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Thrombozytenkonzentrate - Vergleichbar in Qualität und Haltbarkeit

Thrombozytenkonzentrate - Vergleichbar in Qualität und Haltbarkeit (Paul Ehrlich Institut).

Thrombozyten (Blutplättchen)-Konzentrate sind in der Transfusionsmedizin unverzichtbar, insbesondere bei der Behandlung von Krebserkrankungen und schweren Blutungsereignissen. Sie werden in Deutschland als Einzelkonzentrate mittels Apherese oder aus mehreren Vollblutspenden hergestellt. Forschende...

Thrombozyten (Blutplättchen)-Konzentrate sind in der Transfusionsmedizin unverzichtbar, insbesondere bei der Behandlung von Krebserkrankungen und schweren Blutungsereignissen. Sie werden in Deutschland als Einzelkonzentrate mittels Apherese oder aus mehreren Vollblutspenden hergestellt. Forschende des
Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) haben jetzt beide Konzentrattypen im Labor
untersucht und wiesen vergleichbare Funktions- und Stabilitätsparameter nach.
Unabhängig vom Herstellungsverfahren stehen somit in Deutschland
Thrombozytenkonzentrate von hoher Qualität zur Verfügung. Über die Ergebnisse
berichtet Transfusion Medicine and Hemotherapy in seiner Online-Ausgabe vom
10.01.2020.

Eryothrozyten / Thrombozyten (Quelle: Steve Gschmeissner /
SciencePhotoLibrary)

Thrombozyten spielen eine Schlüsselrolle in der Blutgerinnung und sind somit in
der Transfusionsmedizin unverzichtbare, einzigartige Arzneimittel.

Sie besitzen mit bis zu fünf Tagen eine kurze Haltbarkeit, weshalb die
Bereitstellung von Thrombozytenkonzentraten in ausreichender Quantität und
hoher Qualität eine große Herausforderung für Blutspendeeinrichtungen
darstellt.

In Deutschland werden Thrombozytenkonzentrate mit zwei verschiedenen
Herstellungsverfahren gewonnen:

mittels sogenannter Thrombozytenapherese, bei der das Konzentrat maschinell von
einer einzelnen Spende gewonnen wird. Dabei werden die Thrombozyten aus dem
Blut des Spendenden entnommen, das restliche Blut wird mittels Infusion
zurückgeführt;
durch Herstellung aus mehreren Vollblutspenden. Bei diesem Verfahren werden
Thrombozyten einzelner Spenden isoliert und zu einem Konzentrat gepoolt.
In Deutschland sind sowohl Apheresethrombozytenkonzentrate als auch
Poolthrombozytenkonzentrate für die Transfusion zugelassen. Inwieweit beide
Konzentrattypen in ihrer Qualität und Funktionalität als gleichwertig zu
betrachten sind, wird intensiv in Fachkreisen diskutiert.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Abteilung
Hämatologie/Transfusionsmedizin des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) um Dr. Ursula
Salge-Bartels haben sich mit der Qualität und Haltbarkeit von
Thrombozytenkonzentraten befasst und in einer umfassenden Studie, die vom
Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gefördert wurde, die
In-vitro-Funktionalität dieser beiden Konzentrattypen verglichen.

Hierbei wurden Thrombozytenkonzentrate zu verschiedenen Zeitpunkten nach ihrer
Herstellung untersucht und wichtige etablierte und innovative
In-vitro-Funktions- und Stabilitätsparameter erfasst. Die Morphologie der
Thrombozyten wurde mit Transmissionselektronenmikroskopie untersucht. Frühere
Studien berichteten über die Auswirkungen von Scherkräften auf die Aktivierung
von Thrombozyten. Diese führen teilweise zu einem Verlust der
Reaktionsfähigkeit, eine physiologisch für den Gerinnungsablauf essenzielle
Funktion der Thrombozyten. Inwieweit das Herstellungsverfahren eine Rolle im
Hinblick auf mögliche Funktionsverluste der Thrombozyten spielt, wurde bisher
nicht untersucht. Daher etablierte das PEI-Forscherteam ein geeignetes
Testsystem, um die Auswirkungen von Scherkräften, wie sie z.B. im menschlichen
Kapillarsystem vorkommen können, auf Thrombozyten zu vergleichen, die mit den
beiden Herstellungsverfahren gewonnen worden waren.

Mit dem umfassenden Spektrum an Analysemethoden wiesen die Forscherinnen und
Forscher eine vergleichbare Morphologie und auch vergleichbare
In-vitro-Funktions- und Stabilitätsparameter für die untersuchten Thrombozyten
nach. Dies ist ein Hinweis darauf, dass, unabhängig vom Herstellungsverfahren,
in Deutschland Thrombozytenkonzentrate von hoher Qualität zur Verfügung
stehen.

Allerdings zeigten einige Thrombozytenkonzentrate in manchen Parametern eine
hohe Variabilität und zwar unabhängig davon, ob es sich um Pool- oder
Apheresekonzentrate handelte.

"Wir wollen in weiteren Untersuchungen aufklären, wodurch es zu der
beobachteten Variabilität bei einzelnen Präparaten kommt", erläutert Dr.
Salge-Bartels. Von Interesse ist auch, ob andere innovative
Herstellungsverfahren Thrombozytenkonzentrate ergeben, die vergleichbare
In-vitro-Funktions- und Stabilitätsparameter zeigen.

Originalpublikation
Fiedler SA, Boller K, Junker AC, Kamp C, Hilger A, Schwarz W, Seitz R,
Salge-Bartels U (2020): Evaluation of the in vitro function of platelet
concentrates from pooled buffy coats or apheresis.
Transfus Med Hemother Jan 10 [Epub ahead of print].

Quelle: Paul Ehrlich Institut, 10.01.2020

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erschienen am Freitag, 10.01.2020
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