Zi-Studie: Immer weniger ambulante Notfälle außerhalb der Sprechstundenzeiten





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Zi-Studie: Immer weniger ambulante Notfälle außerhalb der Sprechstundenzeiten

Rückgang ambulant versorgter Notfälle (2015-2024) um knapp 4 Prozent (ZI-Studie, PDF, 3,7 MB).



Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat eine Analyse zur Inanspruchnahme der ambulanten Notfallversorgung außerhalb der Sprechstundenzeiten zwischen 2015 und 2024 veröffentlicht.



Zi-Analyse: Ambulante Notfallversorgung sinkt leicht, ÄBD bleibt tragende Säule

Berlin, 16.07.2026

Die Zahl der ambulant versorgten Notfälle sank in diesem Zeitraum von 13,5 auf 13 Millionen, ein Rückgang von knapp vier Prozent.

Im Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) sank die Fallzahl um 0,7 Millionen von 7,2 auf 6,5 Millionen, ein Minus von 9,2 Prozent.

In den Notaufnahmen der Kliniken stieg die Fallzahl dagegen um 0,3 Millionen von 6,2 auf 6,5 Millionen, ein Plus von 2,6 Prozent.

Außerhalb der Sprechstundenzeiten trägt der ÄBD 2024 mit 50,3 Prozent weiterhin über die Hälfte der ambulanten Notfallversorgung.

In ostdeutschen Bundesländern liegen die Pro-Kopf-Zahlen ambulanter Notfälle durchgehend niedriger als in westlichen Regionen.

Für den ÄBD zeigt sich ein stabiles West-Ost-Gefälle mit höheren Quoten in West- und Süddeutschland.

Die Notaufnahmen weisen dagegen heterogenere Inanspruchnahmemuster über alle Regionen auf.

In 145 Kreisen, das entspricht 36 Prozent, sank die Inanspruchnahme beider Versorgungsebenen im Zeitverlauf, darunter auch einige Ballungsräume.

In 151 Kreisen (38 Prozent) fand eine Verlagerung zulasten der Notaufnahmen statt.

In 79 Kreisen (20 Prozent) wurde dagegen eine Verlagerung zulasten des ÄBD beobachtet, hier vor allem in eher ländlich strukturierten Kreisen.

Nach einem stabilen Niveau bis 2019 waren die Fallzahlen 2020 und 2021 infolge der COVID-19-Pandemie eingebrochen und näherten sich danach wieder dem Vorkrisenniveau an.

Zi-Vorstandsvorsitzender Dr. Dominik von Stillfried betont, der ÄBD bleibe außerhalb der regulären Praxiszeiten eine tragende Säule der Notfallversorgung.

Sollte die leicht rückläufige Nutzung auf eine dauerhafte Verschiebung hindeuten, liefe dies den Zielen der Notfallreform entgegen.

Die regional unterschiedlichen Entwicklungen erschweren nach seinen Worten aber eine allgemeine Trendaussage.

Als mögliche Ursachen für regionale Unterschiede nennt von Stillfried unterschiedliche Versorgungsangebote, die Bekanntheit der Rufnummer 116117 sowie Unterschiede in Gesundheitskompetenz und Patientensouveränität.

Auch der Ausbau telemedizinischer Angebote und neue Kooperationsformen zwischen ambulantem und stationärem Sektor hätten die Rahmenbedingungen verändert.

Datengrundlage waren bundesweite, krankenkassenübergreifende vertragsärztliche Abrechnungsdaten nach § 295 SGB V der Jahre 2015 bis 2024, zunächst ohne Bremen.

Die Zahlen liefern ein differenzierteres Bild als die oft plakative Debatte um überfüllte Notaufnahmen vermuten lässt: Insgesamt ist die ambulante Notfallinanspruchnahme sogar leicht rückläufig, während sich innerhalb dieser Gesamtentwicklung eine Verschiebung von ÄBD zu Notaufnahmen vollzieht, allerdings regional höchst uneinheitlich.

Für die Notfallreform, die explizit auf eine Stärkung des ÄBD und der integrierten Notfallzentren setzt, ist der Befund eines 9,2-prozentigen Rückgangs beim ÄBD bei gleichzeitigem Anstieg in den Notaufnahmen ein Warnsignal, das von Stillfried zu Recht vorsichtig, aber klar benennt.

Auffällig ist zudem das robuste West-Ost-Gefälle beim ÄBD, das nicht einfach mit demografischen Unterschieden erklärt werden kann, sondern eher auf strukturelle Unterschiede im Bekanntheitsgrad und in der tatsächlichen Erreichbarkeit des Bereitschaftsdienstes hindeutet.

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