Beiträge von Anyway

    Underwood - aus welchem Grund sollte man bei einem positiven Drogenscreening keine F11.x kodieren dürfen? Aufwand vorhanden, Nachweis vorhanden....da braucht es formal keine zusätzliches beratendes Gespräch mehr.


    Wenn bei einem Patienten ein Diabetes bekannt ist und ein entsprechendes Antidiabetikum erhält, kann man dies doch auch ohne beratendes Gespräch als ND kodieren. Hier gelten ausschließlich die in den DKR aufgeführten Kriterien (PD003c spricht von therapeutischen oder diagnostischen Maßnahmen oder erhöhtem Betreuungs-, Pflege-, Überwachungsaufwand).

    In Ihrem Beispiel gab es einen eindeutigen diagnostischen Aufwand, daher ist die Erfassung als ND absolut legitim.

    Hallo PEPP-Koordinatorin,

    bei uns wird per INKA die Kasse lediglich kurz darüber informiert, dass wir ein Nachverfahren anstreben. Die Meldung dient sozusagen als offizieller Nachweis. Der Rest läuft wie bisher per Post und Telefon unter Berücksichtigung des Datenschutzes.


    Nebenbei bemerkt: KAIN und INKA sind in der Praxis eigentlich so überflüssig wie ein Kropf...


    Schöne Grüße, Anyway

    Ich habe eine kurze Nachfrage: Wie konnte der Gutachter bei einer reinen Fehlbelegungsprüfung ohne Erweiterung der Fragestellung Stellung zur HD nehmen?

    Tja - das müssten Sie den Gutachter fragen. Aber er hat es nunmal getan und wir gehen davon aus, dass der Gutachter über ausreichende Sachkenntnis verfügt - entsprechend haben wir die Rechnungskorrektur vorgenommen, aber selbstverständlich die AWP in Rechnung gestellt. Nicht mehr und nicht weniger! Es bleibt der Kasse ja unbenommen, nach Rechnungsänderung die Hauptdiagnose vom MDK überprüfen zu lassen...


    An alle anderen: im PEPP-System gibt es keine oGVD, sondern nur VD, von daher erhält der Gutachter ohnehin die kompletten Unterlagen. Was er dann damit macht, ob er den Prüfauftrag erweitert (so einen Fall hatten wir übrigens noch nie!) oder "nur" Statements von sich gibt, ist dann letztendlich seine Sache. Jedenfalls geht es stets darum, wie wir mit dem Ergebnis optimal umgehen.


    Schöne Grüße

    Anyway

    Hallo merguet,


    wir machen genau dieses: gnadenlos eine AWP, wenn die Prüfung nicht zu einer Minderung des Abrechnungsbetrages geführt hat, sondern zu einer Erhöhung. Das ist keine Provokation, denn den Mehraufwand durch die MDK-Prüfung hatten wir ja auf jeden Fall! Aus welchem Grund sollte das "Ergebnisrisiko" des Gutachtens nicht auch beim Auftraggeber liegen?


    Wir haben aktuell auch einen Fall, bei der die Kasse die Rechnungskorrektur nach MDK-Gutachten (zu unseren Gunsten) mit der von RA Berbuir erwähnten Begründung ablehnt. Die Änderung der Hauptdiagnose, die der Gutachter vorgenommen hat war dabei nicht einmal Gegenstand der MDK-Prüfung - hier ging es um eine Fehlbelegungsprüfung ohne Erweiterung des Prüfauftrages!

    Die Verwirkung eines Vergütungsanspruchs des Krankenhauses allein aufgrund eines Prüfauftrages an den MDK ist meines Wissens vom Gesetzgeber nicht vorgesehen. Jenseits dieses Prüfauftrags sind daher Korrekturen innerhalb der üblichen Fristen selbstverständlich möglich. Ich halte es für eine Provokation seitens der Kasse, dass sie dies nicht so sieht! Sollte diese bei ihrer Vorstellung bleiben, werden wir ausgesprochen gerne den Klageweg beschreiten...

