eHealth Monitor 2021

eHealth Monitor 2021: eHealth in Deutschland gewinnt an Dynamik (Download, PDF, 7 MB).

eHealth Monitor von McKinsey: Große Fortschritte bei Telemedizin und der Zulassung von digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) - Zahl der digitalen Sprechstunden erhöht sich 2020 um das 900-fache auf fast 2,7 Millionen...

eHealth Monitor von McKinsey: Große Fortschritte bei Telemedizin und der Zulassung von digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) - Zahl der digitalen Sprechstunden erhöht sich 2020 um das 900-fache auf fast 2,7 Millionen – Downloads der Top-40-Gesundheits-Apps verdoppeln sich auf 2,4 Millionen -
Datenaustausch bleibt digitale Baustelle: Kommunikation zwischen Krankenhäusern
und Ärzten erfolgt zu 95% immer noch in Papierform – Patienten und Versicherten
mangelt es oft an Aufklärung über den Nutzen von eHealth

Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems gewinnt an Dynamik. Corona
hat in einigen Bereichen wie ein Katalysator auf den Digitalisierungsprozess
gewirkt. Allein die Nutzung von Telemedizin ist um den Faktor 900 gestiegen: In
2020 hat sich die Zahl der digitalen Sprechstunden in deutschen Arztpraxen auf
fast 2,7 Millionen erhöht - von weniger als 3.000 digitalen
Arzt-Patient-Gesprächen vor COVID-19 im Jahr 2019. Die Zahl der Downloads der
Top-40-Gesundheits-Apps hat sich auf 2,4 Millionen nahezu verdoppelt. Auch auf
gesetzlicher und technologischer Ebene hat sich einiges getan, um den Weg zu
bereiten für digitale Meilensteine wie elektronische Patientenakte (ePA) und
das verzögerte eRezept. Dafür tickt das System an anderen Stellen noch
weitgehend analog, insbesondere beim Datenaustausch zwischen ambulanten und
stationären Einrichtungen. Die Kommunikation zwischen Arztpraxen und
Krankenhäusern erfolgt zu 95% immer noch in Papierform.

Dies sind die zentralen Ergebnisse des neuen eHealth Monitor von McKinsey &
Company. Die Unternehmensberatung liefert damit jährlich einen regelmäßigen
Überblick über die Fortschritte der Digitalisierung im deutschen
Gesundheitswesen. „Wir haben in Deutschland beim Thema eHealth im letzten Jahr
einige Fortschritte gemacht, sind aber noch lange nicht am Ziel“, stellte
McKinsey-Partnerin Laura Richter, Co-Autorin des Studie, bei der Vorstellung
der Analyse fest. „Die größten Herausforderungen sind der flächendeckende
Datenaustausch von Leistungserbringern insbesondere über ambulant-stationäre
Grenzen hinweg sowie die Skalierung von ePA und eRezept in Richtung Patienten
durch eine umfassende Informationskampagne.“

30 Indikatoren beschreiben den Fortschritt von eHealth in Deutschland

Der eHealth Monitor untersucht in diesem Jahr zum zweiten Mal anhand von rund
30 Indikatoren Entwicklung und Status quo von eHealth in Deutschland. Die
Analyse soll Entscheider:innen und Akteur:innen im Gesundheitswesen einen
aktuellen Überblick über relevante Trends und Neuerungen liefern. „Insgesamt
haben sich die Rahmenbedingungen für eHealth in Deutschland weiter verbessert“,
sagte Co-Autor Tobias Silberzahn, Partner bei McKinsey in Berlin. Dazu
beigetragen haben sieben eHealth-fokussierte Gesetze, die zwischen 2019 und
2021 auf den Weg gebracht wurden. Ihre Ziele: die Verbesserung der
regulatorischen Rahmenbedingungen für die Digitalisierung des Gesundheitswesens
hierzulande und die Beschleunigung des Ausbaus der digitalen Infrastruktur.
Tobias Silberzahn: „Mit der Einführung von ePA und eRezept baut Deutschland
weiter am eHealth-Fundament – aber es gibt noch einige Bereiche, bei denen
Deutschland im internationalen Vergleich mehr Gas geben sollte.“ Als Beispiel
nannte er die Fernbetreuung von Patienten, die in Großbritannien schon
etabliert sei.

Mit den zunehmenden Erfahrungswerten im praktischen Umgang mit ePA, eRezept
oder digitalen Gesundheitsanwendungen sollten nach Ansicht von McKinsey vor
allem bessere Rahmenbedingungen zur Förderung digitaler Lösungen geschaffen
werden, die einen konkreten Mehrwert im Leben und der Arbeit von Bürger:innen,
Ärzteschaft und und des Pflegepersonals haben werden. Verbesserungen seien
insbesondere bei der integrierten Versorgung von chronischen Patienten
notwendig – also der Verknüpfung von klassischen medizinischen Interventionen
mit digitalen Lösungen über Sektorgrenzen hinweg.

