Beiträge von Hornung


    Den Kuypers´schen Vorschlag finde ich auch gut (weil konstruktiv), allerdings wird momentan nicht jeder in der Lage sein, dies auszuprobieren.
    Entscheidend erscheint mir folgendes (weil das DRG-System eben so und nicht anders funktioniert): Dass bestimmte Prozeduren zusätzlich benötigt werden, um in der "richtigen" DRG zu landen,
    gibt es zwar (Beispiel aus dem eigenen Laden (Uni-Chirurgie): operative Versorgung eines blutenden Magenulcus, hier braucht´s die Pyloroplastik, sonst wird´s überhaupt keine operative DRG), aber wohl nur als Ausnahme. Im wesentlichen geht es bei Patienten mit "teuren Zusatzproblemen" darum, geeignete Diagnosen (und ausnahmsweise mal eine "Schlüssel-Prozedur") zu finden, die zu einer leidlich kostendeckenden DRG führen, aber:
    1.Das geht in der Tat häufig nur retrospektiv
    2.Das sollte eine kundige (medizinisch und softwaretechnisch), spezialisierte Person tun (z.B. an Hand eines aussagefähigen, kurz nach Entlassung elektronisch verfügbaren Entlassungsbriefs - wir machen das seit Jahresbeginn so -> CMI über 2), denn
    a) es ist kaum zu schaffen, das allen Klinikern beizubringen (u.a. deshalb, weil der "deutsche ICD" derzeit allenfalls bedingt dafür brauchbar ist)
    b) selbst wenn es gelänge, wär´s betriebswirtschaftlicher Unsinn -
    rechnen Sie mal überschlägig nach, wie oft der einzelne Kliniker pro Jahr solchen Fällen begegnet (und: wie viele Jahre ist er auf einer Station ("Rotation"!), wie lange ist er überhaupt in Ihrem Haus ("Personalfluktuation"!)).


    Im übrigen: Wenn man diesen Schritt einmal geistig vollzogen - und umgesetzt - hat, liegt der nächste Schritt auch nicht mehr fern:
    Die Kliniker kodieren nur das Essentielle selbst (bei uns: Hauptdiagnose und Operationen, der Rest, z.B. Nebendiagnosen, Komplikationen usw. wird an Hand des Entlassungsbriefes vom Spezialisten(-Team) hinzugefügt).
    Erwünschter Nebeneffekt: Das Problem, das Relevante aus einer Unmenge von (für teures Geld oder in unbezahlten Überstunden produzierten) irrelevanten Daten herauszufiltern - tritt gar nicht auf.


    Mit den besten Wünschen


    Hans M. Hornung

    Herr Hornung, können Sie vielleicht kurz mal etwas zu Ihrer Position und Arbeitsstätte sagen? Danke!
    Gruß
    D.D.Selter


    Wenn´s der Wahrheitsfindung dienlich ist...
    Ich bin angestellter Arzt (Dr. med. ...) an der Chirurgischen Klinik Großhadern am Klinikum der LMU München (d.h. einer relativ großen Abteilung mit über 200 Betten) und fungiere dort seit einem Jahrzehnt als eine Art "Informationsmanager" (offizielle Stellenbeschreibung: Leiter der Chirurgischen Dokumentation).
    Falls Sie die inhaltliche Position gemeint haben sollten:
    Die verbreitete Ratlosigkeit (bisweilen mit erkennbar hysterischem Einschlag) resultiert zu einem guten Teil aus dem kläglichen Niveau medizinischer EDV-Dokumentation in Deutschland (zu hoher Aufwand, zu geringe Aussagefähigkeit der Daten usw.). Der Versuch, in dieser Richtung einen Denkanstoß zu geben, führt bei so gut wie allen Betroffenen (zu denen Sie mich auch zählen dürfen) allenfalls zu guten Ideen, was ANDERE tun könnten ...


    Mit freundlichen Grüßen


    Hans M. Hornung

    Die Daten des Jahres 2001 (ab 1. HJ, 2. HJ, 3. HJ? etc.) bilden die Grundlage für die Budgetbemessung, oder?
    Nicht ganz, Sie dienen zunächst nur der Ermittlung eines (jeweils landesweit gültigen) Punktwerts ("base-rate"), der die Relativgewichte der DRGs in Euro und Cent umsetzen wird - also ganz ähnlich wie beim derzeitigen Fallpauschalen-/Sonderentgeltsystem, wo es einen bayrischen, sächsischen usw. Punktwert gibt. Was Politik und/oder Selbstverwaltung ansonsten noch für Beschlüsse hinsichtlich dieser Daten fassen werden, kann man wohl heute noch nicht sagen ...


