Studie untersuchte Sterblichkeit durch Mangelernährung im Krankenhaus
Studie: Mangelernährung wird in deutschen Krankenhäusern zu selten erkannt und therapiert (Deutschlandfunk).
Eine aktuelle Analyse von Krankenkassendaten zeigt, dass Mangelernährung bei Patienten in deutschen Krankenhäusern offenbar massiv unterdiagnostiziert wird. Unerkannte Mangelernährung verdoppelt dabei die Sterblichkeit.
Studie: Mangelernährung in deutschen Krankenhäusern massiv unterdiagnostiziert
Würzburg, 19.08.2026
Die Analyse ist im Fachjournal Deutsches Ärzteblatt International erschienen. Demnach erhielten nur gut ein Prozent der stationär Behandelten die offizielle Diagnose.
Fachleute schätzen den tatsächlichen Anteil der Betroffenen in Kliniken dagegen auf bis zu 30 Prozent.
Bei vielen Erkrankungen kann der Körper weniger Nahrung zu sich nehmen oder über den Darm aufnehmen, etwa bei Entzündungen oder bei Krebs.
Laut Analyse steigt die Sterblichkeit bei unerkannter Mangelernährung an. Die jährlichen Krankheitskosten pro Person erhöhen sich um mehr als 4.000 Euro.
Bis Ende 2027 soll der Gemeinsame Bundesausschuss eine bundesweite Richtlinie vorlegen, die die Erkennung und Behandlung von Mangelernährung in Krankenhäusern regelt.
Die Ernährungsmedizinerin Kristina Norman von der Charité Berlin nennt Zeitmangel durch hohe Dokumentationslast als eine der bekanntesten Hürden.
Auch unzureichende Schulung und eine geringe Priorisierung von Ernährungsfragen gegenüber anderen medizinischen Problemen spielten eine Rolle.
Die Diskrepanz zwischen der offiziellen Diagnoserate von gut einem Prozent und der geschätzten Prävalenz von bis zu 30 Prozent ist gravierend und deutet auf ein systematisches Erkennungsproblem hin, nicht auf Einzelfälle.
Eine Verdopplung des Sterberisikos bei unerkannter Mangelernährung stellt diese Versorgungslücke auf eine Stufe mit anderen ernsthaften, unterdiagnostizierten Erkrankungen im Krankenhausalltag.
Auch die genannten Zusatzkosten von über 4.000 Euro pro Patient und Jahr verdeutlichen, dass es sich hier um einen erheblichen wirtschaftlichen Faktor für das gesamte Gesundheitssystem handelt.
Ähnlich wie bei anderen Versorgungsdefiziten im Krankenhausalltag scheint auch hier administrativer Aufwand medizinisch relevante Zeit zu verdrängen. Dieser Grund zieht sich durch viele aktuelle Debatten um Bürokratieabbau in Krankenhäusern.
Die Forderung nach einem vollständigen Versorgungspfad statt einer bloßen Screening-Pflicht soll sicherstellen, dass identifizierte Risikopatienten auch eine strukturierte, ausreichend ressourcierte Behandlung tatsächlich erhalten.