    Zitat

    Solange sich überflüssige Behandlungen in den Kliniken rechnen, werden Ärzte und Operationssäle auf- und die Humanität abgebaut.

    merguet : es ist zwar eigentlich offtopic und ich will hier auch keine Grundsatzdiskussion vom Zaun brechen, aber von außen betrachtet gibt die messbare Ausreizung der "Fehlanreize" durch das DRG-System in der Somatik diesem Zitat eine gewisse Berechtigung. Und dass die notwendige Verweildauer häufig genug eher durch Kodierfachkräfte als durch Ärzte festgelegt wird ist auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Somatik muss sich tatsächlich den Vorwurf gefallen lassen, dass die Art der Behandlung im bundesdeutschen Schnitt zu offensichtlich in direktem Zusammenhang mit den jeweiligen DRG-Fallwerten stand und immer noch steht. Dass das InEK dies alle Jahre wieder durch entsprechende Abwertungen "zurechtrückt" ist gleichermaßen notwendig wie fragwürdig.
    Wir leben in der Psychiatrie immer noch in gewisser Weise auf der Insel der Glückseligen, da die Häuser ihre Budgets ohne die Fessel eines bundeseinheitlichen Basisentgeltwertes aushandeln können. Es geht mehr darum, die Budgetlatte sauber zu erreichen - Upcoding lohnt sich auf Dauer nicht. Auch deshalb gibt es in diesem Bereich wohl weniger Geschäftsführer, die mit Dollarzeichen in den Augen die Geschicke lenken...


    So - und jetzt hoffe ich inständig, dass ich keine Büchse der Pandora geöffnet habe - ist nur meine ganz private Meinung zu dieser Geschichte.


    Zurück zum eigentlichen Thema: so lange die Systeme von Politikern und Lobbyisten ausgestaltet werden, wird das Ergebnis entsprechend praxisfern sein (siehe StäB) und bleiben. Es gilt daher, über Teilnahme als Kalkulationshaus sowie an den Vorschlagsverfahren die Abrechnungssysteme zumindest ein wenig mitzugestalten.

    merguet ,

    StÄB beinhaltet eben all das, was des Politikers und des "Sozialpsychiaters" Herz begehrt. Hört sich theoretisch ja auch gut an und ist ja schließlich zum Wohle des Patienten und "vorwärtsgerichtet". Praktisch gesehen ist es allerdings keine Kopf- sondern eine Totgeburt. Die Umsetzung wird bestenfalls von einzelnen Häusern mit ausreichend Finanzspielraum aus Prestigegründen durchgeführt, doch auf Dauer wird sich niemand dieses Preis-Leisungsverhältnis leisten können.


    Modellprojekte sind da ganz anders gestrickt und i.d.R. von Praktikern konzipiert. Es ist mir völlig schleierhaft und nur mit politischem Unverstand zu erklären, dass man nicht die Evaluation bestehender Modellprojekte abgewartet und sich stattdessen für diesen schilda-mäßigen Schnellschuß entschieden hat. Aber vielleicht brauchen wir im OPS einfach mehr Baustellen :-)


    Schöne Grüße

    Anyway

    Hallo Norden,


    wir führen solche Falltrennungen zwar selten, aber immer mal wieder durch. Wie sonst sollte man eine korrekte Rechnung des nun teilstationären Falles erstellen? Und gerade in den folgenden Statistiken und Auswertungen ist es ja gerade wichtig, dass der Fall so dargestellt wird, wie er dann auch abgerechnet wurde. Insofern ist der "Deal" mit den Krankenkassen über zu streichende Tage, bis der Abrechnungsbetrag stimmt zwar einfacher, aber stellt die eigentliche "Fälschung" dar. Immerhin werden für die Budgetplanung des Folgejahres ja keine wie auch immer "geschönte", sondern korrekte Daten benötigt.

