Steigende Fallzahlen bei komplexen Tumoroperationen
WIdO-Qualitätsmonitor 2026: Mindestmengen beschleunigen die Zentralisierung der Tumoroperationen (Ärztezeitung).
Der aktualisierte WIdO-Qualitätsmonitor für 2024 zeigt bei komplexen Tumoroperationen deutlich steigende Fallzahlen je Krankenhaus, während die Steuerung in zertifizierte Krebszentren nur langsam vorankommt.
WIdO-Qualitätsmonitor 2026: Mindestmengen wirken, Zentrumssteuerung hinkt hinterher
Berlin, 06.08.2026, 07:30 Uhr
Am stärksten hat sich die Landschaft bei Speiseröhrenoperationen gewandelt: Zwischen 2020 und 2024 sank die Zahl der beteiligten Standorte von 271 auf 134, die durchschnittliche Fallzahl je Klinik stieg von 17 auf 31.
Bei Brustkrebsoperationen verringerte sich die Klinikzahl im selben Zeitraum von 575 auf 449, die mittlere Fallzahl je Haus stieg von 122 auf 166.
Bei Lungenkrebs erhöhte sich die Fallzahl von 49 auf 71, die Zahl der Standorte sank von 372 auf 294.
Bei Bauchspeicheldrüsenoperationen ging die Zahl der beteiligten Häuser von 479 auf 364 zurück, die durchschnittliche Fallzahl stieg von 26 auf 33.
Hinter dieser Entwicklung stehen neue oder angehobene Mindestmengen: Für Brust- und Lungenkrebsoperationen gelten seit 2024 verbindliche Untergrenzen, die 2025 nochmals angehoben wurden.
Bei Speiseröhrenoperationen war die Mindestmenge bereits 2023 von 10 auf 26 Eingriffe erhöht worden, bei Bauchspeicheldrüseneingriffen 2024 von 10 auf 15 und 2025 auf 20.
WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder bewertet die sinkende Standortzahl bei gleichzeitig steigenden Fallzahlen je Standort positiv.
Dr. Konstanze Blatt, Generalsekretärin der Deutschen Krebsgesellschaft, betont, dass zertifizierte Zentren gegenüber Häusern, die lediglich die Mindestmengen erfüllen, einen zusätzlichen Überlebensvorteil zeigten, da sie weitergehende Anforderungen an fachübergreifende Zusammenarbeit und leitliniengerechte Behandlung erfüllen müssen.
Blatt sieht insbesondere die ambulante Versorgung in der Verantwortung, Patienten bei onkologischem Verdacht aktiv auf zertifizierte Zentren hinzuweisen.
Schröder fordert die Länder auf, die Zentralisierung von Krebsbehandlungen weiter voranzutreiben.
Ein Krankenhaus kann also die Mindestmenge für einen Eingriff erfüllen, ohne die zusätzlichen strukturellen und interdisziplinären Anforderungen einer Zertifizierung zu erreichen, was einen messbaren Unterschied beim Überlebensvorteil der Patientinnen ausmache.
Die große regionale Streuung deutet darauf hin, dass lokale Überweisungsgewohnheiten und die Dichte an Zentren vor Ort einen Einfluss auf die tatsächliche Versorgungsqualität haben, unabhängig von den bundesweit einheitlichen Mindestmengenregelungen.
