auch für den aktuellen Sommer von einem vergleichbaren Hitzeeffekt ausgegangen wird.
Aktuell liegen die beobachteten Sterbefallzahlen deutlich über den Modellschätzungen, vermutlich weil das Modell nur die Wochenmitteltemperatur berücksichtigt, während die Tagesmitteltemperaturen am Ende der Kalenderwoche 26 deutlich höher lagen.
Die aktuell geschätzte Übersterblichkeit liegt bei rund 16.000 Fällen.
Im mehrjährigen Vergleich seit 2016 wurden die höchsten hitzebedingten Sterbefallzahlen in den Jahren 2018 und 2019 mit jeweils rund 7.000 und mehr Fällen erreicht.
In den Jahren 2020 sowie 2022 bis 2024 starben jeweils rund 3.000 und mehr Menschen hitzebedingt.
In den Jahren 2016, 2017 und 2021 lag die Zahl mit 1.200 bis 2.000 Fällen deutlich niedriger.
Die aktuelle Schätzung für 2026 mit rund 9.800 Fällen bis Kalenderwoche 29 ist damit bereits höher als in den meisten Vorjahren, wobei die Datenerhebung für das laufende Jahr noch nicht abgeschlossen ist.
Die aktuellen Zahlen bestätigen den bereits von Statistikamt Nord und Destatis in früheren Meldungen dieses Gesprächs beschriebenen Trend zur historischen Hitzewelle Ende Juni 2026, die dort bereits mit einem Anstieg der Sterbefallzahlen um 32 Prozent in der letzten Juniwoche dokumentiert wurde – die RKI-Schätzung von rund 9.800 hitzebedingten Todesfällen bis Ende Juli liegt bereits jetzt über den meisten Vorjahreswerten und übertrifft die Zahlen aus den Jahren 2020 sowie 2022 bis 2024 deutlich, obwohl die Datenerhebung für den laufenden Sommer noch nicht abgeschlossen ist.
Aufschlussreich ist der methodische Hinweis, dass die tatsächlich beobachteten Sterbefallzahlen die Modellschätzung sogar noch übersteigen, weil das Modell nur mit Wochenmitteltemperaturen arbeitet und damit extreme Tagesspitzen, wie sie am Ende der Kalenderwoche 26 auftraten, nicht vollständig abbildet – das deutet darauf hin, dass die tatsächliche gesundheitliche Belastung durch kurze, aber intensive Hitzespitzen möglicherweise systematisch unterschätzt wird, was für die Krankenhausplanung insofern relevant ist, als sich Belastungsspitzen für Notaufnahmen und geriatrische Abteilungen eher an solchen kurzfristigen Extremereignissen als an gemittelten Wochenwerten orientieren dürften.
Die klare Alterskonzentration auf die Gruppe der über 85-Jährigen mit einer Sterberate von 167,4 pro 100.000 Einwohnern, verglichen mit lediglich 1,0 pro 100.000 bei unter 65-Jährigen, unterstreicht zudem, wie stark hitzebedingte Mortalität mit Gebrechlichkeit und Multimorbidität korreliert ist, was die bereits von Baden-Württembergs Sozialminister Hildenbrand angestoßene Debatte um Hitzeschutzkonzepte für Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser mit dieser aktuellen Datenlage untermauert.
Für die Krankenhäuser bedeutet diese Entwicklung, dass Hitzeperioden zunehmend als eigenständiger, planbarer Belastungsfaktor in die Personal- und Kapazitätsplanung einbezogen werden sollten, ähnlich wie saisonale Grippewellen im Winter, zumal die seit 2016 zu beobachtende Häufung besonders heißer Sommer nahelegt, dass es sich hierbei nicht um einen einmaligen Ausreißer, sondern um eine sich verstetigende klimabedingte Entwicklung handelt.
