Qualitätsmonitor: Mindestmengen wirken, Zentrumssteuerung stagniert
Qualitätsmonitor: Immer mehr komplexe Operationen in immer weniger Kliniken (WIdO).
Der aktualisierte Qualitätsmonitor des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zeigt für 2024 eine deutliche Konzentration bei Krebsoperationen infolge angehobener Mindestmengen, aber kaum Fortschritte bei der Steuerung in zertifizierte Krebszentren.
WIdO-Qualitätsmonitor: Mindestmengen wirken, Zentrumssteuerung stagniert
Berlin, 17.07.2026
WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder sieht in der Einführung und Anhebung von Mindestmengen einen dringend notwendigen Effekt: sinkende Klinikzahlen bei steigenden Fallzahlen je Standort.
Bei Brustkrebs-Operationen sank der Anteil der Fälle in Kliniken mit weniger als 100 Eingriffen pro Jahr von 15,2 Prozent im Jahr 2020 auf 9,6 Prozent im Jahr 2024.
Die durchschnittliche Fallzahl je Klinik stieg von 122 auf 166, die Zahl der beteiligten Kliniken sank von 575 auf 449.
Für Brustkrebs gilt seit 2024 eine Mindestmenge von 50 Fällen, seit 2025 von 100 Fällen pro Jahr.
Bei Lungenkrebs-Operationen war der Konzentrationsprozess noch ausgeprägter.
2020 wurde noch ein Drittel aller Fälle in Kliniken unterhalb der aktuellen Mindestmenge operiert, 2024 nur noch 12 Prozent.
Die durchschnittliche Fallzahl je Klinik stieg von 49 auf 71, die Zahl der operierenden Kliniken sank von 372 auf 294.
Seit 2024 gilt hier eine Mindestmenge von 40 Fällen, seit 2025 von 75 Fällen pro Jahr.
Bei Operationen an der Bauchspeicheldrüse sank der Anteil der Fälle unterhalb der Mindestmenge von 21,1 Prozent im Jahr 2020 auf 10,2 Prozent im Jahr 2024.
Die Zahl der beteiligten Kliniken sank von 479 auf 364 Standorte.
Die Mindestmenge wurde hier von zehn auf 15 Eingriffe (2024) und inzwischen 20 Eingriffe (2025) pro Jahr angehoben.
Die deutlichsten Veränderungen zeigen sich bei Operationen an der Speiseröhre.
2020 fanden noch 54,4 Prozent aller Eingriffe in Kliniken ohne Erfüllung der heute gültigen Mindestmenge von 26 statt, 2024 waren es nur noch 15 Prozent.
Die durchschnittliche Fallzahl je Klinik hat sich von 17 auf 31 nahezu verdoppelt.
Die Zahl der beteiligten Kliniken sank von 271 auf 134 Standorte, also um mehr als die Hälfte.
Schröder erwartet durch weitere Anhebungen der Mindestmengen zusätzliche Konzentrationsprozesse in den kommenden Jahren.
Wenig Bewegung zeigt sich dagegen bei der Steuerung in zertifizierte Krebszentren.
Der Anteil der Brustkrebs-Operationen in nicht-zertifizierten Kliniken lag 2024 unverändert zum Vorjahr bei 11 Prozent, insgesamt 8.255 Patientinnen wurden dort operiert.
Eine Ausnahme bildet Sachsen-Anhalt, wo der Anteil nicht-zertifizierter Operationen von 27 Prozent (2023) auf 12 Prozent (2024) zurückging.
Bei Lungenkrebs-Operationen liegt der Zentrumsanteil deutlich niedriger als bei Brustkrebs.
2024 wurden 57 Prozent der Fälle in zertifizierten Lungenkrebszentren behandelt, gegenüber 51 Prozent im Jahr 2020, nur ein leichter Anstieg.
Schröder fordert, die Zentralisierung von Krebsbehandlungen in zertifizierten Kliniken weiter voranzutreiben, da diese belegte Überlebensvorteile böten.
Der Qualitätsmonitor deckt insgesamt sechs Indikationen ab, darunter Herzinfarkt, Brustkrebs, Lungenkrebs, Schenkelhalsbrüche sowie Bauchspeicheldrüsen- und Speiseröhrenchirurgie.
Auffällig ist der klare Unterschied zwischen Fallzahlsteuerung und Zentrumssteuerung: Während sich die Mindestmengen als wirksames Instrument zur Konzentration auf größere Standorte erwiesen haben, bleibt die Steuerung in tatsächlich zertifizierte, mit umfassenderen Qualitätsanforderungen versehene Krebszentren nahezu unverändert, was zeigt, dass Fallzahl und Zertifizierungsstatus offenbar nicht automatisch zusammenfallen.
Aus Sicht des Medizincontrollings onkologisch tätiger Häuser liefert der Bericht einen klaren Hinweis darauf, dass weitere Anhebungen der Mindestmengen in den kommenden Jahren wahrscheinlich sind, was eine frühzeitige strategische Auseinandersetzung mit der eigenen Fallzahlentwicklung in den betroffenen Leistungsbereichen nahelegt.