Fortschritte bei digitaler Infrastruktur – Nachholbedarf bei der Information

Konkrete Fortschritte zeigt der eHealth Monitor bei der digitalen
Infrastruktur: Mehr als 90% der Hausarztpraxen sind nach den jüngsten
Erhebungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung mittlerweile an die
Telematikinfrastruktur angeschlossen. Jüngere niedergelassene Ärzt:innen und
Psychotherapeut:innen unter 50 Jahren sowie mittelgroße bis große Praxen weisen
überdurchschnittliche Anschlussraten auf. Bei den ambulanten Ärzt:innen wächst
auch das Angebot an digitalen Services (+18% im Vorjahresvergleich). Allerdings
befürchtet nahezu die Hälfte von ihnen, dass sich durch die Digitalisierung die
Arzt-Patienten-Beziehung verschlechtern könnte (46%, vs. 43% im Vorjahr).

Großen Nachholbedarf zeigt der eHealth Monitor in der Rubrik "digitale
Gesundheitskompetenz": Mehr als jeder zweite Deutsche (55%) zeigt sich zwar in
Umfragen digitalen Gesundheitsangeboten gegenüber aufgeschlossen, doch es fehlt
den Befragten eigenen Angaben zufolge an Information und Aufklärung über die
digitalen Angebote. Ende 2020 hatten beispielsweise rund 40% der Versicherten
noch nie etwas von der ePA gehört, deren erste Ausbaustufe im Januar 2021 an
den Start ging. Entsprechend gering ist bislang auch die Resonanz auf das
digitale Angebot: Ein halbes Jahr nach der Einführung der ePA im Januar haben
bei den 20 größten gesetzlichen Krankenversicherungen weniger als 240.000
Versicherte die Akte heruntergeladen – ein Anteil von nur 0,4% der
Versicherten.

DiGA – eine regulatorische Erfolgsstory, die noch nicht skaliert

Zu den regulatorischen Erfolgsstorys wiederum zählt das Prüfverfahren für
digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), den Angeboten, die von den
Krankenversicherungen mittlerweile auch erstattet werden. Ihnen widmet der
eHealth Monitor einen eigenen Schwerpunkt, der auch der Frage nachgeht, warum
DiGA bislang so wenig verordnet und heruntergeladen werden. Bis diesen November
wurden 24 DiGA in das Verzeichnis des Bundesinstitut für Arzneimittel und
Medizinprodukte aufgenommen, allerdings stockt die Skalierung noch – neun DiGA,
die als App-Anwendung zur Verfügung stehen, kamen seit der Zulassung bis zum
31. Juli 2021 auf insgesamt unter 200.000 Downloads. Zum Vergleich: Im Jahr
2020 wurden laut Wissenschaftlichem Institut der AOK 685 Mio.
Fertigarzneimittel verordnet. Insgesamt hatte es bis zum 10.11.2021
Beantragungen für 104 DiGA gegeben. Mehr als die Hälfte von ihnen (55%) waren
jedoch an den Aufnahmekriterien der Zertifizierung gescheitert oder haben ihren
Antrag zurückgezogen. „Insofern hat das Prüfverfahren zwar den Weg zur
Erstattung geebnet, jedoch gleichzeitig die Eintrittshürde für Apps
hinsichtlich Nutzennachweis und Datenschutzanforderungen erhöht“, stellte Laura
Richter fest. Aber: "Diese Kombination aus regulatorischen
Qualitätsanforderungen und nationalem Erstattungspfad hat auch viel Interesse
im Ausland geweckt."

Einen besonderen Fokus legt der eHealth Monitor auch auf die deutschen
Forschungspublikationen zur Evidenz von eHealth-Lösungen. Deren Zahl hat sich
im letzten Jahrzehnt von 20 auf 116 im Jahr 2020 nahezu versechsfacht. Dennoch
sind es nur halb so viele wie in Großbritannien. 84% der Publikationen weisen
einen positiven Nutzeneffekt der digitalen Anwendungen nach – allein drei
Viertel davon einen verbesserten Gesundheitsstatus der Patienten. 10% der
Studien belegen höhere Kosteneffizienz, 14% eine Zeitersparnis für Ärzte.
Tobias Silberzahn: „Diese Zahlen zeigen, dass eHealth- Anwendungen das
Potenzial haben, Patienten bei nachhaltigen Verhaltensänderungen zu helfen –
und Ärzte und Pflegenden bei der Behandlung unterstützen können.“

Über den eHealth Monitor

Ergänzend zu den McKinsey-Analysen bietet der eHealth Monitor auch in diesem
Jahr wieder in zahlreichen Gastbeiträgen eine mehrdimensionale Sicht auf das
Thema eHealth in Deutschland, auf die vielfältigen Chancen, aber auch auf die
Herausforderungen, die mit dem digitalen Wandel verbunden sind. Zu Wort kommen
Institutionen und Akteure wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und
Medizinprodukte (BfArM), die Gematik, Robert-Bosch-Stiftung, Bundesministerium
für Gesundheit, Bundesverband Managed Care, Anbieter von eHealth-Lösungen
ebenso wie Ärzte und Patienten.

Der „eHealth Monitor 2021“ erscheint in diesem Jahr erstmals in Buchformat bei
der Medizinisch Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft: ISBN: 978-3-95466-656-0
Hier können Sie das Buch bestellen.

Zu den Inhalten des eHealth Monitor veranstalten wir eine Reihe von Webinaren.
Wenn Sie Interesse an der Teilnahme haben, dann melden Sie sich dafür hier an!

Quelle: Pressemitteilung, 18.11.2021

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erschienen am Freitag, 19.11.2021