Leitlinie Diagnostik und Therapie des Hepatozellulären Karzinoms und biliärer Karzinome KF
S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Hepatozellulären Karzinoms und biliärer Karzinome - Konsultationsfassung (AWMF, PDF, 5 MB).
Die interdisziplinäre S3-Leitlinie ist ein Instrument, um die Diagnostik und Therapie des Hepatozellulären Karzinoms (HCC), des Cholangiokarzinoms (CCA) und des Gallenblasenkarzinoms zu verbessern
S3-Leitlinie HCC: Risikofaktoren und Früherkennung des Leberzellkarzinoms
Die aktuelle Version der S3-Leitlinie zum hepatozellulären Karzinom (HCC) und biliären Karzinomen, Langversion 6.01 vom Juli 2026, beschreibt die Risikofaktoren für maligne Lebertumoren.
Die Inzidenz maligner Lebertumoren ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen.
Das HCC ist weltweit der häufigste maligne Lebertumor.
Nach aktuellen GLOBOCAN-Daten erkrankten 2022 weltweit mehr als 866.000 Menschen an einem primären Lebertumor, mehr als 758.000 starben daran.
Die häufigsten Risikofaktoren für ein HCC in Deutschland sind derzeit eine chronische Hepatitis-C-Infektion, Alkoholkonsum und die metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD).
Alkoholkonsum, Rauchen und Übergewicht gelten dabei als voneinander unabhängige Risikofaktoren.
Die Leberzirrhose bleibt der wichtigste Einzelrisikofaktor für die Entwicklung eines HCC.
Grundsätzlich weist jeder Patient mit Leberzirrhose ein erhöhtes HCC-Risiko auf, unabhängig von der zugrunde liegenden Ursache.
Das relative Risiko unterscheidet sich jedoch je nach Ätiologie erheblich.
Kohortenstudien zeigen, dass etwa 1 bis 8 Prozent aller Zirrhose-Patienten ein HCC entwickeln, davon 2 Prozent bei Hepatitis B und 3 bis 8 Prozent bei Hepatitis C.
Bei MASLD oder MASH schwankt die HCC-Inzidenz sehr stark zwischen 0,004 und 7,6 Prozent.
Bei MASH-Patienten ohne Leberzirrhose liegt die jährliche HCC-Inzidenz bei 0,02 Prozent und steigt bei Vorliegen einer Leberzirrhose auf 1,5 Prozent pro Jahr an.
Es zeigt sich ein Verschiebungsphänomen in der Hepatologie: Während Hepatitis C durch die inzwischen sehr wirksamen antiviralen Therapien als Risikofaktor tendenziell an Bedeutung verliert, gewinnt die MASLD als Folge von Adipositas und metabolischem Syndrom zunehmend an Gewicht, auch wenn ihre HCC-Inzidenz im Einzelfall sehr breit streut und bei Patient:innen ohne Zirrhose vergleichsweise niedrig bleibt.
Für die Krankenhausplanung und das Medizincontrolling onkologisch-hepatologisch tätiger Häuser ist relevant, dass sich mit dieser Verschiebung der Risikofaktoren auch das Patientenklientel verändert: MASLD-bedingte HCC-Fälle betreffen häufiger Patient:innen mit begleitenden kardiovaskulären und metabolischen Erkrankungen, was komplexere interdisziplinäre Versorgungspfade und möglicherweise auch andere Anforderungen an die Komorbiditäten-Behandlung im Vergleich zu klassischen virusbedingten HCC-Fällen mit sich bringt.