    Die ursprünglichen Daten bleiben, wie bereits von helmutwg beschrieben im ursprünglichen Fall komplett erhalten und sind so auch nach 10 Jahren noch nachvollziehbar. Der neue teilstationäre Fall ist dagegen nur ein inhaltsleeres Gerüst mit den nötigsten Rahmendaten, um eine korrekte Rechnung erstellen zu können. Juristisch ist das völlig sauber.

    Schöne Grüße

    Anyway

    Hallo allerseits,
    ich kann helmutwg im Wesentlichen zustimmen: eine reine Verhaltensbeobachtung gehört in den Verlaufsbericht und stellt keine Leistung im Sinne der OPS-Version dar.
    Eine Beaufsichtigung als Kleinstgruppe ist übrigens nicht gegegeben, wenn es sich nur zufällig um eine Gruppengröße bis 3 Patienten handelt - hier müsste schon ein störungsspezifischer Handlungsbedarf vorliegen und dokumentiert sein.
    Vielleicht sollte man sich von der Idee verabschieden, unter allen Umständen möglichst viele Therapieeinheiten erzeugen zu wollen. Das dient nicht der Behandlungsqualität, birgt die Gefahr überflüssiger Dokumentation und ist noch nicht einmal entgeltrelevant.


    Schöne Grüße
    Anyway

    Hallo allerseits,


    das Thema "Prüfung der Intensivmerkmale" ist ein sehr unerquicklichesThema. Wir achten zwar bereits im Vorfeld darauf, dass diese Merkmale auch aus der täglichen Dokumentation hervorgehen und korrigieren ggfs. nach (meist nach unten). Trotzdem wird munter geprüft und gestrichen. Derzeit klagen wir in einigen Fällen, bei denen uns solche ETs ohne jeglichen Kommentar (nach dem Motto: der Gutachter muss sich nicht erklären) gestrichen wurden. Sollten wir damit keinen Erfolg haben werden wir ernsthaft darüber nachdenken, ob wir diese Kodes nur noch sehr zurückhaltend setzen - was sich ja ohnehin nicht großartig auf das Gesamtbudget auswirkt. Das ist zwar ganz sicher nicht im Sinne des InEK, aber es ist auch nicht einzusehen, dass die butterweichen Kriterien der Intensivmerkmale in der Mehrzahl der Fälle zu einem unverhältnismäßigen Mehraufwand durch MDK-Prüfungen und anschließenden Streichungen führt.

    @hankey - hier eine kurze Zwischenantwort:
    Paloperidon ist derzeit das einzige Neuroleptikum, das im PEPP-Entgeltkatalog (unbewertete Zusatzentgelte) gelistet wird. Daran wird sich auch 2018 nichts ändern!


    @Suse, sei nicht so hart, ich sag ja auch nichts zur Groß- und Kleinschreibung ;-)

    Hallo allerseits,


    der Forderung der Dokumentationsdichte des MDK kann ich überhaupt nicht folgen. Aufgabe einer solchen Betreuungskraft kann es doch nicht sein, ständig Eintragungen vorzunehmen - letztendlich fände in dieser Zeit ja auch gar keine Betreuung statt. Was soll denn ein kurzer Eintrag alle 15 Minuten bewirken - den würde ich als Pflegekraft doch ohnehin am Ende der Maßnahme nachträglich (und in Ruhe) eintragen. Nein - wir sollten uns mit allen Mitteln gegen eine solche in meinen Augen völlig sinnlose Dokumentationswelle wehren!


    Selbstverständlich hat spätestens nach einer solchen Maßnahme eine aussagekräftige Dokumentation (Patientenbeobachtung etc.) zu erfolgen, aber das sollte dem MDK dann auch reichen. Wir würden in unserem Hause bei einer derart begründeten Ablehnung eines ET vermutlich den Klageweg beschreiten - glücklicherweise sind solche Begründungen bisher jedoch noch nie vorgekommen.


    Schöne Grüße
    Anyway