    Welche Daten sind hier eigentlich gemeint? Sind es die Rohdaten, also die sog. §301-Daten? Bezogen auf das einzelne Krankenhaus: Welcher Datenstand ist maßgeblich? Was ist, wenn da ein Krankenhaus dabei ist, welches keine suffiziente EDV besitzt?
    M.W. gibt es zumindest die Option, einen "ergänzten" bzw. korrigierten Datenbestand zu erstellen und irgendwann im Jahr 2002 zu übergeben. (Das geht natürlich nur mit "suffizienter EDV".)


    Eine Frage, die mich sehr interessiert: An wieviele Adressen schicken die 2300 deutschen Krankenhäuser
    Die Krankenkassenverbände betreiben zentrale Dienstleistungsstellen,
    von dort wird wohl irgendwie weiterverteilt werden.


    Gehen wir mal davon aus, es sei nicht entscheidend, dass die Daten bei der Entlassung des Patienten bereits zu DRGs gruppiert worden sind. Wie soll dann das Krankenhaus jemals erfahren, welche Patienten welche offizielle DRG zugeordnet bekommen haben? Wie soll das Krankenhaus DRG-bezogen kalkulieren?
    Indem es einen Grouper über die eigenen Daten laufen läßt. (Wer einen Grouper stricken will, muß die DRG-Algorithmen, allgemeine und spezielle Kodierregeln usw. zu einer Software verwursten und diese dann von der zuständigene Stelle - ich vermute, das wird das "DRG-Institut" sein - zertifizieren lassen. Man ist also zunächst wohl auf den Grouper angewiesen, den der eigene KIS-Anbieter gestrickt oder zugekauft hat. Das ganze kann aber erst stattfinden, nachdem die speziellen Kodierregeln verabschiedet sind.)


    (Wie können die Daten gelten, wenn zum Zeitpunkt der Erhebung kein Grouper vorhanden war und die Kodierrichtlinien noch nicht in Kraft gesetzt waren? In Klammern, weil dies wieder die Frage nach dem „wann“ und nicht nach dem „wie“ betrifft.)
    Nun, alle Beteiligten gehen von der Fiktion aus, daß ICD- und OPS301-Daten zu einer adäquaten Darstellung der medizinischen Sachverhalte führen und somit die Gruppierung quasi nur Formsache ist.
    Einen Kommentar hierzu schenke ich mir.


    Ist es nicht geradezu eine notwendige Bedingung für ein funktionierendes DRG-System, dass das Krankenhaus für jeden Behandlungsfall bereits während des Patientenaufenthaltes weiß, mit welcher DRG dieser abgerechnet wird?
    Dies ist m.E. gar nicht in jedem Fall möglich, da beispielsweise Komplikationen die Eingruppierung - sozusagen bis zum letzten Tag des Aufenthalts - ändern können. Im übrigen ist es sicher ratsam, das Dokumentationsgeschehen im eigenen Haus und das resultierende (DRG-)
    Ergebnis in der "budgetneutralen Phase" (wie es aussieht: die Jahre 2003 und 2004) sorgfältig zu beobachten und womöglich sinnreiche Konsequenzen zu ziehen (hoffentlich auf der Dokumentationsebene und NICHT auf der medizinischen ...).


    Was zählt in der unmittelbaren Zukunft? Gute Medizin oder gute Software eines Krankenhauses? Was wird hier zur Überlebensfrage?
    Gute Software und eine durchdachte medizinische (EDV-)Dokumentation
    (das ist m.E. nicht notwendigerweise dasselbe, jedoch sicher in hohem Maß voneinander abhängig) sollten es erleichtern, daß man gute Medizin auch einigermaßen entgolten bekommt ...


    Denkt irgendjemand an die praktische Umsetzung des Verfahrens??
    Na, hoffentlich Sie in Ihrem Haus, vielleicht ich in meinem ... ich würde lieber nicht zu lange darauf warten, daß ein deus ex machina uns das vollständig abnimmt.


    Wer sorgt dafür, dass eine arbeitssparende Verschlüsselungssoftware „unters Volk“ gebracht wird?
    s. Antwort zur vorhergehenden Frage


    Nationale Aufgabe??
    schmunzel


    Oder muß jedes Krankenhaus selber sehen, wo es bleibt?
    Letztlich ja, wenn man selbst ein DokumentationsKONZEPT hat, kann man ja versuchen, dies seinem Software-Anbieter schmackhaft zu machen ...


    Wer soll hier ein Geschäft machen dürfen auf Kosten der Patienten und Ärzte?
    Nach meinem Verständnis jeder, der zwei Dinge schafft:
    1. Zertifizierung "seines" Groupers (aufwendig, aber letztlich kalkulierbar)
    2. Die "Entscheider" in den deutschen Krankenhäusern von seinem Produkt zu überzeugen.


    Gruß


    Hans M. Hornung